Entscheidung in der amerikanischen Agglo

Frauen und junge Amerikaner rücken von Trumps Republikanern ab. Die Debatte über Schusswaffen dürfte diesen Trend verstärken.

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Die Anti-Waffen-Märsche am Wochenende in Washington und einer Vielzahl anderer US-Städte sind nicht nur ein beeindruckender Nachweis, dass die amerikanische Demokratie sich rührt. Für die Strategen der Republikanischen Partei ist die Empörung, die sich bei den Kundgebungen äusserte, zudem ein politisches Warnlicht.

Etwas mehr als sieben Monate vor den Mid Terms, wenn das gesamte Repräsentantenhaus sowie ein Drittel des Senats neu gewählt werden, unterstreichen die Massendemonstrationen ein republikanisches Dilemma: Während die Basis der Partei fest hinter Trump steht, lehnen junge Amerikaner, vorneweg die riesige Generation der Millennials, und Frauen Donald Trumps Republikanische Partei in grosser Zahl ab.

«Bist du für oder gegen Trump?»

Die Basis, befand der republikanische Trump-Kritiker und Senator Bob Corker (Tennessee) kürzlich, verstehe sich als «Stamm», dem es nicht mehr um politische Überzeugungen gehe, sondern allein um die Frage, «ob du für oder gegen Trump bist».

Immer mehr Amerikanerinnen haben darauf eine klare Antwort: Sie sind gegen Trump, die Reaktion des Präsidenten und seiner Parteifreunde im Kongress auf die Schusswaffen-Massaker an amerikanischen Schulen hat sie den Republikanern noch mehr entfremdet. Zählen berufstätige und überdurchschnittlich ausgebildete Frauen seit längerem zur Stammwählerschaft der Demokraten, so haben inzwischen auch ältere Frauen aus den Vorstädten sowie Mütter mit Kindern Trump und seiner Partei den Rücken gekehrt.

Stiess sie Trumps reichlich dokumentierter Sexismus gegenüber Frauen bereits vorher ab, so hat die Debatte über eine wirksame Kontrolle von Schusswaffen noch mehr vermocht: Die republikanische Abhängigkeit von der Schusswaffenlobby NRA sowie die schmutzigen NRA-Taktiken sind für viele nicht mehr akzeptabel.

Die Millennials verdrängen die Babyboomer

Aber nicht nur Frauen wenden sich ab: 2018 werden die Millennials die Babyboomer als grösster US-Wählerblock ablösen – und auch sie kehren den Republikanern den Rücken. Während der demokratische Vorsprung laut diversen Umfragen bei jungen Männern zwischen fünf und sieben Prozentpunkte beträgt, ist er bei jüngeren Frauen geradezu extrem.

Laut einer gemeinsamen neuen Erhebung des «Wall Street Journal» und des TV-Senders NBC lehnen zwei Drittel der weiblichen Millennials Donald Trump ab, über 70 Prozent wollen im Herbst für die Demokraten stimmen. Wer sich mit jungen Amerikanerinnen unterhält, spürt diese Ablehnung sofort: Trumps Verhalten gegenüber Frauen empört, der Präsident und seine Präsidentschaft werden als Zumutung empfunden.

Machtübernahme im Repräsentantenhaus?

Die Kundgebungen vom Wochenende werden jüngere Amerikaner wahrscheinlich noch weiter von Trump und der Republikanischen Partei wegtreiben. Die Partei Ronald Reagans tauscht jüngere Wähler gegen ältere aus, sie verliert die Bewohner der Metropolen und gewinnt auf dem platten Land sowie in den Kleinstädten – und jetzt läuft sie Gefahr, auch die bislang verlässlichen Wählerinnen in den Vorstädten zu verlieren.

Die Debatte über Schusswaffen wird unweigerlich in die Mid Terms hineinspielen und müsste für demokratische Zugewinne besonders in den Vorstädten sorgen. Umso mehr, als die Partei des Präsidenten bei den Zwischenwahlen traditionell Sitze im Repräsentantenhaus verliert. Eine demokratische Mehrheit im Senat scheint nicht in Sicht, im Repräsentantenhaus aber könnte die Machtübernahme im November gelingen. Kommt es tatsächlich dazu, können sich die Demokraten bei Millennials, Frauen und Minderheiten bedanken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.03.2018, 19:46 Uhr

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