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«Darf ein Trottel die Nato-Streitkräfte kommandieren?»

Stanley McChrystal, US-Oberkommandierender in Afghanistan, sorgte mit seinen abfälligen Äusserungen über das Obama-Team für einen Rohrkrepierer. Kommentatoren gehen mit dem General hart ins Gericht.

Wird die Krise wohl politisch nicht überleben: Stanley McChristal.
Wird die Krise wohl politisch nicht überleben: Stanley McChristal.
Reuters

Was General Stanley McChrystal, seines Zeichens amerikanischer Oberbefehlshaber in Afghanistan, dazu bewogen hat, sich im «Rolling Stone» kritisch über seinen Präsidenten und dessen Vize und Stab wie auch über den US-Botschafter in Kabul auszulassen, steht vorerst in den Sternen.

Gleichwohl schlug der Artikel in Washington wie eine Serie von Handgranaten ein, die McChrystal um sich geworfen hatte. Von Insubordination war die Rede, von einem ungeheuerlichen Vorgang, der an den Aufstand des berühmten Generals Douglas McArthur gegen Präsident Harry Truman während des Koreakrieges 1952 erinnere, der mit der Entlassung McArthurs endete und so das Primat der Zivilisten über die Militärs bekräftigte.

McChrystal werde die ganze Angelegenheit höchstwahrscheinlich politisch nicht überleben, wie CNN schreibt. Der Ruf nach dem Kopf des Generals wird laut: Er müsste bereits geschasst worden sein, befand etwa ein amerikanischer TV-Kommentator am Dienstagmorgen.

In der Schweiz gab es in den Zeitungsspalten keine Kommentare zur Affäre. Dafür haben die deutschen Kommentatoren um so kräftiger in die Tasten gehauen und gehen mit dem General hart ins Gericht.

«Frankfurter Allgemeine»:Die «Frankfurter Allgemeine» schreibt zum Nato-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General McChrystal: «Stanley McChrystal (...) ist nicht irgendein amerikanischer Vier-Sterne-General. Er verkörpert geradezu die im vergangenen Herbst von Präsident Obama verkündete neue 'Strategie', die im neunten Jahr des Einsatzes am Hindukusch endlich eine Wende zum Besseren bringen soll. Bisher kann der asketische und anspruchsvolle Truppenführer allerdings kaum etwas vorweisen (...). Nicht nur in Washington macht sich deshalb Nervosität breit. Dass McChrystal jetzt zum Rapport einbestellt wurde, weil eine Zeitschrift berichtet hatte, wie respektlos in seiner Umgebung über die politische Führung in Washington geredet wird, passt ins Bild. Persönliche Konsequenzen muss das für ihn nicht haben. Andererseits ist noch für jeden unersetzlichen General ein Nachfolger gefunden worden.»

«Süddeutsche Zeitung»:Die «Süddeutsche Zeitung» kommentiert die Äusserungen des Nato-Generals Stanley McChrystal: «Der General hat über sein Schicksal selbst entschieden: Bliebe er auf dem Posten, dann müsste sich der amerikanische Präsident die Frage gefallen lassen, wie sehr man ihn und seine engsten Mitarbeiter eigentlich beleidigen darf. Auch die unter McChrystals Kommando stehende internationale Truppe kann keinen Befehlshaber wollen, der politisch angezählt und isoliert ist. Es bleibt also nur eine Lösung: McChrystal muss gehen. Für Afghanistan und die dort engagierte internationale Gemeinschaft ist das eine von vielen schlechten Nachrichten in kurzer Zeit. Nichts hätte die Truppe nötiger als Stabilität und Verlässlichkeit in der Führung und in der Strategie. McChrystal kann das nicht mehr bieten.»

«Frankfurter Rundschau»:Die «Frankfurter Rundschau» blickt kritisch auf die Äusserungen des Nato-Generals Stanley McChrystal: «Darf ein Trottel die Nato-Streitkräfte in Afghanistan kommandieren? Die Frage stellt sich, seit US-General Stanley McChrystal im Rolling Stone Magazin über seine Chefs Barack Obama und Joe Biden hergezogen ist. Der kühle Erfinder der ultimativen Strategie zur Vernichtung der Taliban hat in eigener Sache offenbar jeden Überblick verloren. Denn erstens denkt man nicht übel von seinen Chefs. Tut man's zweitens doch, redet man nicht drüber. Und spricht man drittens wider jeden gesunden Menschenverstand böse über die Bosse, dann nie, nie, nie mit einer Zeitung, dem Fernsehen oder einem Radiosender. McChrystal hat einen Freiflug nach Washington gewonnen - zum Gespräch mit Obama und Biden. Dort wird die Eingangsfrage beantwortet.»

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