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Baubranche schlittert in KriseAuf dem Bau drohen Konkurse – nun soll der Staat mehr bauen

Baufirmen dürften auf die Krise mit Stellenstreichungen reagieren. Einige werden sogar pleitegehen, warnt der Schweizerische Baumeisterverband – und fordert Investitionen von Bund, Kantonen und Gemeinden.

Der Baumeisterverband fordert mehr Investitionen in Infrastruktur – hier eine Baustelle in Zürich.
Der Baumeisterverband fordert mehr Investitionen in Infrastruktur – hier eine Baustelle in Zürich.
Foto: Urs Jaudas

Der Schweizerische Baumeisterverband warnt angesichts der Corona-Krise vor einem Stellenabbau und Konkursen. Zum einen dürften sich im lange Zeit boomenden Wohnungsbau die Konsolidierung fortsetzen und die Arbeit zurückgehen, sagt Baumeisterverband-Direktor Benedikt Koch. «Im Herbst und Winter müssen wir mit einem Abbau von Stellen insbesondere bei Temporärbeschäftigten rechnen.» Noch unmittelbarer wirkt sich die Krise auf den Bau von Büro- und Gewerbeimmobilien aus. Dort rechnet der Verband mit einem starken Rückgang. «Wir müssen davon ausgehen, dass Firmen in Konkurs gehen werden», sagt Koch vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV).

Die pessimistischen Töne verwundernim Mai gingen die Arbeitslosenzahlen auf dem Bau zurück. Und schliesslich war der Bau eine der wenigen Branchen, die während der Krise weiterarbeiten konnte. Doch das Bild trüge, sagt Koch. Im Tessin seien die Baustellen während des Lockdown komplett geschlossen gewesen, in der Romandie zumindest teilweise, und ebenso hätten die SBB als wichtige Auftraggeberin viele Aktivitäten vorübergehend eingestellt.

In einzelnen Kantonen sei es darüber hinaus zu Verzögerungen bei Baubewilligungen gekommen, weil viele Verwaltungsangestellte im Homeoffice waren. «Das wirkt sich noch nicht im zweiten Quartal aus, weil wir von einem Arbeitsvorrat zehren können. Die grosse Herausforderung werden das dritte und das vierte Quartal werden», sagt Koch.

Erste Unternehmen streichen bereits Stellen

Die angespannte Lage der Branche spiegelt sich auch im quartalsweise veröffentlichten Bauindex der Credit Suisse gemeinsam mit dem SBV, der für das zweite Quartal quer über alle Segmente einen Umsatzrückgang von knapp sieben Prozent erwarten lässt. Im Wirtschaftsbau dürfte das Minus mit knapp 17 Prozent deutlich höher ausfallen.

Einzelne Firmen haben bereits reagiert: Das Luzerner Bauunternehmen Anliker beispielsweise streicht per Ende Juni rund 70 Stellen. «Der Grund ist, dass wir uns anpassen an die zukünftige Nachfrage, die speziell im Hochbau rückläufig ist», sagt Anliker-Finanzchef Roland Dubach. Das sei aber kein neues Phänomen durch die Corona-Krise. Diese habe die bereits bestehenden Abbaupläne des Unternehmens lediglich beschleunigt. Weitere Baufirmen könnten diesem Beispiel folgen. Schweizweit hängen 500’000 Jobs an der Baubranche – inklusive Planern und dem nachgelagerten Ausbaugewerbe.

Baufirmen hoffen auf öffentliche Aufträge

Um die Branche zu unterstützen, fordert der Baumeisterverband, dass die öffentliche Hand verstärkt in Infrastruktur investiert und sich dabei möglichst bald an neuen Vorgaben zur Auftragsvergabe orientiert: Gemäss einer Gesetzesrevision ist für den Zuschlag künftig nicht mehr nur der Preis ausschlaggebend – sodass automatisch der günstigste Anbieter zum Zug kommt –, sondern verstärkt auch die Qualität eines Angebots. Der Verband erhofft sich davon einen Paradigmenwechsel und ein Ende des für viele Baufirmen ruinösen Preiskampfs.

Das könnte jedoch zu höheren Baukosten führen: Das Koordinationsgremium der öffentlichen Bauherren, das Bund, Kantone und Gemeinden umfasst, geht in einer Übergangszeit von «etwas höheren Ausgaben» aus. Mittel- bis langfristig werde sich das aber beispielsweise durch tiefere Erhaltungskosten bezahlt machen. «Wenn bei der Planung und dem Bau eines Gebäudes durch höhere Investitionen tiefere Betriebskosten während der Lebensdauer des Gebäudes erreicht werden können, hat sich das Ganze für die öffentliche Hand unter dem Strich auch finanziell gelohnt», erklärt das Gremium.

«Jetzt darf nicht der Mut verloren gehen angesichts der Corona-Situation.»

Benedikt Koch, Direktor Baumeisterverband

Bei der Umsetzung dieses Paradigmenwechsels verfolgen Bund und Kantone höchst unterschiedliche Zeitpläne. Auf Bundesebene ist die Revision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen bereits beschlossen und tritt Anfang 2021 in Kraft. Die Kantone beginnen jedoch erst sukzessive damit: Bislang hat lediglich Bern ein entsprechendes Verfahren eingeleitet. Wann die anderen Kantone nachziehen, ist offen. «Der Zeitplan liegt in der Kompetenz der einzelnen Kantone», erklärt deren zentrale Koordinationsstelle – die Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz.

Dem Baumeisterverband dauert das zu lange. «Die Kantone sollen Gas geben mit einer umfassenden und raschen Anwendung des öffentlichen Beschaffungsrechts. Jetzt darf nicht der Mut verloren gehen angesichts der Corona-Situation», fordert Baumeisterverband-Direktor Koch. Kantone und Gemeinden vergeben in der Schweiz nach Angaben des Verbands rund zwei Drittel aller öffentlichen Bauaufträge – bezogen auf deren Wert. Entsprechend wichtig ist für die Baumeister, nach welchen Kriterien sie dabei vorgehen.

22 Kommentare
    Ernesto walti

    Wo ist das Problem... wenn alles zugebaut ist, jedes noch so kleine Grundstück bebaut ist . Dann ist halt fertig gebaut. Dann kann man vielleicht auch wiedermal eine Handwerker für eine Reparatur anfragen ...

    Es braucht nicht mehr öffentliche Bauten die sowieso immer viel zu Teuer gebaut werden...

    Diese Baubranche soll sich gesund schrumpfen ....