Beim FBI vergass er plötzlich

Trumps ehemaliger Wahlkampfchef hat russischen Kontakten offenbar Umfragedaten weitergegeben. Gegenüber dem FBI wollte sich Manafort daran nicht erinnern.

Sagte dem FBI nicht alles: Paul Manafort beim Verlassen des Gerichtsgebäudes in Washington.

Sagte dem FBI nicht alles: Paul Manafort beim Verlassen des Gerichtsgebäudes in Washington.

(Bild: Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Die Nachricht wurde überschattet von der TV-Ansprache des Präsidenten zum Mauerbau, war aber höchst brisant: Laut Russland-Sonderermittler Robert Mueller hat Donald Trumps Wahlkampfvorsitzender Paul Manafort im Frühjahr 2016, also mitten im republikanischen Vorwahlkampf, Umfragedaten an seinen russischen Kontaktmann Konstantin Kilimnik übergeben. Das meiste davon war öffentlich, einiges jedoch nicht – und könnte dem Kreml ermöglicht haben, eine zielgenaue Kampagne zugunsten Trumps in sozialen Medien zu führen.

«Big Story, neue Information, man nennt das geheime Absprachen», reagierte John Dean, ehemals Rechtsberater Richard Nixons und einer der wenigen Helden des Watergate-Skandals, am Dienstag auf die Nachricht. Nicht nur hat Kilimnik, mit dem Manafort seit 2005 in der Ukraine zusammenarbeitete, laut dem FBI Beziehungen zu russischen Geheimdiensten. Nach Informationen der «New York Times» sollte Kilimnik die Daten an den Russland nahestehenden ukrainischen Politiker Serhij Ljowotschkin sowie den ukrainischen Oligarchen Rinat Achmetow weiterreichen. Achmetow bestritt gestern, Daten erhalten zu haben.

Offenbar erhielten Muellers Ermittler diese Informationen von Manaforts engem Mitarbeiter Rick Gates, der sich mehrerer Vergehen schuldig bekannte und mit dem Sonderermittler zusammenarbeitet. Auch der im August 2018 wegen Steuer- und Bankbetrug verurteilte Manafort hatte in der Hoffnung auf Strafminderung ein Kooperationsabkommen mit Mueller abgeschlossen – dann aber die Übergabe der Dateien an Kilimnik verschwiegen.

Manafort soll Datenweitergabe vergessen haben

Mueller erklärte das Kooperationsabkommen daraufhin für ungültig, worauf Manaforts Anwälte geltend machten, ihr Mandant habe nicht gelogen, sondern die Angelegenheit vergessen. Womöglich handelten Manafort und Gates auf eigene Faust, ohne Trump und andere Mitarbeiter von der Weitergabe der Dateien zu unterrichten.

Manafort wurde wegen seiner zwielichtigen Umtriebe in der Ukraine im August 2016 von Trump gefeuert, doch wäre vorstellbar, dass Gates weiterhin Interna an Kilimnik übermittelte. Immerhin war Gates stellvertretender Wahlkampfchef und verblieb unter Steve Bannon auf diesem Posten bis zu Donald Trumps Wahlsieg.

Die neuen Enthüllungen stärken die Vermutung, Manafort habe sich als Trumps Wahlkampfvorsitzender empfohlen, um politisches Kapital daraus zu schlagen und seine Partner in der Ukraine zu beeindrucken. Als Lobbyist hatte Manafort für den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch gearbeitet und damit Millionen Dollar verdient.

Laut Insidern hatte Trump erhebliche Probleme, Wahlkampfhelfer zu finden, weil niemand für ihn arbeiten wollte. Nicht so Manafort: Mithilfe des Trump-Freunds und Geschäftsmanns Tom Barrack ergatterte sich der Lobbyist im Frühling 2016 die einflussreiche Position an Trumps Seite, obschon er seit Jahrzehnten nicht mehr im Wahlkampfgeschäft tätig gewesen war. Auf eine Bezahlung hatte Manafort verzichtet.

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