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Aufstieg und Fall von Brasiliens reichstem Mann

Ein Sportwagen im Wohnzimmer, eine Schönheitskönigin zur Frau. Vor einem Jahr noch war Eike Batista der siebtreichste Mann der Welt. Nun steht der exzentrische Brasilianer vor einem Scherbenhaufen.

Ihm drohen 13 Jahre Haft: Eike Batista
Ihm drohen 13 Jahre Haft: Eike Batista
Keystone
Wollte der reichste Mann der Welt werden: Batista bei der Einweihung eines Werks seiner Firma OGX im Jahr 2012.
Wollte der reichste Mann der Welt werden: Batista bei der Einweihung eines Werks seiner Firma OGX im Jahr 2012.
Keystone
Dort, im Süden Brasilien, entsteht Batistas neues Industriezentrum.
Dort, im Süden Brasilien, entsteht Batistas neues Industriezentrum.
Reuters
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Der Traum des Eike Batista, vom reichsten Mann Brasiliens zum reichsten Mann der Welt aufzusteigen, ist mit der Pleite seiner Ölfirma OGX geplatzt. Das Unternehmen des Deutsch-Brasilianers beantragte am Mittwoch in Rio de Janeiro Gläubigerschutz. Die Ratingagentur Moody's schätzt die Schulden des Ölriesen auf bis zu 5,4 Milliarden Dollar - damit dürfte das Insolvenzverfahren das grösste in Lateinamerika seit 1990 sein.

Batista, der am Sonntag seinen 57. Geburtstag feiert, steht für die weltweite Begeisterung für das boomende Schwellenland Brasilien. Zu seinem Firmenimperium EBX gehören Energie- und Bergbaufirmen, und Batista köderte Investoren für seine grandiosen Ölprojekte. Das Wachstum seiner Firmen an den Finanzmärkten war rasant - doch es basierte auf Ölförder-Versprechungen, die nie umgesetzt wurden. Deshalb blieben die Investoren schliesslich wieder weg.

«Ich habe daran geglaubt»

«OGX hat sich gut verkauft, ohne ein einziges Barrel Öl verkauft zu haben», sagt der Analyst Marcelo Pereira von der Beratungsfirma Tag Investimentos in São Paulo. Batista sagte dazu im September in einem Interview mit dem «Wall Street Journal»: «Ich habe daran geglaubt! Wenn man in einem Land lebt, in dem gigantische Ölreserven entdeckt werden, warum hätte ich nicht mit einer gesegnet sein können?»

Vor etwas mehr als einem Jahr war Batista noch der reichste Mann seines Landes und rangierte unter allen Milliardären der Welt auf dem siebten Platz. Sein Vermögen wurde auf 30 Milliarden Dollar geschätzt. Doch inzwischen ist es dem Magazin «Forbes» zufolge auf 900 Millionen geschrumpft. Weil ein Grossteil seines Vermögens aus Unternehmensanteilen besteht, könne es noch weiter zusammenschmelzen, schätzt «Forbes». Dem Magazin hatte Batista vor einigen Jahren anvertraut, er wolle «die wohlhabendste Person auf dem Planeten» werden.

Träume werden zum Albtraum

Doch Anfang Oktober wurden Batistas Träume zum Albtraum: OGX verkündete, seinen internationalen Gläubigern 44,5 Millionen Dollar Zinsen nicht zahlen zu können. Am Dienstag scheiterten Gespräche mit den Gläubigern über eine Umschuldung.

Der Sohn eines ehemaligen Bergbau- und Energieministers und einer deutschen Mutter gilt als exzentrisch und abergläubisch. Mit der Veröffentlichung eines Buches mit zehn Rezepten wollte er einst den Grundstein für ein Millionärs-Dasein legen. Er hat eine Vorliebe für Rennboote, in seinem Wohnzimmer steht angeblich ein makelloser silberner Sportwagen, den niemand fahren darf. Der Industriekapitän glaubt zudem fest an die Zahl 63, und alle Firmentöchter seines Imperiums beinhalten den Buchstaben X - «X für die Multiplikation des Profits».

Schönheitskönigin zur Frau

Batista gilt aber auch als grosszügiger Spender und half bei der Finanzierung verschiedener Kultur-, Sport- und Umweltschutz-Projekte in ganz Brasilien. Ausserdem steht er einem Konsortium vor, das auf umstrittene Weise den Zuschlag für die Renovierung des Maracana-Stadions in Rio de Janeiro bekam, in dem mehrere Spiele der Fussball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr ausgetragen werden sollen. Für seine Finanzprobleme macht er «die Sterne» sowie einige seiner Berater verantwortlich.

Das Symbol der brasilianischen Erfolgsgeschichte heiratete 1991 eine Schönheitskönigin, die auch den Titel des «Playboy» schmückte. Das Paar bekam zwei Söhne, Thor und Olin, bevor es sich 2004 scheiden liess. Mit seinem Sohn Thor teilt Batista die Begeisterung für schnelle Rennboote und schnelle Autos. Weil Thor mit seinem Mercedes-Benz SLR McLaren im vergangenen Jahr einen Radfahrer überfuhr und tötete, musste er dessen Familie 500'000 Dollar Schmerzensgeld zahlen und gemeinnützige Arbeit leisten. Batistas jüngerer Sohn Olin tourt als DJ durch die ganze Welt.

AFP/kpn

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