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Angst vor neuerlichen Wikileaks-Enthüllungen

Die amerikanische Regierung will den diplomatischen Flurschaden durch eine Veröffentlichung von Geheimpapieren aus dem Aussenministerium begrenzen – nun schon im Vorfeld.

Warten auf Wikileaks: US-Aussenministerin Hillary Clinton und Präsident Barack Obama (Archivbild).
Warten auf Wikileaks: US-Aussenministerin Hillary Clinton und Präsident Barack Obama (Archivbild).

Nach Angaben von Wikileaks wurden Regierungen mehrerer Verbündeter der USA von der Regierung über vertrauliche Dokumente informiert, die Wikileaks vermutlich vorliegen. Es handle sich um die Regierungen von Grossbritannien, Kanada, Australien, Israel, Dänemark und Norwegen, erklärten die Internet-Aktivisten.

Unterdessen versucht das Aussenministerium in Washington abzuschätzen, welche Konsequenzen das vielleicht gewaltige Datenleck haben könnte. Das State Department wisse «nicht exakt, was Wikileaks hat oder was sie planen», sagte dessen Sprecher Philip Crowley. Aber der aussenpolitische Schaden der Geheimnisverrats könne beträchtlich werden.

Im Diskurs mit Zeitungen

Nach Angaben von Wikileaks sprach das Weisse Haus bereits mit der «New York Times» über Details der Enthüllungen. Die amerikanische Zeitung gehört neben dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» und dem britischen «Guardian» zu den Medienpartnern der Seite. Sie hatten bereits im Juli kooperiert, als Wikileaks 75'000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan zugänglich gemacht hatte.

Sorgen wegen heiklen Details

Nach eigener Einschätzung könnte der US-Regierung vor allem deshalb diplomatischer Ärger ins Haus stehen, weil peinliche Details aus dem Schriftverkehr zwischen den US-Botschaften und dem Hauptquartier ans Tageslicht kommen könnten, berichtete die «Washington Post» am Freitag.

Solche Nachrichten, so die Zeitung, enthielten zum Beispiel vertrauliche Aussagen von Regierungsmitgliedern der Gastgeberländer über die inneren Abläufe im politischen Geschäft. «Die typischen Mitteilungen beschreiben Zusammenfassungen von Treffen, Analysen von Ereignissen in anderen Ländern und Protokolle vertraulicher Gespräche mit Mitgliedern anderer Regierungen», zitierte das Blatt Crowley.

Eine Hauptsorge der USA sei, dass sie wegen der Veröffentlichung künftig nicht mehr an solche Informationen komme. Amerikanische Medien berichteten weiter, dass auch strategische Geheimnisse der amerikanischen Aussenpolitik publik werden könnten – oder auch bislang unbekannte internationale Korruptionsfälle.

Peinlichkeiten für Israels Regierung?

Die israelische Tageszeitung «Haaretz» schrieb, die Enthüllungen könnten auch für Israel unangenehm werden. Die amerikanische Regierung habe die Regierung in Jerusalem vorab gewarnt, dass Material aus den vergangenen fünf Jahren veröffentlicht werden könnte.

In Australien habe sich bereits das Kabinett mit den bevorstehenden Enthüllungen auseinandergesetzt. «Die ganze Sache ist ziemlich gross», zitierte die «Washington Post» einen australischen Regierungsbeamten.

Bissige Kommentare von Wikileaks

Wikileaks hatte bereits in den vergangenen Monaten mit der Publikation von Geheimdokumenten aus den USA zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak international für Aufsehen gesorgt. «Jetzt wird wohl jeder Westentaschendiktator der Welt vor der Veröffentlichung in Kenntnis gesetzt», schrieben die Aktivisten als Reaktion auf die jüngsten Medienberichte im Kurznachrichtendienst Twitter.

Zuvor hatten die Wikileaks-Mitarbeiter dort kommentiert, dass das amerikanische Verteidigungsministerium «hyperventiliere», weil es Angst habe, zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Bereits am Montag hatte Wikileaks im Netz mitgeteilt, das neue Material werde den siebenfachen Umfang der geheimen Logbucheinträge aus den USA zum Irak-Krieg haben, die im Oktober veröffentlicht worden waren. Allein dieser Datensatz mit internen Feldprotokollen der US-Armee hatte mehr als 400'000 Dokumente umfasst.

SDA/raa

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