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Das Ende einer jahrelangen Jagd

Abu Jahia al-Libi, Vizechef von al-Qaida, ist bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen. Für die USA bedeutet dies ein Triumph im Kampf gegen den Terror – profitieren wird aber vor allem Präsident Obama.

Wurde nach dem Tod Osama Bin Ladens zur Nummer zwei der al-Qaida: Abu Jahia al-Libi.
Wurde nach dem Tod Osama Bin Ladens zur Nummer zwei der al-Qaida: Abu Jahia al-Libi.
Reuters

Zehn Jahre nach seiner ersten Festnahme ist die Jagd auf den stellvertretenden al-Qaida-Chef Abu Jahia al-Libi zu Ende. Die USA feiern den Tod der Nummer zwei des Terrornetzwerks als Anfang vom Ende der al-Qaida, als Triumph in ihrem Kampf gegen den Terrorismus. Schliesslich war die Flucht Libis drei Jahre nach seiner Verhaftung 2002 in Pakistan aus dem US-Militärgefängnis Bagram höchst unangenehm für Washington. Besonders gelegen kommt die Tötung des al-Qaida-Vizes US-Präsident Barack Obama, um sich wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl als oberster Terroristenjäger des Landes darzustellen.

Nach Washington bestätigte am Dienstagabend auch der pakistanische Geheimdienst den Tod von Libi. Einzelheiten nannte der Gewährsmann nicht. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters kam Libi aber bei einem Drohnenangriff in Pakistan ums Leben.

Nicht leicht ersetzbar

Libi, der den Ruf eines mediengewandten und charismatischen Anführers hatte, wurde zur Nummer zwei der al-Qaida, als der Ägypter Aiman al-Sawahiri nach der Tötung Osama bin Ladens vor einem Jahr die Führung des Terrornetzwerks übernahm. Libi ist der bisher letzte von mehr als einem Dutzend ranghoher al-Qaida-Mitglieder, die von den USA seit der Tötung bin Ladens bei Geheimoperationen getötet oder gefangen genommen wurden.

Der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, bezeichnete Libis Tod als «wichtigen Schlag» gegen die al-Qaida. Das Terrornetzwerk werde seinen «Geschäftsführer» nicht so leicht ersetzen können, es gebe keinen, der als Nachfolger ins Auge steche. Libis Tod sei Teil des Niedergangs von al-Qaida.

Der Islamgelehrte Libi war 2002 in Pakistan festgenommen und bis zu seiner Flucht im Jahr 2005 im Gefängnis auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan festgehalten worden. Anschliessend rief der bei seinem Tod schätzungsweise Ende 40-Jährige in zahlreichen Videos zu Angriffen gegen US-Ziele auf, sprach von den Lektionen, die er in der US-Gefangenschaft gelernt habe, und beschrieb die Amerikaner als feige und verloren.

Obama wird oberster Terroristenjäger

Vor allem seine erfolgreiche Flucht aus Bagram habe ihm Ruhm und Ansehen innerhalb der al-Qaida eingebracht, sagte Anti-Terrorismus-Experte Jarret Brachman. «Die Leute haben Sawahiri vielleicht verehrt, doch Abu Jahia haben sie geliebt.» Für Informationen, die zur Ergreifung Libis führen, war eine Belohnung von einer Million Dollar ausgesetzt gewesen.

«Die Tötung von Libi zeigt die zunehmende Fertigkeit und Fähigkeit sowie gute Geheimdienstarbeit, die sich die USA während ihres zehn Jahre langen Kampfs gegen die al-Qaida erworben haben», sagte Aaron David Millier vom Wilson Center, der in der Vergangenheit Berater von sechs US-Aussenministern war. Die Tötung mache Obama zum obersten Terroristenjäger in diesem Krieg.

Das Weisse Haus führt eine Liste mit mutmasslichen Terroristen, die getötet oder gefangen genommen werden sollen. Sie wird von den Streitkräften und dem Geheimdienst CIA erstellt und letztlich vom Präsidenten gebilligt.

Pakistan fordert Ende des Drohnenkriegs

Die USA haben zuletzt innerhalb von weniger als zwei Wochen sieben Drohnenangriffe geflogen, deren Ziel offenbar Libi war. Die pakistanischen Behörden hatten nach dem Angriff am Montag erklärt, dass bei einem Drohnenangriff in dem Dorf Khassu Khel im Stammesgebiet Nord-Waziristan acht Extremisten getötet worden seien. In einem der getroffenen Häuser befand sich nach Aussagen von Anwohnern auch Libi.

Pakistan rief die USA nach dem tödlichen Angriff erneut zu einem Stopp der Drohnenangriffe auf seinem Staatsgebiet auf. Dazu wurde am Dienstag der stellvertretende US-Botschafter Richard Hoagland einbestellt. «Er wurde informiert, dass die Drohnenangriffe ungesetzlich waren und gegen internationales Recht und die Souveränität Pakistans verstossen», teilte das pakistanische Aussenministerium anschliessend mit.

USA setzten weiter auf Drohnen

Doch die USA setzten ungeachtet pakistanischer Proteste bei ihrer Terroristenjagd weiter auf Flugroboter. Es sei Islamabad unmissverständlich klar gemacht worden, dass die USA auch künftig mit Drohnen Al-Qaida-Ziele angreifen würden, sagte US-Verteidigungsminister Leon Panetta in Delhi.

Vertreter der pakistanischen Streitkräfte und der Regierung haben die Drohnenangriffe in der Vergangenheit unterstützt. Mit der Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern – vor allem durch den Tod von 24 pakistanischen Soldaten bei einem US-Luftangriff im vergangenen Jahr – hat auch die Zustimmung zu den US-Einsätzen in Pakistan weiter abgenommen.

dapd/kpn

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