Die Flitterwochen sind vorbei

Der Gipfel von Hanoi ist gescheitert. Zumindest aber hat US-Präsident Trump die Realität internationaler Politik kennen gelernt.

«Es war keine gute Zeit, um etwas zu unterzeichnen»: Donald Trump in Hanoi. Video: Youtube / The White House
Christof Münger@ChristofMuenger

Alles war angerichtet für den zweiten Teil der Trump-Kim-Show. Doch dann wurde der Gipfel in Hanoi vorzeitig abgebrochen, es gab keine gemeinsame Abschlusserklärung, keine Zeremonie mit Unterzeichnung und Füllfedertausch, dafür eine vorgezogene Abreise. Selbst zum Mittagessen wollten der US-Präsident und der Machthaber aus Nordkorea nicht mehr bleiben, dabei war der Tisch so schön gedeckt. Ausser ziemlich hohen Spesen also nichts gewesen.

Nach dem mit viel Pomp inszenierten ersten Treffen in Singapur waren die Erwartungen gross. Geschürt hatte sie das Weisse Haus, die Rede war von der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, vom formellen Ende des Koreakriegs und vom Friedensnobelpreis. Doch in Hanoi hat der amerikanische Präsident erkennen müssen, dass es einfacher ist, ein bestehendes Atomabkommen wie jenes mit dem Iran zu zerreissen, als ein neues auszuhandeln. Tausende Details müssen geklärt werden in jahrelanger, oft aufreibender diplomatischer Kleinarbeit. Das ist nichts für den Mann des schnellen Deals.

«Weiterhin gut befreundet»

Offenbar war Kim Jong-un nicht bereit, das Atomprogramm, die Lebensversicherung seines Regimes, ganz aufzugeben, ohne dass die USA alle ihre Sanktionen beseitigen. Doch zu dieser Konzession liess sich Trump nicht hinreissen. Dabei dürfte die Versuchung bestanden haben, einen Coup zu landen, den er als Erfolg hätte verkaufen können, da er zu Hause in Bedrängnis gerät. Genau das hatte man in Washington, aber auch in Seoul und Tokio und selbst in Trumps eigener Regierung im Vorfeld des Gipfels befürchtet. Dafür hat der US-Präsident nun die Realität der internationalen Politik kennen gelernt. Deshalb hat das Scheitern des Gipfels von Hanoi etwas Gutes.

Trump und sein Lieblingsdiktator sind ausserdem noch keine geschiedenen Leute, der US-Präsident betont, er sei «weiterhin gut befreundet» mit Kim. Aber die Flitterwochen der beiden sind vorbei. Donald Trump ist jetzt dort angekommen, wo auch seine Vorgänger stecken geblieben sind im Umgang mit Nordkorea. Jene Vorgänger, die er bis anhin verhöhnt hat.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt