Der Kaffee-Milliardär lässt die Demokraten schäumen

Der Gründer von Starbucks überlegt, als Kandidat bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 anzutreten. Er gibt den Versöhner – und sorgt für Zoff.

Starbucks-Gründer Howard Schultz beim SXSW-Festival in Austin, Texas. (Foto: Bloomberg)

Starbucks-Gründer Howard Schultz beim SXSW-Festival in Austin, Texas. (Foto: Bloomberg)

Dieser Mann brachte Amerika den «Pumpkin Spice Latte» und den «Cherry Mocha Frappuccino». Auch sonst hat Howard Schultz in seinem Leben schon Grosses geleistet. Der Starbucks-Gründer hat einen kleinen Kaffeeröster aus Seattle zu einer der grössten Coffee-Shop-Ketten der Welt mit 30'000 Cafés in 77 Ländern ausgebaut.

Aber reicht das, um die Amerikaner davon zu überzeugen, ihn zum US-Präsidenten zu wählen?

«Wir Amerikaner lassen uns nicht länger spalten», ruft er ins Publikum, als er am Samstag beim SXSW-Festival in Austin, Texas, die Bühne betritt. Er gibt den Versöhner für ein zerrissenes Amerika. Schultz wirkt dezent und reflektiert. Sein Auftreten ist sozusagen das komplette Gegenteil von Donald Trump, der bei seinen Reden gerne die Massen mit populistischen, politisch oft nicht korrekten Sprüchen anheizt.

Schultz dagegen sagt: «Wir leben in einer Zeit, in der sich die Amerikaner wünschen, dass das Land wichtiger ist als die Partei. Ich glaube, dass wir als Land wieder zusammenkommen und den Weg gemeinsam gehen können.» Für viele US-Bürger sind solche Worte wie Balsam. Denn nach zwei Jahren Trump-Regierung und täglich inszeniertem Dauerzoff sind viele der Auseinandersetzungen müde geworden. Sie sehnen sich nach einem Präsidenten, der vermitteln will.

Der Kaffee-Milliardär hat seine Kandidatur offiziell noch nicht verkündet. Er ist gerade unterwegs auf einer Tour durch die USA, um, wie die Amerikaner so schön sagen, «das Wasser zu testen» – er streckt also seine Fühler aus.

Schultz wuchs in einer Sozialwohnung in Brooklyn auf

Geht es nach dem Besucheransturm in Austin, kann er zumindest mit offenen Ohren rechnen. Schultz gilt dank seines sozialen Engagements seit vielen Jahren als Vorbild-CEO im sonst oft derben Raubtierkapitalismus der USA. Das hat ihm viele Sympathiepunkte eingebracht.

Doch seine potentielle Kandidatur sorgt auch für jede Menge Gegenwind. Vor allem die Demokraten schäumen seit Wochen. Denn der 65-Jährige ist zwar seit etlichen Jahrzehnten eingetragener Demokrat, doch 2020 würde er gern als unabhängiger Kandidat antreten.

Den Vorschlag der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren, eine Reichensteuer mit zwei Prozentpunkten auf Haushaltsvermögen über 50 Millionen einzuführen, nennt er «lächerlich». Schultz' Credo: Ich habe es geschafft, also kann es jeder schaffen.

Der Sohn eines Lastwagenfahrers und einer Hausfrau betont gerne, dass er mit seiner jüdischen Familie viele Jahre in einer Sozialwohnung in Brooklyn lebte. Dass das nicht ohne staatliche Unterstützung geht, die durch Steuern finanziert wird, erwähnt er dabei nicht.

«Wenn er als Unabhängiger antreten würde, würde er allen anderen Demokraten Stimmen wegnehmen», sagte vor Kurzem Warren Buffett, ein Milliardär wie Schultz. «Ich denke, es wäre ein echter Fehler, wenn er antreten würde.» Die Sorge, dass die entscheidenden Wählerstimmen in den «Swing States» zu Schultz wandern und damit Trump die Mehrheit erhielte, ist gross.

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