Zum Hauptinhalt springen

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Auch hinter Gittern bleibt Michael Cohen eine Bedrohung für Donald Trump. Denn er kennt die Geheimnisse des Präsidenten.

Drei Jahre Haft: Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen vor dem Gericht. (Video: AFP)

Er war bereit, sein Leben für Donald Trump zu geben. Michael Cohen war Trumps Anwalt, sein Mann für Brisantes und zugleich sein Ausputzer. Donald Trump war sein Idol, sein Arbeitgeber - und sein Untergang.

Irgendwann unterwegs auf seiner bemerkenswerten Reise durch die amoralische Welt des Donald Trump verhedderte sich Michael Cohen in amerikanischen Gesetzen, legte danach ein Schuldgeständnis ab und verpfiff sein einstiges Vorbild, den Präsidenten, bei Russland-Sonderermittler Mueller. Um sich von Trump noch eindrücklicher zu lösen, wechselte er sogar die Partei und rief vor den Kongresswahlen im November zur Wahl der Demokraten auf.

Cohen machte «Loyalität» verantwortlich

Heute endete die Moritat von einem, der auszog, sich notfalls auch auf Schleich- und Umwegen zu bereichern und Trump dabei treu zu dienen, vor dem New Yorker Bundesrichter William Pauley. Er verurteilte Cohen zu drei Jahren Haft. Damit blieb Pauley zwar unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, Cohens Anwälte aber hatten auf mehr Milde und auf eine Bewährungsstrafe gehofft: Nicht nur habe ihr Mandant mit dem Sonderermittler kooperiert, er habe zudem «Schande und Angstzustände» durchlebt, seine Anwaltslizenz verloren, und er sei mit Hass überschüttet worden.

Michael Cohen habe «das Unglück» gehabt, für Donald Trump zu arbeiten, machten seine Anwälte vor Gericht geltend. Ihr Mandant bekannte sich vor Gericht zu seinen Straftaten, machte letztendlich jedoch seine «Loyalität» gegenüber Donald Trump dafür verantwortlich. Er habe Donald Trumps «schmutzige Taten» gedeckt, erklärte Cohen.

Das Plädoyer blieb letztendlich wirkungslos, weil Cohen zwar umfänglich mit Mueller, aber nur selektiv mit den New Yorker Staatsanwälten kooperierte, die ihn wegen Steuerhinterziehung, Bankbetrug und der Verletzung amerikanischer Wahlkampfgesetze angeklagt hatten. Gegenüber den New Yorker Strafverfolgern gab er manches preis, anderes dagegen nicht. Offensichtlich versuchte Cohen die Staatsanwälte zu manipulieren und bis zum bitteren Ende sowohl sich als auch Familienangehörige und alte Geschäftspartner zu schützen.

Strafminderung durch weitere Aussagen

Bei Mueller sang er, ansonsten tischte er jedoch auf, was ihm passte. Heute erhielt Cohen dafür die Quittung: Statt lediglich eine Bewährungstrafe zu erhalten wie von ihm und seinen Anwälten erhofft, wird Donald Trumps einstiger «Fixer» eine Gefängnisstrafe antreten müssen – trotz Robert Muellers Fürsprache. Zu vieles hielt Cohen zurück, zu sehr verägerte er die New Yorker Staatsanwälte, als dass man ihn mit einem blauen Auge hätte davonkommen lassen.

In der Moritat vom skrupellosen Ausputzer und seinem gleichfalls skrupellosen Boss ist das letzte Wort indes noch nicht gesprochen: Michael Cohen kann auch nach seiner Verurteilung weiter auspacken und sich durch umfassende Aussagen innerhalb eines Jahres nach seiner Verurteilung eine Strafminderung verdienen.

Gesetzeswidrige Beeinflussung der Präsidentschaftswahl Jetzt muss der einstige Anwalt unter anderem für die Verletzung von Wahlkampfgesetzen hinter Gittern, obschon ihn Kandidat Trump laut der New Yorker Staatsanwaltschaft zu diesem Vergehen angestiftet hatte: Cohen habe «auf Weisung» und «nach Absprache» mit Trump illegale Schweigegelder an Trumps mutmassliche Gespielinnen Stormy Daniels und Karen McDougal gezahlt. Der Präsident mag noch so sehr behaupten, es habe sich bei den beiden Zahlungen um eine «einfache private Transaktion» gehandelt, doch es bleibt eine Tatsache, dass die Zahlungen im Oktober 2016 der New Yorker Staatsanwaltschaft zu Folge eine gesetzeswidrige Beeinflussung der Präsidentschaftswahl darstellten. Nun muss Cohen diese Straftat sühnen, derweil Trump und seine Fürsprecher weiterhin versuchen werden, den Ex-Anwalt zu diskreditieren. Der versuche ja nur mit allen Mitteln, sich das Gefängnis, dem er «nicht gewachsen» sei, zu ersparen, erklärte Trumps Anwalt Rudy Giuliani.

Aber weder Giuliani noch der Präsident weiss, was Michael Cohen dem Sonderermittler und der New Yorker Staatsanwaltschaft bereits gesteckt hat – und was dazukommen könnte, wenn der Ex-Anwalt seine Kooperation ausdehnt. Als das FBI Michael Cohens Räumlichkeiten durchsuchte, explodierte der Präsident und erklärte die FBI-Aktion einen «Angriff auf unsere Nation». Mit gutem Grund: Sein ehemaliger Helfer weiss viel über die verrottete Beschaffenheit der Trump’schen Welt. Auch in der Haft bleibt Michael Cohen deshalb eine Bedrohung für den Präsidenten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch