Die Reise geht für Futsal Minerva weiter

Futsal Minerva hat erstmals den Einzug in die Hauptrunde des Uefa Futsal Cups geschafft. Die Berner begeisterten in der Sporthalle Weissenstein mit einem fulminanten Schlussspurt gegen London Helvecia.

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Simon Scheidegger@theSimon_S

Miro Prskalo schaut kurz zu Boden. Dann steht er auf und hebt die Hände ungläubig vors Gesicht. Er dreht sich ab, schaut noch einmal Richtung Anzeigetafel und sieht, dass er nicht träumt, dass Futsal Minerva tatsächlich soeben den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte realisiert hat. Soeben hat Dardan Maksutaj im dritten und entscheidenden Spiel gegen London Helvecia das vierte Tor für die Berner erzielt.

Am erstmaligen Einzug in die Hauptrunde des Uefa Futsal Cups gibt es keine Zweifel mehr. Das weiss zu diesem Zeitpunkt auch Miro Prskalo, der Präsident des Vereins, der während der Spiele immer vom Spielfeldrand aus mitfiebert und diesen nach dem Schlusspfiff nicht selten heiser verlässt.

56 Teams aus ganz Europa

Der Uefa Futsal Cup, 2001 erstmals durchgeführt, ist ein stetig wachsendes Klubturnier. Heuer nahmen 56 Teams aus ganz Europa teil - ein Rekord. Ein Indiz für das Wachstum und die stete Professionalisierung von Futsal ist zudem, dass der Wettbewerb ab dem kommenden Jahr analog zum Fussball in Uefa Champions League umbenannt wird. Das Teilnehmerfeld wird indes rasch verkleinert.

Neben den 24 aufgrund des Koeffizienten gesetzten Mannschaften werden in acht Vorrundenturnieren à vier Teams die acht letzten Teilnehmer ermittelt. Nur die Sieger dieser Turniere bleiben jeweils im Wettbewerb. Futsal Minerva war in diesem Jahr erstmals Ausrichter eines solchen Turnieres, das für den Schweizer Meister einerseits zwar einen hohen administrativen und finanziellen Aufwand birgt, anderseits aber auch eine sportlich äusserst attraktive Herausforderung mit sich bringt.

Suboptimaler Spielkalender

Uefa Futsal Cup ist, wenn brasilianische Ballkünstler aus der Weltstadt London auf gibraltarische Kicker treffen, die ihre Spiele in einer modernen Halle zwischen Flughafenlandebahn und Affenberg austragen; wenn auf der Tribüne ein internationales Sprachenpotpourri zu hören ist und jedes Tor frenetisch bejubelt wird, oder wenn 300 Zuschauer in der Sporthalle Weissenstein beim geschichtsträchtigen 4:1-Erfolg von Minerva gegen Helvéecia Futsal London mehr Lärm erzeugen als es manchenorts 5000 im Stande wären.

Für das Heimteam sind die Auftritte auf europäischem Parkett jedoch nicht nur aufgrund der Gegner und der Atmosphäre eine besondere Herausforderung, sondern auch aufgrund des suboptimalen Spielkalenders. Den letzten Ernstkampf hatte Minerva vor beinahe einem halben Jahr bestritten, am 11. März, den Meisterschaftsfinal gegen den FC Silva, als die Berner ihren dritten Schweizer Meistertitel feiern konnten. Seither haben die Spieler von Pedro Santos nur ein paar wenige Testspiele in den Knochen.

Bestätigung für die Strategie

Entsprechend lief sowohl gegen den gibraltarischen Meister Lynx FC als auch gegen den in Dublin beheimateten Transylvania FC noch nicht alles nach Wunsch, dennoch gestalteten die Berner beide Partien siegreich (4:1 und 3:2)

«Von den 56 Teams sind wir an 54. Stelle, das darf man nicht vergessen», hatte Santos nach dem Auftaktsieg noch gemahnt, spätestens nach dem fulminanten Auftritt im letzten Spiel, mit vier Toren in der zweiten Halbzeit, verkam diese Rangordnung aber zur Makulatur. «Das ist ein grosser Schritt für den Verein und die Bestätigung dafür, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist», sagt Prskalo.

Vor knapp einem Jahr hatte sich Minerva für eine Strategie entschieden, die vor ihnen noch kein Schweizer Verein gewählt hatte. Die Berner engagierten mit Pedro Santos einen Futsal-Kenner, der bei Sporting Lissabon, einem der renommiertesten Klubs des Hallenfussballs, grosse Erfolge gefeiert hatte.

Im Oktober nach Finnland

Nun trägt die Arbeit des zurückhaltenden Portugiesen auch bei Minerva Früchte. Ob er einen guten Job mache, sollen andere beurteilen, meinte Santos mit einem Schmunzeln. Für Captain Yves Mezger ist jedoch klar: «Wir sind viel weiter als vor fünf Jahren.» Damals und im Jahr darauf hatte Minerva ebenfalls an einem Vorrundenturnier des Uefa Futsal Cups teilgenommen.

Beide Male war das europäische Abenteuer nach drei Partien beendet. Heuer geht es nun noch weiter. In Finnland. In der kleinen Gemeinde Sievi trifft Minerva vom 10. bis 15. Oktober sowohl auf den finnischen Meister als auch die deutschen und belgischen Titelträger von Jahn-Regensburg und Halle-Gooik.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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