Zum Hauptinhalt springen

Das Leben erstarrt zu Eis

In den USA herrschen stellenweise «gefühlte» minus 53 Grad. Präsident Donald Trump macht sich derweil über den Klimaschutz lustig.

Christian Zaschke, New York
Extreme Kältewelle in den USA: Millionen Menschen müssen sich auf eisige Temperaturen einstellen. (Video: Tamedia/AFP/Storyful)

Das Schlimmste ist der Wind. In Chicago zum Beispiel betrug die Temperatur am Donnerstag zunächst minus 25 Grad. Aber durch den Wind fühlte es sich noch 10 Grad kälter an. Besonders spürbar ist dieser Effekt in den Strassenschluchten von Manhattan, durch welche die Böen pfeifen und wo sich die vergleichsweise moderaten minus 15 Grad doppelt so kalt anfühlen. Der Wind scheint durch mehrere Lagen von Kleidung direkt ins Innere der Knochen zu ziehen. Menschen ohne Mützen werden ungläubig beäugt.

Der sogenannte Polarwirbel hat extreme Kälte in den Osten und Mittleren Westen der Vereinigten Staaten gebracht. Mindestens acht Menschen sind bislang infolge der niedrigen Temperaturen gestorben. Das öffentliche Leben ist in Teilen der USA buchstäblich eingefroren. Chicagos Bürgermeister Rahm Emanuel sprach von einer «historischen Kälte».

Schienen in Brand gesetzt

Am Mittwoch fielen 2700 Flüge aus, am Donnerstag wurden mindestens 2000 weitere Flüge gestrichen. Das lag vor allem daran, dass die Maschinen nicht schnell genug enteist werden konnten oder bereits enteiste Maschinen wegen der extremen Temperaturen im Nu wieder einfroren. Zugverbindungen von und nach Chicago wurden komplett abgesagt. Der Bahnbetreiber Amtrak hat an manchen Stellen die Schienen absichtlich mit Gas in Brand gesetzt, um sie eisfrei zu halten und so immerhin manche Strecken offen halten zu können.

