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Das Misstrauen ist berechtigt

Man muss nicht schwarz sein, um sich am Juryentscheid zu Ferguson zu stossen.

Mit schwarzer Haut lebt es sich anders in Amerika. Selbst der scheidende Justizminister Eric Holder kann davon berichten. Als er sich auf dem Weg ins Kino ­einmal verspätete und zu rennen begann, hielt ihn im Washingtoner Edelstadtteil Georgetown prompt eine Polizeistreife an. Leuchtete ihm ins Gesicht und stellte ihn zur Rede. Wer rennt, ist verdächtig. Holder war zu dem Zeitpunkt bereits Bundesstaatsanwalt, kein ­Jugendlicher mehr. «Heute mag ich der Justizminister sein», sagte er im August bei einem Besuch in Ferguson. «Doch ich bin immer auch ein schwarzer Mann.» Niemand bestreitet die unrühmliche Statistik. Polizei und Justiz packen schwarze Männer härter an in den USA. Afroamerikaner werden häufiger angehalten und durchsucht, öfter festgenommen und verurteilt – ­ja sie erhalten im Durchschnitt längere Haftstrafen als Weisse. Sieben von zehn schwarzen Amerikanern ­halten das US-Justizsystem deshalb für unfair. Ein ­katastrophaler Wert.

Mit dem Entscheid der Grand Jury im Fall Ferguson wird das Vertrauen nicht verbessert. Über drei ­Monate lang haben die Geschworenen unter Ausschluss der Öffentlichkeit Beweismaterial gesichtet und Zeugen angehört. Um zum Schluss zu kommen: Der weisse Polizist, der am 9. August den schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hat, gehört nicht vor Gericht. Es gebe keine Anzeichen für gesetzeswidriges Verhalten.

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