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5,5 Millionen Dollar Entschädigung für Chicagos Folteropfer

Schläge, Elektroschocks und simulierte Hinrichtungen: Zwischen 1972 und 1991 wurden rund 100 Afroamerikaner auf dem Polizeirevier in Chicago gefoltert, um Geständnisse zu erpressen. Nun bekennt sich die Stadt zum Unrecht.

Stand den Folterknechten vor: Der damalige Polizeichef Jon Burge. Bild: Twitter / Chicago Tribune (6. Mai 2015)
Stand den Folterknechten vor: Der damalige Polizeichef Jon Burge. Bild: Twitter / Chicago Tribune (6. Mai 2015)

Die Stadt Chicago zahlt dutzenden Männern eine Entschädigung, die vor mehr als 25 Jahren von der Polizei gefoltert wurden. Die meisten der Folteropfer sind Afroamerikaner, wie die Zeitung «Chicago Tribune» berichtete.

Sie waren zwischen 1972 und 1991 unter dem damaligen Polizeichef Jon Burge misshandelt worden, um Geständnisse zu erpressen. Am Mittwoch stimmte der Stadtrat nun für Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt 5,5 Millionen Dollar.

Die meisten der knapp 100 Männer kamen aus den verarmten Stadtteilen der South Side von Chicago. Die Stadt hatte sich jahrzehntelang gegen eine Wiedergutmachung gestemmt.

«Wichtiger Schritt für die Stadt»

Nun sprach Stadtpräsident Rahm Emanuel von einem «wichtigen Schritt für die Stadt, um ein Unrecht wiedergutzumachen und einen Makel zu entfernen».

Förmliche Entschuldigung: Rahm Emanuel bewältigt die Vergangenheit. Video: WGN TV (6. Mai 2015)

Die Stadt sprach den Opfern zudem eine förmliche Entschuldigung aus und will sie neben der Entschädigungszahlung auch durch Beratung und kostenlose Bildungsangebote unterstützen.

Schläge, Elektroschocks und simulierte Hinrichtungen

Der US-Chef der Menschenrechtsorganisation, Amnesty International, Steven Hawkins, sprach von einem «historischen Schritt», mit dem Chicago dem Land und der ganzen Welt zeige, dass es für Entschädigungen wegen so «schrecklicher Verbrechen» wie Folter «kein Verfallsdatum» gebe:

Nach Angaben von Amnesty wurden die Betroffenen in Chicago nach ihrer Festnahme unter anderem mit Schlägen, Elektroschocks, simuliertem Strangulieren und simulierten Hinrichtungen gefoltert. Von den weissen Polizisten seien sie dabei oft rassistisch beschimpft worden.

In den USA haben in den vergangenen Monaten eine Reihe tödlicher Polizeieinsätze gegen Schwarze immer wieder für Empörung gesorgt. Nach tödlichen Polizeischüssen auf einen schwarzen Teenager in der Kleinstadt Ferguson im August stellte eine Untersuchung eine systematische Benachteiligung und routinemässige Schikanierung von Afroamerikanern fest.

SDA/pst

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