Bildstrecke: Alles zugefroren

Seltener Anblick: Touristen fotografieren den Bryant Park brunnen in New York City, der beinahe komplett zugefroren ist. (31. Januar 2019)
Seltener Anblick: Touristen fotografieren den Bryant Park brunnen in New York City, der beinahe komplett zugefroren ist. (31. Januar 2019)
Brendan McDermid, Reuters
Die Kälte legt die Stadt praktisch lahm: Eine Luftaufnahme des teilweise zugefrorenen Lake Michigan mit dem Blick auf die Stadt Chicago im Hintergrund. (31. Januar 2019)
Die Kälte legt die Stadt praktisch lahm: Eine Luftaufnahme des teilweise zugefrorenen Lake Michigan mit dem Blick auf die Stadt Chicago im Hintergrund. (31. Januar 2019)
Scott Olson, AFP
Diese Terasse wird zur Zeit wohl kaum genutzt: Ein Mann liefert einem Restaurant Gemüse während eines Schneesturms in Buffalo, New York. Hinter ihm kämpft sich eine eine Frau ebenfalls durch die Kälte. (31. Januar 2019)
Diese Terasse wird zur Zeit wohl kaum genutzt: Ein Mann liefert einem Restaurant Gemüse während eines Schneesturms in Buffalo, New York. Hinter ihm kämpft sich eine eine Frau ebenfalls durch die Kälte. (31. Januar 2019)
Lindsay DeDario, Reuters
Kälter als am Nordpol: Bild einer Temperaturanzeige in Illinois. (30. Januar 2019)
Kälter als am Nordpol: Bild einer Temperaturanzeige in Illinois. (30. Januar 2019)
Nam Y. Huh, Keystone
Hier wird kein Schiff anlegen: Dieser Steg im Hafen von Chicago ist mit Schnee und Eis bedeckt. (30. Januar 2019)
Hier wird kein Schiff anlegen: Dieser Steg im Hafen von Chicago ist mit Schnee und Eis bedeckt. (30. Januar 2019)
Nam Y. Huh, Keystone
Sie kuscheln sich zusammen: Tauben suchen in Buffalo, New York, Schutz vor der Kälte. (30. Januar 2019)
Sie kuscheln sich zusammen: Tauben suchen in Buffalo, New York, Schutz vor der Kälte. (30. Januar 2019)
Lindsay Dedario, Reuters
Einsame Strassen: Eine Frau geht bei einem Schneesturm in Buffalo, New York, über eine Strasse. (30. Januar 2019)
Einsame Strassen: Eine Frau geht bei einem Schneesturm in Buffalo, New York, über eine Strasse. (30. Januar 2019)
Lindsay Dedario, Reuters
Von aussen ist es mit Eis bedeckt: Ein Feuerwehrmann geht in Minnesota am frühen Morgen von einem Haus weg, das bei minus 30 Grad in der Nacht Feuer gefangen hat. (30. Januar 2019)
Von aussen ist es mit Eis bedeckt: Ein Feuerwehrmann geht in Minnesota am frühen Morgen von einem Haus weg, das bei minus 30 Grad in der Nacht Feuer gefangen hat. (30. Januar 2019)
Jean Pieri, Keystone
Kann diese Tür noch geöffnet werden?: Eiszapfen hängen vom Vordach dieser Bar in Wisconsin herunter. (30. Januar 2019)
Kann diese Tür noch geöffnet werden?: Eiszapfen hängen vom Vordach dieser Bar in Wisconsin herunter. (30. Januar 2019)
Jeffrey Phelps, Keystone
Kälterestistent: Enten schwimmen im frostigen Wasser des Lake Michigan bei Chicago. (30. Januar 2019)
Kälterestistent: Enten schwimmen im frostigen Wasser des Lake Michigan bei Chicago. (30. Januar 2019)
JOSHUA LOTT, AFP
Nichts geht mehr: Über 1700 Flüge wurden am Mittwoch wegen der starken Schneefälle und arktischer Kälte am O'Hare International Airport in Chicago gestrichen. (30. Januar 2019)
Nichts geht mehr: Über 1700 Flüge wurden am Mittwoch wegen der starken Schneefälle und arktischer Kälte am O'Hare International Airport in Chicago gestrichen. (30. Januar 2019)
KAMIL KRZACZYNSKI, Keystone
Er trägt nicht die besten Schuhe dafür: Ein Mann zieht seinen Koffer in Buffalo, New York, durch den Schnee. (30. Januar 2019)
Er trägt nicht die besten Schuhe dafür: Ein Mann zieht seinen Koffer in Buffalo, New York, durch den Schnee. (30. Januar 2019)
Lindsay Dedario, Reuters
