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Protestler angeschossen – Ausnahmezustand

Während der zweiten Protestnacht wurde in der US-Südstaatenstadt Charlotte ein Mann schwer verletzt. Der Gouverneur liess die Nationalgarde mobilisieren.

Der Unmut entzündete sich auch daran, dass die Polizei die Herausgabe von Aufnahmen von Körperkameras noch verweigert: Heftige Ausschreitungen in Charlotte.

Neue Proteste nach einem tödlichen Polizeieinsatz gegen einen Schwarzen in Charlotte im US-Staat North Carolina haben sich trotz Beschwichtigungsversuchen wieder in Gewalt entladen. Am Mittwoch wurde ein Mann während eines Protestmarschs angeschossen und schwer verletzt, wie die Behörden per Twitter mitteilten. Die Polizei habe jedoch nicht auf ihn geschossen.

Zuvor hatte es noch geheissen, der Mann sei tot. Nach dem Vorfall kam es zu neuen Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Gouverneur Pat McCrory rief den Ausnahmezustand aus und liess die Nationalgarde mobilisieren.

Im Video der Polizei ist zu sehen, wie der Mann (links) aus seinem Wagen steigt. (24. September 2016)
Im Video der Polizei ist zu sehen, wie der Mann (links) aus seinem Wagen steigt. (24. September 2016)
CMPD, Keystone
Diese Handfeuerwaffe hat die Polizei beim getöteten Schwarzen gefunden. (24. September 2016)
Diese Handfeuerwaffe hat die Polizei beim getöteten Schwarzen gefunden. (24. September 2016)
CMPD, Keystone
Die Protestler umstellen das Polizeigebäude in Charlotte. (21. September 2016)
Die Protestler umstellen das Polizeigebäude in Charlotte. (21. September 2016)
Brian Blanco, AFP
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Anlass der Proteste ist ein neuer Fall von Polizeigewalt. Ein Beamter soll am Dienstag den dunkelhäutigen Keith S. erschossen haben. Nach Angaben der Polizei wurde der 43-Jährige von Beamten mehrmals aufgefordert, seine Schusswaffe fallen zu lassen, ehe er erschossen wurde. Doch Nachbarn und Verwandte des Mannes erklärten, er habe lediglich ein Buch in der Hand gehalten, während er darauf gewartet habe, dass sein Sohn aus dem Schulbus aussteige.

Polizei gibt Video nicht heraus

Der Unmut entzündete sich nicht zuletzt daran, dass die Polizei die Herausgabe von Aufnahmen von Körperkameras der am Einsatz beteiligten Beamten mit Verweis auf laufende Ermittlungen noch verweigert.

Kurz nach dem Tod von Keith S. hatten Dutzende Protestler am Dienstag Steine auf Beamte und Reporter geschleudert, Streifenwagen verwüstet, einen Autobahnabschnitt blockiert, geplündert und einen Lastwagen angezündet. Die Polizei setzte Trängengas ein, eine Person wurde festgenommen.

Die neuen Proteste begannen am Mittwoch zunächst friedlich mit einer Gebetswache, doch löste sich eine aufgebrachte Menge und zog zum Zentrum von Charlotte. Die Protestler riefen Parolen wie «Schwarze Leben zählen» und «Hände hoch, nicht schiessen.» Als sie sich einem Luxushotel näherten, stellten sich ihnen Arm in Arm aufgereihte Bereitschaftspolizisten entgegen. Einige Demonstranten warfen mit Flaschen, Erdklumpen und Feuerwerkskörpern.

Mit Blendgranaten und Tränengas gegen Protestler

Unmittelbar nach dem bewaffneten Zwischenfall ging die Polizei mit Blendgranaten gegen die Protestler vor. Dann feuerten die Beamten Tränengas ab, Hunderte wurden auseinandergetrieben. Doch nicht alle Protestler verliessen den Schauplatz. Die Bereitschaftspolizisten marschierten Arm und Arm durch das Stadtzentrum und schossen dabei Tränengas-Salven auf Personen ab, die auf sie zurannten. Mindestens ein Protestler schlug während einen TV-Reporter nieder, der live über das Geschehen berichtete.

Ein CNN-Reporter wird während der Live-Übertragung angegriffen. (Video: Youtube/CNN)

Dass Charlotte die zweite Nacht in Folge von Unruhen erschüttert werden sollte, hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Die weisse Bürgermeisterin Jennifer Roberts und der schwarze Polizeichef Kerr Putney riefen zwar gemeinsam im Rathaus zur Ruhe auf. Doch Vertreter der afroamerikanischen Gemeinde hielten für die Familie von S. eine eigene Pressekonferenz ab, in der sie ihre Zuhörer an andere Fälle von Polizeigewalt gegen schwarze Männer erinnerte.

John Barnett, Leiter der Bürgerrechtsgruppe THUG erklärte, dass die Veröffentlichung der Videoaufnahmen vom Polizeieinsatz gegen S. der einzige Weg für die Polizei sei, wieder das Vertrauen der Bürger zu erlangen. Polizeichef Putney betonte indes, die bisherige Sachlage anders sei als sie vor allem in den sozialen Medien dargestellt worden sei.

AP/chk

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