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Bolivien rauft sich zusammen

Nach tagelanger Gewalt haben Regierung und Opposition den Beginn von Friedensgesprächen beschlossen. Tausende demonstrierten in La Paz für den Frieden.

Frieden für Bolivien: Mobilisiert von der Kirche demonstrierten Tausende gestern in La Paz für den Dialog.
Frieden für Bolivien: Mobilisiert von der Kirche demonstrierten Tausende gestern in La Paz für den Dialog.
Keystone

«Wir haben unser erstes Ziel, einen Gesprächskanal zu öffnen, erreicht», zitiert die Zeitung «La Razón» den oppositionellen Präfekten des Departements Tarija, Mario Cossío. Cossío ist gestern als Repräsentant der aufständischen Provinzen im Osten zur Zentralregierung nach La Paz gereist, um mit Gesprächen den Ausbruch eines Bürgerkriegs zu verhindern.

Zeitgleich mit dem Beginn der Gespräche hatte die Regierung den Ausnahmezustand über das Departement Pando verhängt. In der Urwaldregion Pando waren seit Donnerstag mindestens 16 Menschen bei Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung getötet worden.

Beide Seiten hoffen auf Frieden

In der Nacht zum Samstag erstürmte die Armee den Flughafen der Hauptstadt Cobija, der seit Tagen besetzt war. Bei den Zusammenstössen sei ein Soldat getötet worden; zwei Soldaten und zwei Demonstranten wurden gemäss Medienberichten verletzt.

Präfekt Cossío, der als Vertreter der fünf Regionen Tarija, Santa Cruz, Beni, Pando und Chuquisaca auftrat, sagte in La Paz, er hoffe, dass die Vereinbarung in einen dauerhaften Dialog und einen nationalen Pakt zur Überwindung der Probleme münden werde. Beide Seiten seien zur Versöhnung und zu einem sofortigen Ende der Gewalt bereit.

Kern des Konflikts ist der Versuch des linksgerichteten Indio-Präsidenten Evo Morales, den Wohlstand aus dem rohstoffreichen Osten und Süden des Landes zugunsten der vor allem im Hochland lebenden Indios umzuverteilen.

Militär weist Chávez-Drohung zurück

Das bolivianische Militär verwahrte sich unterdessen gegen Drohungen des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, er werde im Falle eines Putsches gegen Morales Rebellen in Bolivien unterstützten.

«Die Streitkräfte weisen jede ausländische Einmischung zurück und werden das Eindringen ausländischer Militärs verhindern», warnte Luftwaffengeneral Luis Trigo als Kommandant der bolivianischen Streitkräfte.

Venezuela: Distanz von USA

Die Krise in Bolivien hat weiterhin Auswirkungen auf die Beziehungen von Bolivien, Venezuela und Honduras zu den USA.

Während Evo Morales gestern zurückkrebste und offiziell sagte, er wünsche kein Einfrieren der Beziehungen zu den USA, kündigte Venezuela das Gegenteil an. Aussenminister Nicolas Maduro kündigte gestern in Caracas eine «Überprüfung der Beziehungen jeder Art» zu Washington an. Am Donnerstag hatte Venezuela aus Solidarität mit Morales den US- Botschafter des Landes verwiesen. Einen Tag zuvor hatte Morales den US-Botschafter in Bolivien zur «unerwünschten Person» erklärt. Morales wirft ihm vor, er habe die Unruhen angefacht. Die USA wiesen darauf die Botschafter beider Länder ebenfalls aus.

Auch der Präsident des mittelamerikanischen Landes Honduras, Manuel Zelaya, solidarisiert sich Morales. Zelaya weigerte sich, das Beglaubigungsschreiben des neuen US-Botschafters Hugo Llorens in Tegucigalpa entgegenzunehmen.

SDA/oku

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