Der Besuch der alten Jolimont

Bern

Die MS Jolimont wurde für die BEA von Sugiez nach Bern transportiert. Für den 103-jährigen Star der BEA- Sonderschau «Seeland» wurde eigens ein Becken gebaut.

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Das Tuten der Neuchâtel ist ohrenbetäubend. Neben dem Kanal, auf dem das Dampfschiff vom Neuenburger- in den Murtensee gleitet, steht der Grund für den Abschiedsgruss. Auf einem Lastwagenanhänger aufgebockt und fest vertaut, wartet das Oldtimerschiff Jolimont auf den Abtransport. Das Schiff, dass seit über 100 Jahren auf den Juraseen unterwegs ist, hat eine aussergewöhnliche Reise vor sich. Per Grosstransport geht es von Sugiez nach Bern.

Für die Sonderschau über das Seeland brauchten die Messemacher der BEA ein richtiges Schiff. Nicht zu gross sollte es sein, aber trotzdem nicht nur ein Bötlein, sondern ein richtiges Kursschiff. «Wir hatten Probleme, was Passendes zu finden», sagt Erhard Riggenbach vom Grünen Zentrum, wo die MS Jolimont während der BEA ausgestellt sein wird. Bei Guido Schuppisser wurden sie doch noch fündig. Für sein Motorschiff haben die BEA-Macher eigens ein 1,3 Meter tiefes Becken gebaut. Bis das Schiff aber in Bern eingewässert werden kann, muss es zuerst dort hinkommen.

11'000 Franken für Transport

14 Meter lang, 3,5 Meter breit und rund 11 Tonnen schwer ist das Oldtimerschiff. Diese Masse sind für die Männer der Transportfirma kein Problem. Viel kniffliger bei Schwertransporten ist meist die Höhe der Fracht. Es sind zu tiefe Brücken und Unterführungen, die Probleme bereiten. Im Fall der MS Jolimont gehen die Transporteure kein Risiko ein und fahren bei Murten direkt auf die Autobahn. Mit Tempo 80 geht die Fahrt Richtung Bern. So schnell war das Schiff noch nie unterwegs. Die maximale Geschwindigkeit des Schiff liegt normalerweise bei 22 Stundenkilometern.

Für den Besitzer Guido Schuppisser ist die MS Jolimont ein Hobby. Als der Werber sie 1999 kaufte, war das Schiff ein Wrack. Drei Jahre dauerte das Restaurieren. Die Arbeitsstunden haben er irgendwann nicht mehr aufgeschrieben, sagt er.

Seit 2008 bietet er das Motorschiff für private Anlässe als Privatcharter an. Rund eine halbe Million Franken ist das schwimmende Bijou wert. Entsprechend nervös ist der Schiffsbesitzer, der den Transport begleitet. Nicht mögliche kostspielige Unfälle bereiten ihm Sorgen (der Transport ist versichert), sondern schlicht die Tatsache, dass seiner Jolimont überhaupt etwas passieren könnte.

Der 11'000 Franken teure Transport verlief ohne Zwischenfälle. Das Schiff ist sicher auf dem BEA-Gelände angekommen. Guido Schuppisser atmet auf. Der nervenaufreibende Teil der Reise steht aber noch bevor.

Millimeterarbeit ist gefragt

Kiel und Steinblock trennen nur Zentimeter, das Schiff pendelt hin und her. Die beiden Kranführer leisten Millimeterarbeit. Langsam manövrieren sie das Schiff über die Mauer auf das Becken zu. Wegen des Zeltdachs können sie die Kranarme nicht höher heben. Über Funk koordinieren sie ihr Vorgehen, ein Lotse gibt Anweisungen. Nun schwebt die MS Jolimont über dem Becken, sanft gleitet sie ins Wasser. Genug zugeschaut – Guido Schuppisser eilt auf das Schiff zu, geht in die Kabine und hilft beim Vertäuen.

Vom 25. April bis zum 4. Mai kann die MS Jolimont im Zelt des Grünen Zentrums besichtigt werden. Das Schiff selbst ist für Besucher aber nicht zugänglich. Ein rollstuhlgängiges Podest ermöglicht trotzdem einen genaueren Einblick. An den ersten vier BEA-Tagen, sowie an den Wochenenden, wird Schiffsbesitzer Guido Schuppisser vor Ort sein und Fragen beantworten.

Berner Zeitung

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