Milliardär empfiehlt sich für Kampf gegen Trump und die Linken

Michael Bloomberg will als Präsidentschaftskandidat die US-Demokraten beglücken. Das passt an der Basis vielen nicht. Bereits wird der Wahlkauf-Vorwurf laut.

Ein Mann fürs demokratische Establishment? Noch hat Michael Bloomberg nicht endgültig zugesagt für das Präsidentschaftsrennen.

Ein Mann fürs demokratische Establishment? Noch hat Michael Bloomberg nicht endgültig zugesagt für das Präsidentschaftsrennen.

(Bild: Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Ein ungenannter Vertrauter des 53 Milliarden Dollar reichen ehemaligen Bürgermeisters von New York brachte es auf den Punkt: «Jetzt oder nie», sagte er dem Webportal Politico und meinte damit den Lebenstraum des Michael Bloomberg. Der besteht anscheinend darin, mit 77 Jahren zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten gekürt zu werden und nach gewonnener Wahl mit 78 Jahren ins Weisse Haus einzuziehen.

Seit langem schon gelüstet es den Ex-Bürgermeister nach der Präsidentschaft. Wahrscheinlich wuchs Bloombergs Begierde, nachdem Donald Trump, auch er ein eher betagter New Yorker, 2016 unerwartet zum Präsidenten gewählt wurde. Endgültig zugesagt hat Bloomberg noch nicht, aber «jetzt oder nie» klingt entschlossen. Wenngleich das Terrain für den Milliardär eher unübersichtlich und mit einigen Hindernissen bestückt ist.

Bloombergs Plan für den Superdienstag

Eines davon heisst Joe Biden, wie Bloomberg ein Mann der politischen Mitte. Der Milliardär erwartet wohl, dass Barack Obamas Vize bei den ersten Vorwahlen sang- und klanglos untergehen und die Mitte freigeben wird für ihn, Michael Bloomberg. An Stelle Bidens würde sich Bloomberg sodann als letztes Bollwerk gegen Sozialisten und Linke wie Bernie Sanders und Elizabeth Warren empfehlen.

Hinter Warren oder Sanders gegen Trump in die Wahlschlacht 2020 zu ziehen, treibt dem demokratischen Establishment mitsamt den Geldgebern der Partei an der Wall Street den Angstschweiss auf die Stirn. Bloomberg würde Abhilfe schaffen: Als Präsident bewahrte er die Reichen vor Warrens Steuererhöhungen, Banken und Hedgefonds hätten nicht allzuviel von ihm zu befüchten.

Die ersten vier innerdemokratischen Parteiversammmlungen und Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina möchte Bloomberg aussitzen. Danach aber würde er am sogenannten «Superdienstag» im März 2020, wenn Demokraten in vierzehn Bundesstaaten wählen, das Kandidatenfeld gehörig aufmischen.

Gewiss: Der Milliardär besetzt demokratische Positionen beim Klimaschutz und bei der Schusswaffenkontrolle, auch kann er seine Dienstjahre in New York als Erfolg vorzeigen. Und er könnte Millionen Dollar aus seinem persönlichen Geldspeicher in den Wahlkampf pumpen.

Dennoch wird es schwierig werden: Nicht nur begibt sich Bloomberg ungern unter das Volk und schüttelt Hande. Er will zudem von einer Basis zum Kandidaten gekürt werden, die sich seit 2016 nach links bewegt hat und nicht unbedingt auf einen Milliardär setzen wird, der als Bürgermeister eher rücksichtslos mit New Yorks Minderheiten umging und Donald Trump als «New Yorker Ikone» pries.

Auch Trump freut sich

Wahrscheinlich kann eine Mehrheit der Demokraten nicht viel mit Mike Bloomberg anfangen und Mike Bloomberg nicht viel mit ihnen. Aber es gibt Wunder in der Politik, wie das Beispiel Donald Trumps zeigt. Joe Biden gab sich jedenfalls unbeeindruckt: «Michael ist ein guter Typ, wollen wir doch mal sehen, wohin das geht», sagte er. Elizabeth Warren war weniger freundlich. «Ich glaube nicht, dass Demokratie bedeutet, dass Leute einfach so hereinkommen und Wahlen kaufen», erklärte sie. So richtig über eine mögliche Kandidatur Bloombergs freute sich neben dem demokratischen Establishment eigentlich nur Donald Trump.«Es gibt niemanden, gegen den ich lieber antreten würde als gegen ‘Little Michael’», sagte Trump.


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