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Ein Mann sorgt im Weissen Haus gerade richtig für Chaos

Rudy Giuliani erstaunt mit Äusserungen zu heiklen Affären Trumps. Der Präsident hat eine Antwort.

Er machte New York sicher, nun verunsichert er Washington: Rudy Giuliani, Donald Trumps neuer Rechtsberater.
Er machte New York sicher, nun verunsichert er Washington: Rudy Giuliani, Donald Trumps neuer Rechtsberater.
Tasos Katopidis, AFP

Bisher war Rudy Giuliani vor allem dafür bekannt, dass er während der Terroranschläge auf Manhattan und andere Orte in den USA am 11. September 2001 als Bürgermeister von New York amtierte. Viele Amerikaner haben noch vor Augen, wie Giuliani durch die Landschaft der Zerstörung lief. Er tat, was Bürgermeister in solchen Situationen tun müssen: Er zeigte Stärke ebenso wie Mitgefühl.

In der grössten Krise seiner Amtszeit bewies er grösste Präsenz, was dazu führte, dass das Magazin «Time» ihn zur Person des Jahres 2001 kürte, dass die britische Königin Elizabeth II. ihn zum Ritter schlug, und dass die Talkmasterin Oprah Winfrey ihn «Amerikas Bürgermeister» nannte. In diesen Tagen tut Giuliani viel dafür, dieses Erbe vergessen zu machen. Er wird als der Mann bekannt, der im chaotischen Weissen Haus von US-Präsident Donald Trump erst richtig für Chaos sorgt.

«Rudy ist ein Supertyp»

Vor kürzerem hat sich Giuliani von Trump als Rechtsberater anheuern lassen. Trump hatte Mühe, Juristen zu finden, die sich seiner vielfältigen Probleme annehmen wollten, darunter die Affäre um eine angebliche Liebesnacht mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels vor zwölf Jahren sowie die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller, welcher der Frage nachgeht, ob Russland Einfluss auf die Wahl im Jahr 2016 genommen haben könnte. Giuliani übernahm den Job als Vertrauter von Trump mit Freude und liess verlauten, er nehme an, alle anstehenden Fragen rasch im Sinne des Präsidenten regeln zu können.

Video – «Der Präsident hat das Geld zurückbezahlt»

Giuliani gibt zu, dass der Präsident der Pornoschauspielerin Stormy Daniels Schweigegeld bezahlt hat. Video: Tamedia/Reuters

Seit er in der vergangenen Woche einige Interviews gegeben hat, ist allerdings eher unklar, ob Giuliani die Dinge tatsächlich rasch oder in Trumps Sinne regeln kann. Er liess verlauten, dass Trump seinem Anwalt Michael Cohen eine Schweigegeldzahlung von 130'000 Dollar an Stormy Daniels erstattet habe, obwohl der Präsident zuvor gesagt hatte, von dieser Zahlung nicht einmal gewusst zu haben. Er sagte, Trump habe den FBI-Chef James Comey gefeuert, weil dieser dem Präsidenten nicht zusichern wollte, dass in Sachen russische Einmischung nicht gegen ihn ermittelt werde. Das gilt in Washington als ebenso neue wie erstaunliche Darstellung der Vorgänge.

Nebenbei plauderte Giuliani noch aus, Trump habe ausgehandelt, dass drei amerikanische Staatsbürger aus nordkoreanischer Gefangenschaft freigelassen werden. Diese Indiskretion führte zu Befürchtungen, dass der Deal platzen könnte. Als auch Trump bemerkte, dass sein Berater eher vogelwild unterwegs ist, teilte er mit: «Rudy ist ein Supertyp, aber er hat gerade erst angefangen in dem Job. Er arbeitet hart. Er wird bald die richtigen Fakten kennen.»

Als Kind zog sich Giuliani gern in sein Zimmer zurück, um in grosser Lautstärke italienische Opern zu hören.

Wie der 71 Jahre alte Präsident versteht sich der 73 Jahre alte Giuliani durch und durch als New Yorker. Er wurde in Brooklyn geboren und wuchs auf Long Island auf. Er studierte Jura, wurde Staatsanwalt und ging gegen die Mafia ebenso vor wie gegen korrupte Polizisten oder Betrüger an der Wallstreet. Nachdem er 1993 Bürgermeister seiner Heimatstadt wurde, fuhr er eine Politik der «Nulltoleranz» gegenüber Verbrechen jeglicher Art, selbst Kleinstdelikten, und erreichte, dass das vormals notorisch gefährliche New York zunehmend als sichere Stadt galt.

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Weshalb sollte sie schweigen?

Ein Geheimhaltungsvertrag verbietet es ihr, über die Affäre mit dem Präsidenten zu sprechen. Stormy Daniels tut es trotzdem – zur Unterschrift sei sie genötigt worden. (Abo+)

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Nach zwei Amtszeiten durfte Giuliani 2002 nicht noch einmal kandidieren und widmete sich fortan dem Geldverdienen. Mit diversen Firmen nahm er als Sicherheits- und Rechtsberater viele Millionen Dollar ein. 2008 wollte er Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden. Er war in der Partei jedoch als «Moderater» verrufen, weil er sich für die Rechte von Schwulen einsetzte, für das Recht auf Abtreibung und für eine Kontrolle des Waffenbesitzes.

Dass er nun dafür sorgt, dass es in Trumps ereignisreicher Präsidentschaft noch etwas turbulenter zugeht, mag mit einer früh ausgeprägten Vorliebe fürs Dramatische zusammenhängen: Als Kind zog sich Giuliani gern in sein Zimmer zurück, um in grosser Lautstärke italienische Opern zu hören.

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