Der Meister des lukrativen Deals ist ein Verlierer

Neue Steuerdaten enthüllen Donald Trumps gewaltige Verluste. Warum es gut wäre, wenn er nun seine Finanzen offen legen würde.

Das Fazit der «New York Times»: «Jahr auf Jahr scheint Mr. Trump mehr Geld verloren zu haben als fast jeder andere amerikanische Steuerzahler.» Bild: Reuters

Das Fazit der «New York Times»: «Jahr auf Jahr scheint Mr. Trump mehr Geld verloren zu haben als fast jeder andere amerikanische Steuerzahler.» Bild: Reuters

Martin Kilian@tagesanzeiger

Nie war das Image wertvoller als beim US-Präsidentschaftswahlkampf 2016: Kandidat Trump pflegte den Habitus des erfolgreichen Geschäftsmanns, ein Meister des lukrativen Deals war er angeblich und damit ein Garant für US-Amerikas Wiederauferstehung zu neuer Grösse. Wie so vieles ins Trumps Legendenbildung aber bröckelt dieser Kern seiner politischen Vermarktung. Wer die am Dienstag publizierten Enthüllungen der New York Times über Trumps Steuerdaten der Jahre 1985 bis 1994 liest, kommt unweigerlich zum Schluss, Trump sei ein Loser der Extraklasse. In jedem Jahr fuhr er massive Verluste ein, 1.17 Milliarden Dollar insgesamt. «Jahr auf Jahr scheint Mr. Trump mehr Geld verloren zu haben als fast jeder andere amerikanische Steuerzahler», konstatiert trocken die Times.

«Der kolossalste Betrug»

Der Playboy und selbsternannte Krösus wankte in jenen Jahren mehrmals am Rande des finanziellen Ruins – was ihn 1987 nicht davon abhielt, sich als Erfolgsmodell zu preisen. «Niemand in meinem Alter hat so viel erreicht wie ich», prahlte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Newsweek».

Dieser Mythos war bereits angekratzt worden, als herauskam, dass Trump nicht wie behauptet ein «Selfmade-Man» in bester amerikanischer Tradition war. Statt dessen hatte er sich an väterlichen Finanzspritzen und Ererbtem in Höhe von mehr als 400 Millionen Dollar hochgehangelt. Der Zaster floss dem Filius mittels dubioser Steuertricks zu, manche davon illegal.

Nun also stellt sich heraus, dass Trump trotz der väterlichen Zuwendungen gewaltige Verluste machte. Und er zahlte auf Grund dieser Verluste in acht der zehn von der Times untersuchten Jahre keinerlei Steuern - nicht einen Cent. Trumps Karriere als Politiker, befand daraufhin der demokratische Abgeordnete Bill Pascrell, sei «der kolossalste Betrug in der politischen Geschichte Amerikas».

Am Mittwoch meldete sich Trump zu Wort und twitterte, natürlich habe er Verluste gemacht, um Steuern zu sparen. Das sei «ein Sport» gewesen, so der Präsident. Und überhaupt handle es sich bei der Geschichte der «New York Times» mal wieder um «falsche Fake News». Fachleute sind allerdings anderer Meinung: Die von der «Times» verwendeten Daten erlaubten einen guten Überblick über den Zustand von Trumps Finanzen von 1985 bis 1994.

Wohr kommen die 52.9 Millionen Dollar?

Ausserdem unterstreichen die Enthüllungen, warum die Forderung der Demokraten auf Herausgabe von Trumps Steuererklärungen der Jahre 2013 bis 2018 angebracht ist. Denn die am Dienstag veröffentlichten Zahlen weisen auf mysteriöse Geldquellen hin, darunter ein geheimnisvolles Einkommen aus angeblichen Zinserträgen in Höhe von 52.9 Millionen Dollar. Woher stammte dieses Geld?

Die Rechtslage ist klar: Der Finanzminister muss auf Anforderung des Kongresses Steuerbescheide von US-Bürgern an die zuständigen Ausschüsse im Senat und Repräsentantenhaus aushändigen. Nachdem Trump sich bereits im Wahlkampf beharrlich geweigert hatte, seine Steuererklärungen und damit seine Finanzen offenzulegen, lehnte Finanzminister Steven Mnuchin am Montag neuerlich die Herausgabe der Unterlagen ab.

«Demokraten wollen ihn zerstören»

Trump und seine Familie versuchen zudem durch Klagen die Deutsche Bank sowie die Buchprüfer der Familie an der Herausgabe von Dokumenten zu hindern, die von den Kongressdemokraten angefordert wurden. Was will der Präsident verschleiern? Dass er nicht so reich ist, wie er stets angibt? Oder hat er seit Jahren keine Steuern bezahlt? Möchte Trump vertuschen, woher er Geldspritzen erhielt und wem er Geld schuldet?

Die Demokraten hassten den Präsidenten «so leidenschaftlich, dass sie seine Steuererklärungen wollen, um ihn zu zerstören», behauptet der republikanische Senator Charles Grassley (Iowa). Die von der New York Times vorgelegten Daten aber lassen es einmal mehr geraten erscheinen, auf eine Offenlegung von Trumps Finanzen zu drängen. Sie könnten ja beweisen, dass sich der Präsident seit Mitte der neunziger Jahre finanziell erholt hat und heute kein Loser mehr ist.

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