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Bringt der neue General die Wende in Afghanistan?

David Petraeus hat schon einmal in einem Krieg die Wende gebracht – im Irak. Und nun setzt Barack Obama darauf, dass er das noch einmal schafft. Der General darf sogar an der Taktik schrauben.

Der kriegserfahrene General und sein Präsident: Obama und Petraeus, 2008 auf einem Erkundungsflug im Irak.
Der kriegserfahrene General und sein Präsident: Obama und Petraeus, 2008 auf einem Erkundungsflug im Irak.
Reuters

US-Verteidigungsminister Robert Gates räumt dem künftigen Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, Gestaltungsspielraum für den Einsatz am Hindukusch ein. «Natürlich wird ein neuer Kommandeur hingehen und gucken, ob es taktische Dinge oder Ansätze gibt, die er anpassen möchte», sagte Gates am Donnerstag in Washington. Petraeus habe die Befugnis, die Taktiken zu verändern, die Gesamtstrategie werde jedoch dieselbe bleiben.

Petraeus werde vor Ort die Lage zunächst selbst analysieren. «Und irgendwann wird er dem Präsidenten Empfehlungen unterbreiten», sagte Gates. Letztlich liege die Entscheidung über Strategie-Änderungen aber bei Barack Obama.

Ausserdem erhofft man sich von Petraeus, dass er das Gezänk zwischen Militärs und Diplomaten beenden kann. Und der neue Afghanistan-General ist nicht nur für seine Führungsqualitäten bekannt. Der 57-Jährige steht früher auf als die meisten seiner halb so alten Kollegen und beantwortet selbst spät in der Nacht noch E-Mails.

Petraeus ist in der Gegend bereits bestens vernetzt

Als Mitglied des US-Oberkommandos war Petraeus sozusagen McChrystals Boss. In dieser Position konnte er das Geschehen auf vielen Reisen nach Afghanistan, Pakistan und Washington hautnah verfolgen. «Er kennt die aktuellsten Geheimdienstinformationen, er kennt die wichtigen Politiker und Militärs und versteht, wie die Region tickt», sagt John Nagl, Präsident der Denkfabrik für Sicherheitspolitik Center for the New American Security.

In seinen zwei Jahren im Oberkommando habe Petraeus ausserdem eine gute Arbeitsbeziehung zum afghanischen Präsidenten Hamid Karzai aufgebaut. Den US-Botschafter in Kabul, General Karl Eikenberry, kennt er noch aus gemeinsamen Militärzeiten. Genauso wichtig sei, dass Petraeus eine solide Beziehung zum Weissen Haus aufgebaut habe, sagt Michael O'Hanlon vom US-Forschungsinstitut Brookings Institution. Er habe an den dortigen Strategiebesprechungen zu Afghanistan, Irak und Iran teilgenommen. «Er und der Präsident kennen sich sehr gut», sagt er. Diese Vertrautheit habe in Obamas Beziehung zu McChrystal gefehlt.

Geistiger Vater der US-Aufstandsbekämpfungsstrategie

Karrieretechnisch gesehen ist der Afghanistan-Job für Petraeus allerdings ein Rückschritt. Auf seinem bisherigen Posten war er für den Nahen Osten und damit für den Irak und Iran sowie für Afghanistan, Pakistan und andere zentralasiatische Länder verantwortlich. Aber niemand, der mit ihm gearbeitet hat, glaubt, dass er das als Degradierung empfinden werde. «Er erhält eine weitere Gelegenheit, zu einem kritischen Zeitpunkt in einen Krieg einzugreifen», sagt der frühere Offizier Nagl, der unter Petraeus das aktuelle US-Feldhandbuch zur Aufstandsbekämpfung mitverfasst hat. «Deshalb ist das auf keinen Fall ein Rückschritt.»

Es wäre nur logisch, wenn Petraeus McChrystals Afghanistan-Strategie fortführt. Immerhin beruht sie bereits in weiten Teilen auf Petraeus' eigenen Ideen. Der aktuelle Plan sieht eine Aufstockung der Truppen vor, um die Sicherheitslage zu verbessern, während gleichzeitig der Waffeneinsatz beschränkt wird, um die Unterstützung der Bevölkerung vor Ort zu gewinnen. Mit diesem Rezept hat er in seiner Zeit als Oberbefehlshaber der US-Truppen und ihrer Verbündeten im Irak in den Jahren 2007 und 2008 dort für die Wende gesorgt.

afp/ddp/cpm

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