Demonstranten besetzen Staatssender

In Bolivien gehen die Proteste gegen umstrittenen Staatschef Evo Morales weiter. Nun hat sich die Unmut auch gegen staatliche Medien gerichtet.

Zahlreiche Bewohner von La Paz sind auf die Strasse gegangen, um gegen den Präsidenten zu protestieren. (9. November 2019)

Zahlreiche Bewohner von La Paz sind auf die Strasse gegangen, um gegen den Präsidenten zu protestieren. (9. November 2019)

(Bild: Reuters Kai Pfaffenbach)

Bei Protesten in Bolivien nach der umstrittenen Präsidentenwahl haben Regierungsgegner die staatlichen Sender Bolivia TV und Radio Patria Nueva zur Einstellung ihres Betriebs gezwungen. Organisierte Gruppen hätten die Mitarbeiter bedroht und eingeschüchtert.

Anschliessend hätten sie das Personal der Sender gezwungen, ihre Arbeitsplätze zu verlassen, schrieb Morales am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter. «Sie sagen, dass sie die Demokratie verteidigen, verhalten sich aber wie in einer Diktatur.»

Der Radio Patria Nueva-Chef Ivan Maldonado sagte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag: «Wir sind gewaltsam verjagt und bedroht worden.» Die Mitarbeiter seien aufgefordert worden, von ihren Arbeitsplätzen zu gehen, erklärte er. Dutzende Mitarbeiter hätten daraufhin das Gebäude in La Paz unter den Buh-Rufen hunderter Demonstranten verlassen.

Polizei gegen den Präsidenten

Am Freitag stellten sich in mindestens drei Städten Polizisten auf die Seite der Demonstranten. In der Hauptstadt La Paz schlossen sich am Freitag (Ortszeit) dutzende Polizisten einer Demonstration an.

Sie riefen zudem Parolen gegen Morales, wie AFP-Journalisten beobachteten. Das Fernsehen zeigte zudem Bilder von Sicherheitskräften, die Demonstranten die Hände schüttelten.

Zunächst wechselten Polizisten in Cochabamba die Seiten. «Wir haben gemeutert», sagte ein vermummter Polizist vor dem Hauptquartier der Einsatzpolizei in der zentralbolivianischen Stadt. «Wir werden auf der Seite des Volkes sein, nicht bei den Generälen», fügte einer seiner - ebenfalls vermummten - Kollegen hinzu.

Erbitterter Kampf

Seit der Präsidentenwahl am 20. Oktober liefern sich die politischen Lager des südamerikanischen Landes erbitterte Auseinandersetzungen. Regierungsgegner zweifeln den Sieg von Morales in der ersten Runde an. Der Ex-Präsident Carlos Mesa, der Zweiter wurde, wirft Morales Wahlbetrug vor. Berichten zufolge schlossen sich inzwischen auch Polizisten in grossen Städten den Antiregierungsprotesten an.

Morales ist der dienstälteste Präsident des Kontinents. Bereits seit 2006 leitet der frühere Koka-Bauer die Geschicke Boliviens - wenn es nach ihm geht, will er bis zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit 2025 am Ruder bleiben. Der 59-Jährige hatte sich zum dritten Mal zur Wiederwahl gestellt, obwohl die Verfassung nur eine Wiederwahl vorsieht. Morales überwand diese Hürde mit Hilfe der Justiz, die die Begrenzung der Amtszeiten als Verletzung seiner Menschenrechte bezeichnete.

roy/sda

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