Ende einer klaren Nacht: Der Lake Michigan ist wärmer als die Luft und dampft deshalb beim Sonnenaufgang über der Stadt Chicago. (30. Januar 2019)
Ende einer klaren Nacht: Der Lake Michigan ist wärmer als die Luft und dampft deshalb beim Sonnenaufgang über der Stadt Chicago. (30. Januar 2019)
Kamil Krzaczynski, Keystone
Ein Zug fährt in Chicago über brennende Schienen: Die Flammen entstanden durch eine gasbetriebene Heizung, die das Vereisen der Schienen verhindern soll. (29. Januar 2019)
Ein Zug fährt in Chicago über brennende Schienen: Die Flammen entstanden durch eine gasbetriebene Heizung, die das Vereisen der Schienen verhindern soll. (29. Januar 2019)
Kiichiro Sato, Keystone
Seltener Anblick: Eine Frau macht in Chicago ein Foto des fast komplett zugefrorenen Chicago River. (29. Januar 2019)
Seltener Anblick: Eine Frau macht in Chicago ein Foto des fast komplett zugefrorenen Chicago River. (29. Januar 2019)
Pinar Istek, Reuters
Volle Kraft: Der Eisbrecher James J. Versluis fährt durch den Lake Michigan bei Chicago, um den Weg für andere Schiffe frei zu machen. (29. Januar 2019)
Volle Kraft: Der Eisbrecher James J. Versluis fährt durch den Lake Michigan bei Chicago, um den Weg für andere Schiffe frei zu machen. (29. Januar 2019)
Pinar Istek, Reuters
Lebensgefährlich: Das Schild warnt die Fussgängerin in Chicago davor, dass Eis von dem Hochhaus auf den Gehweg herunterfallen könnte. (29. Januar 2019)
Lebensgefährlich: Das Schild warnt die Fussgängerin in Chicago davor, dass Eis von dem Hochhaus auf den Gehweg herunterfallen könnte. (29. Januar 2019)
Kamil Krzaczynski, Keystone
Man sieht kaum ihre Augen: Eine Studentin hat in Minneapolis ihren Schal auf dem Weg in den Unterricht bis knapp unter die Augen hochgezogen. (29. Januar 2019)
Man sieht kaum ihre Augen: Eine Studentin hat in Minneapolis ihren Schal auf dem Weg in den Unterricht bis knapp unter die Augen hochgezogen. (29. Januar 2019)
Eric Miller, Reuters
Kämpfen mit arktischen Temperaturen: Zwei Männer gehen in Minneapolis, Minnesota, über eine schneebedeckte Brücke. (29. Januar 2019)
Kämpfen mit arktischen Temperaturen: Zwei Männer gehen in Minneapolis, Minnesota, über eine schneebedeckte Brücke. (29. Januar 2019)
Stephen Maturen, AFP
Rutschige Fahrbahn: Ein Auto fährt in Pennsylvania eine verschneite Strasse entlang.
Rutschige Fahrbahn: Ein Auto fährt in Pennsylvania eine verschneite Strasse entlang.
Jacqueline Dormer, Keystone
Die Polarluft ist angekommen: Der Chicago River ist teilweise zugefroren. (29. Januar 2019)
Die Polarluft ist angekommen: Der Chicago River ist teilweise zugefroren. (29. Januar 2019)
Pinar Istek, Reuters
Lässt sich von der arktischen Kälte nicht beirren: Ein Fahrradfahrer fährt am Morgen durch einen Park in Minneapolis zur Arbeit. (29. Januar 2019)
Lässt sich von der arktischen Kälte nicht beirren: Ein Fahrradfahrer fährt am Morgen durch einen Park in Minneapolis zur Arbeit. (29. Januar 2019)
Kerem Yucel, AFP
Über Nacht fielen die Temperaturen auf minus 30 Grad: Ein Mann geht beim Sonnenaufgang am Hafen von Chicago über einen vereisten Steg. (29. Januar 2019)
Über Nacht fielen die Temperaturen auf minus 30 Grad: Ein Mann geht beim Sonnenaufgang am Hafen von Chicago über einen vereisten Steg. (29. Januar 2019)
Zbigniew Bzdak, Keystone
Dick eingepackt: Ein Mann ist komplett mit Schnee und Eis bedeckt, nachdem er in Wisconsin seine Einfahrt freigeschaufelt hat (28. Januar 2019)
Dick eingepackt: Ein Mann ist komplett mit Schnee und Eis bedeckt, nachdem er in Wisconsin seine Einfahrt freigeschaufelt hat (28. Januar 2019)
Joshua Clark, Keystone
1 / 26

