Britischer Botschafter tritt nach Zwist mit den USA zurück

Der diplomatische Streit zwischen Washington und London ist nach einem heftigen Wortwechsel auf Twitter eskaliert.

Einen «verrückten Botschafter» und «sehr dummen Typen» nannte ihn Trump: Jetzt tritt der britische Botschafter in Washington, Sir Kim Darroch, zurück. (Archivbild) Bild: Alex Wong/AFP

Einen «verrückten Botschafter» und «sehr dummen Typen» nannte ihn Trump: Jetzt tritt der britische Botschafter in Washington, Sir Kim Darroch, zurück. (Archivbild) Bild: Alex Wong/AFP

Im Zuge des diplomatischen Streits über kritische interne Vermerke zu US-Präsident Donald Trump ist der britische Botschafter in den USA zurückgetreten. Die aktuelle Situation «macht es mir unmöglich, meine Rolle so auszufüllen, wie ich es mir wünschen würde», schreibt Kim Darroch in seinem Rücktrittsschreiben. Angesichts der Umstände sei «der verantwortungsvolle Weg, die Ernennung eines neuen Botschafters zu ermöglichen».

Der Streit geht auf interne Vermerke Darrochs zurück, in denen er den US-Präsidenten unter anderem als «unsicher» und «inkompetent» kritisiert hatte. Trump reagierte verärgert, als die Vermerke vergangene Woche öffentlich wurden. Am Montag erklärte er, seine Regierung werde keinen Kontakt mehr mit Darroch unterhalten.

Zudem hatte der US-Präsident bis Dienstag eine Serie von Twitter-Attacken gegen die britische Premierministerin Theresa May und ihren Botschafter, Sir Kim Darroch, in den USA abgesetzt. Kim Darroch sei ein «verrückter Botschafter» und «sehr dummer Typ». Auch die Premierministerin griff er an: Mays Brexit-Verhandlungen seien ein «Desaster». Der britische Aussenminister Jeremy Hunt bezeichnete die Äusserungen als «respektlos und falsch».

Premierministerin Theresa May hatte sich hingegen hinter ihren Botschafter gestellt. Trotzdem zog Darroch jetzt die Reissleine. Seit der Veröffentlichung der Dokumente habe es «viele Spekulationen über meinen Posten und die Dauer meines Mandats» gegeben, schrieb er an den Chef des diplomatischen Dienstes, Simon McDonald. «Ich möchte diese Spekulation beenden.» Darroch gilt als einer der erfahrensten britischen Diplomaten. Seine Amtszeit wäre Ende des Jahres zu Ende gegangen.

Über Mays explizites Festhalten an ihrem Botschafter in Washington ist Trump besonders erbost. Darroch geniesse weiterhin die «volle Unterstützung» der Premierministerin, erklärte ein Sprecher Mays am Montagabend. Damit bekräftigte London eine frühere Erklärung, in der May ebenfalls nicht von Darroch abgerückt war.

Die Brexit-Verhandlungen seien ein «Desaster»: Donald Trump und Theresa May beim G20-Treffen im japanischen Osaka. (28. Juni 2019) Bild: Stefan Rousseau/Keystone

Am Montag hatte Trump geschrieben, die scheidende Regierungschefin und ihre Mitarbeiter hätten beim Brexit «Chaos» angerichtet. Die «gute Nachricht für das wunderbare Vereinigte Königreich» sei, dass das Land «bald einen neuen Premierminister» haben werde. Am Dienstag fügte Trump hinzu, May habe seine Brexit-Ratschläge ignoriert. «Sie ist ihren eigenen, törichten Weg gegangen – und war unfähig, es hinzukriegen.»

«Verbündete müssen einander mit Respekt behandeln und Theresa May hat dies mit Ihnen immer getan», erklärte Aussenminister Hunt dazu ebenfalls auf Twitter und fügte hinzu: Sollte er Premierminister werden, werde Darroch Botschafter in den USA bleiben. Am Dienstagabend trafen Hunt und sein Amtsvorgänger Boris Johnson zu einem TV-Duell um Mays Nachfolge zusammen.

«Plump und ungeschickt»

Die britische Zeitung «Mail on Sunday» hatte die geheimen Vermerke veröffentlicht. Darroch beschreibt Trump darin als «unsicher» und «inkompetent». «Wir gehen nicht wirklich davon aus, dass diese Regierung normaler wird; weniger dysfunktional; weniger unberechenbar; weniger gespalten; weniger diplomatisch plump und ungeschickt», schrieb Darroch demnach.

Hunt hatte sich von Darrochs Bewertungen zwar umgehend distanziert, ihre Authentizität jedoch nicht bestritten. Der Urheber der Veröffentlichungen solle gesucht und bestraft werden, forderte der Aussenminister. Der diplomatische Zwist fällt in die Zeit der Vorbereitung von Gesprächen über ein Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern für die Post-Brexit-Ära.

Sowohl die Umsetzung des Brexit als auch die Rolle Grossbritanniens in der Welt nach einem EU-Austritt gehören zu den Themen, die Hunt und Johnson vergangenen Dienstag diskutieren wollten. Es war das erste TV-Duell der letzten verbliebenen Kandidaten im Rennen um den Vorsitz der konservativen Tory-Partei und damit auch um die Nachfolge Mays an der Regierungsspitze. Der Sieger wird von den 160'000 Tory-Mitgliedern in einer Urwahl bestimmt. Johnson gilt als Favorit.

red/afp

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