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Die Farc zeigen ihr schönes Gesicht

Die ehemalige Studentin Tanja Nijmeijer schloss sich vor zehn Jahren den Farc an. Nun nimmt die Holländerin für die Guerillatruppe an den Friedensgesprächen in Oslo teil.

Prominente Sprecherin: Guerillakämpferin Tanja Nijmeijer bei den Friedensgesprächen zwischen den Farc und der kolumbianischen Regierung in Havanna. (24. Januar 2013)
Prominente Sprecherin: Guerillakämpferin Tanja Nijmeijer bei den Friedensgesprächen zwischen den Farc und der kolumbianischen Regierung in Havanna. (24. Januar 2013)
AFP
Kehrte nach ihrem Studienaufenthalt nie mehr in ihre Heimat zurück: Tanja Nijmeijer.
Kehrte nach ihrem Studienaufenthalt nie mehr in ihre Heimat zurück: Tanja Nijmeijer.
AFP
Verlangen eine aktive Rolle bei den Friedensgesprächen: Studenten in Bogota. (12. Oktober 2012)
Verlangen eine aktive Rolle bei den Friedensgesprächen: Studenten in Bogota. (12. Oktober 2012)
People-Press
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Die linksgerichtete kolumbianische Farc-Guerilla hat sich einen Mediencoup ausgedacht: In die Delegation für die Friedensgespräche mit der kolumbianischen Regierung nahmen die Farc im letzten Moment die niederländische Kämpferin Tanja Nijmeijer auf.

Die 34-jährige «Genossin Alexandra» schloss sich den Revolutionären Streitkräften (Farc) vor zehn Jahren während ihres Studiums in Kolumbien an. Ab kommender Woche beteiligt sie sich in Havanna gemeinsam mit Farc-Veteranen an der zweiten Etappe des Friedensdialogs - nach dem Auftakt in Oslo.

Nijmeijer stammt aus einer katholischen Mittelschichtfamilie. Sie reiste erstmals im Jahr 2000 nach Kolumbien, um Sprachen zu studieren und Englisch zu unterrichten. Die soziale Ungleichheit und die Willkür von Armee und Polizei setzten ihr zu.

Während eines Besuchs in der entmilitarisierten Zone im Süden des Landes reifte 2002 ihre Entscheidung, sich der Farc-Stadtguerilla anzuschliessen. Später kämpfte sie als «Genossin Alexandra» im Dschungel und rückte offenbar in die Führungsriege der Farc auf.

Tagebuch aus dem Dschungel

Ausländische Medien wurden 2007 auf Nijmeijer aufmerksam, als die Armee in einem hastig verlassenen Dschungelcamp der Guerilla ihr Tagebuch fand. Darin beklagte Nijmeijer Zank zwischen den Farc-Führern, deren Privilegien und das Abrücken von linken Idealen.

Offenbar drohte ihr deswegen von Seiten der Guerilla die Hinrichtung, aber der Farc-Kommandeur Jorge Briceño stellte sie unter seinen Schutz. Im September 2010 wurde Briceño bei einem Angriff der Armee getötet, «Genossin Alexandra» überlebte.

Mehrsprachige Guerillera

Die mehrsprachige «Alexandra» soll vor allem mit Übersetzungen und Kommunikationsaufgaben betraut gewesen sein. Die Behörden werfen ihr allerdings unter anderem vor, 2003 an der Verschleppung von drei Mitarbeitern einer US-Sicherheitsfirma im kolumbianischen Dschungel beteiligt gewesen zu sein, nachdem diese dort mit einem Flugzeug verunglückt waren.

Kolumbianische Sicherheitskräfte befreiten die drei US-Geiseln zusammen mit der früheren Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt sowie weiteren Geiseln im Juli 2008.

Nijmeijer erklärte wiederholt, sie sei stolz, der Farc anzugehören, die 1964 aus Bauernrevolten hervorging. In einem spanischsprachigen Interview, gefilmt in einem Dschungelcamp der Guerilla im November 2010, sagte sie: «Ich bin eine Farc- Guerillakämpferin und werde weiterhin eine sein, bis ich siege oder sterbe. Es gibt keinen Weg zurück.»

Nijmeijer soll für den Friedenswillen stehen

Als die Farc-Führung Nijmeijer zum Delegationsmitglied bestimmte, verfolgte sie damit offenbar die Absicht, sich ein neues Image zu verpassen. Davon ist zumindest Ariel Avila überzeugt, der für das auf den Kolumbien-Konflikt spezialisierte Institut Nuevo Arco Iris (Neuer Regenbogen) arbeitet.

Die schlanke junge Frau mit den langen braunen Haaren und dem freundlichen Gesicht soll seiner Meinung nach die internationalen Medien für den Friedenswillen der Guerilla einnehmen. Sowohl die USA als auch die Europäische Union, nicht jedoch die Schweiz, haben die Farc als Terrororganisation eingestuft.

SDA/mrs

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