Besonders im Mittleren Westen fiel am Donnerstag in vielen Schulen und Universitäten der Unterricht aus, auch viele Büros und Restaurants blieben geschlossen. Normalerweise bleiben Schulen im Mittleren Westen bei Schneestürmen und Kälteeinbrüchen geöffnet. Man ist in der Gegend an niedrige Temperaturen im Winter gewöhnt. In diesem Jahr ist es jedoch so kalt, dass die Behörden sich für eine Schliessung entschieden.

Türsteher mit Stiefeln

Der nationale Wetterdienst warnte, dass es auf ungeschützter Haut innerhalb von Minuten zu Erfrierungen kommen könne. Die Spitäler meldeten mehr Betrieb als üblich, allerdings sei die steigende Zahl an Patienten noch nicht besorgniserregend. Städte im Mittleren Westen und an der Ostküste haben Zentren eingerichtet, in denen die Menschen sich aufwärmen können. In Chicago nahmen auch die Polizeidienststellen Menschen auf, die Schutz vor der Kälte suchten.

Für Chicago war am Donnerstag ein weiteres Absinken der Temperatur auf minus 33 Grad gemessen worden. Die «New York Times» hat Einwohner der Stadt um Tipps gebeten, wie mit der Kälte umzugehen sei. Die meisten Hinweise sind konventionell: mehrere Schichten Kleidung tragen, natürlich lange Unterhosen, unbedingt den Kopf bedecken. Manche Tipps sind hingegen ungewöhnlich. Eine Schülerlotsin erklärte, sie trage unter ihren Wollhandschuhen ein Paar dünne Gummihandschuhe. Diese verhinderten, dass Luft an die Haut komme. Der Türsteher eines Hotels, der den ganzen Tag in der Kälte zubringen muss, erläuterte, es sei besonders wichtig, die unteren Extremitäten warm zu halten. Er trage deshalb eine Schneehose, die für Expeditionen in die Arktis gemacht sei, und entsprechende Stiefel. Dass das nicht sonderlich elegant wirkt, sieht sein Arbeitgeber ihm in diesen Tagen nach.

In Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota ist die Feuerwehr im Einsatz gegen Kälte und Frost. Foto: David Joles (AP, Keystone)
In Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota ist die Feuerwehr im Einsatz gegen Kälte und Frost. Foto: David Joles (AP, Keystone)

Der Besitzer einer Firma, die mit Hunden von Menschen Gassi geht, die dafür keine Zeit haben, empfiehlt seinen Angestellten, immer mal wieder bei einem Waschsalon vorbeizuschauen. Dort sollten sie ihre Oberbekleidung in den Trockner stecken, bis sie angenehm warm sei. Der wichtigste Tipp: Immer in Bewegung bleiben. Wer sich nicht bewegt, friert ein.

Behörde widerspricht

Als die Kältewelle sich Anfang der Woche allmählich über dem Mittleren Westen ausbreitete, schickte Präsident Donald Trump eine Botschaft auf seinem Lieblingsmedium Twitter. «Im schönen Mittleren Westen werden die Temperaturen auf minus 60 Grad (Fahrenheit) sinken, die niedrigsten, die je gemessen wurden. In den nächsten Tagen soll es noch kälter werden. Die Leute können nicht einmal für ein paar Minuten raus. Was zum Teufel ist mit der Erderwärmung los? Bitte, komm schnell zurück, wir brauchen dich!»

Man könnte das als Scherz des Präsidenten abtun, allerdings hat Trump seit 2011 laut «New York Times» mehr als hundertmal über den Klimawandel und die Erderwärmung getwittert, und stets war der Tenor, dass er nicht daran glaubt. Im Jahr 2013 hatte er behauptet, der Klimawandel sei ein Schwindel, hinter dem die Chinesen steckten. Im vergangenen Jahr hatte er gesagt, er glaube keinesfalls, dass der Klimawandel ein Schwindel sei. Es verändere sich womöglich durchaus etwas, aber er wisse nicht, ob das auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen sei.

Einen Tag nach Trump meldete sich die National Oceanic and Atmospheric Administration ebenfalls auf Twitter zu Wort. «Winterstürme sind kein Beweis dafür, dass die Erderwärmung nicht real ist», teilte die Behörde mit. Der Tweet war mit einer Illustration versehen, die den Zusammenhang zwischen der Erwärmung der Ozeane und stärkeren Stürmen erläutert. Ob die Behörde den Präsidenten verbessern oder belehren wollte? «Keinesfalls», teilte eine Sprecherin mit, man habe das ganz allgemein einmal erklären wollen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch