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154 Suizide in 155 Tagen

Mehr Selbstmörder als Gefallene unter US-Soldaten: Die Selbstmordrate von aktiven Armeeangehörigen sorgt im Pentagon für Unruhe – sie ist dieses Jahr um 18 Prozent gestiegen.

Je mehr Kampfeinsätze, desto akuter wird die Selbstmordgefahr: US-Soldat in Afghanistan. (Archivbild)
Je mehr Kampfeinsätze, desto akuter wird die Selbstmordgefahr: US-Soldat in Afghanistan. (Archivbild)
Reuters

Die Selbstmordrate im US-Militär ist dieses Jahr so stark angestiegen wie niemals zuvor in den vergangenen zehn Jahren. Experten sehen verschiedene Gründe dafür: Kampfeinsätze, posttraumatischer Stress, Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente und persönliche finanzielle Probleme sind einige davon.

Auch sexuelle Übergriffe, Alkoholmissbrauch und häusliche Gewalt kommen unter US-Soldaten im aktiven Dienst immer häufiger vor, wie aus Statistiken des Pentagons hervorgeht.

Weil die Selbstmordrate in den vergangenen beiden Jahren rückläufig war, zeigte sich das US-Verteidigungsministerium überrascht. Jackie Garrick, Leiterin der neu eingerichteten Abteilung für Selbstmordprävention, sagte gestern, die jüngsten Zahlen seien besorgniserregend, denn das Pentagon habe mit weitaus weniger Suiziden gerechnet.

Weniger Soldaten im Kampf getötet

In den ersten 155 Tagen dieses Jahres nahmen sich 154 Soldaten das Leben. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Basierend auf der Entwicklung von 2001 bis 2011 hatte das Pentagon für den Zeitraum vom 1. Januar bis 3. Juni mit 136,2 Selbstmorden gerechnet.

Von Januar bis Mai nahmen sich 25 Prozent mehr US-Soldaten das Leben als vor zwei Jahren. Im Vergleich zu 2009, dem Jahr mit der bislang höchsten Selbstmordrate auf Jahressicht, liegt der Anstieg bei immerhin 16 Prozent.

Damit starben insgesamt mehr US-Soldaten durch die eigene Hand als bei Kämpfen in Afghanistan in der Vergangenheit, die Jahre 2008 und 2009 mitgerechnet. In die Statistiken eingeflossen sind nur die Selbstmorde von Soldaten im aktiven Dienst, Selbstmorde von Veteranen wurden nicht berücksichtigt.

Aus den Daten geht hervor, dass Soldaten mit mehreren Kampfeinsätzen stärker selbstmordgefährdet sind. Zudem ist unter US-Soldaten die Ansicht weitverbreitet, dass jegliches Ersuchen um Hilfe als Zeichen der Schwäche ausgelegt wird und dem beruflichen Fortkommen schadet.

Schwäche nicht zeigen

Die Witwe eines Helikopterpiloten, der sich 2005 zwischen zwei Einsätzen im Irak erhängte, bestätigte dies. «Er hatte solche Angst davor, was die Leute über ihn denken könnten, wenn er um Hilfe bittet», sagte sie.

Er habe gedacht, dass die anderen ihn für schwach oder einfach nicht Manns genug halten oder denken könnten, dass er sich vor dem Dienst drücken wolle. «Er litt an Kriegsverletzungen und Depressionen, die er jahrelang nicht behandeln liess. Darum ist er heute tot.»

SDA/rbi

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