Der «Marmite-Krieg» ist beendet

Die Supermarktkette Tesco und der Unilever-Konzern haben den Zwist um den Hefe-Brotaufstrich Marmite beigelegt. Grossbritannien atmet auf.

«Love it or hate it»: Die letzten Marmite-Gläser in einer Tesco-Filiale in London. (13. Oktober 2016).

«Love it or hate it»: Die letzten Marmite-Gläser in einer Tesco-Filiale in London. (13. Oktober 2016).

(Bild: Keystone Alastair Grant)

Unilever teilte im Preiskampf um den beliebten Brotaufstrich Marmite mit, man sei erfreut, dass «geliebte Marken» wieder voll zur Verfügung stünden. Ein Tesco-Sprecher erklärte, der Streit sei «zu unserer Zufriedenheit» beigelegt. Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt – britische Medien spekulierten, der Preiskampf könnte zugunsten von Tesco ausgegangen sein. Zuvor hatten Zeitungen bereits vom «Marmite-Krieg» gesprochen – zeitweise gab es einen landesweiten Aufschrei, als der Aufstrich knapp wurde.

Mit dem Streit hatten zugleich die Folgen des Brexits und der drastischen Pfund-Abwertung die britischen Supermärkte erreicht. Das Pfund ist seit dem Brexit-Votum Ende Juni um mehr als 17 Prozent abgestürzt. Für den Lebensmittelkonzern Unilever bedeutet das höhere Kosten, daher verlangte er höhere Preise.

Auch andere Marken betroffen

Betroffen waren neben Marmite auch Teebeutel der Marke PG, Hygieneartikel von Dove, Speiseeis von Ben & Jerry's und das Waschmittel Persil. Tesco wollte das nicht mitmachen – weshalb sich zeitweise die Regale mit Marmite leerten.

Zahlreiche Twitter-Nutzer vermuteten, der niedrige Pfundkurs sei nur ein vorgeschobener Grund für Preiserhöhungen – schliesslich werde Marmite in Grossbritannien hergestellt, so dass Währungsturbulenzen doch keine Rolle spielen dürften. Der Hashtag #marmitegate schoss in den britischen Twitter-Trends in die Top 10. Dass beim Aufschrei der Humor nicht verloren ging, beweist der australische Konkurrent Vegemite:

Experten dagegen glauben, dass der schmierige Brotaufstrich nur zum Symbol eines sich andeutenden Trends geworden ist. Sobald das lukrative Weihnachtsgeschäft vorüber sei, könnten andere Hersteller dem Beispiel von Unilever folgen, glaubt zum Beispiel Steven Dresser vom Marktanalysten Grocery Insight. «Niemand will die Preise vor Weihnachten erhöhen. Andere warten möglicherweise einfach bis Januar.» Ähnlich wie Marmite könnte der Brexit dann auch vielen Konsumenten im Abgang bitter schmecken.

sep/sda

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