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Die Realität schlägt bei Donald Trump zurück

Niemand lügt so schamlos wie der US-Präsident. Doch nun muss auch er sich der Wahrheit beugen.

Man kann sich die Welt nicht beliebig zurechtlügen: Donald Trump an einer Sitzung zum Coronavirus im White House in Washington D.C. am 17. März 2020. Foto: Leah Millis (Reuters)
Man kann sich die Welt nicht beliebig zurechtlügen: Donald Trump an einer Sitzung zum Coronavirus im White House in Washington D.C. am 17. März 2020. Foto: Leah Millis (Reuters)

Es ist eine dramatische Kehrtwende, die Donald Trump am Montag gemacht hat – und sie ist, in einer an dramatischen Kehrtwenden nicht eben armen Präsidentschaft, einzigartig. Als vergangene Woche die Warnungen vor der heranrollenden Pandemiewelle immer eindringlicher wurden, liessen sich Trump und seine republikanischen Fans wenig beeindrucken. Sie zeigten denselben Umgang mit missliebigen Fakten wie immer: verharmlosen, anderen die Schuld zuschieben, von Fake News reden oder lügen. Noch letzte Woche, als Trump sich aus dem Oval Office direkt an die Nation wandte, griff er auf seine bewährten Rezepte zurück: Er blieb vage, machte widersprüchliche und falsche Angaben.

So behauptete er fälschlicherweise, die Einreisesperre für Europäer gelte neben Personen auch für Güter. Bis jetzt konnten ihm solche Fehler seltsamerweise nicht schaden. Diesmal ist es anders. Noch während er versicherte, es sei alles unter Kontrolle, stürzte die Börse ins Bodenlose.

Als der Präsident sich am Montag erneut an seine Landsleute wandte, schien das Unmögliche wahr geworden: Donald Trump musste sich der Realität beugen. Er erklärte den nationalen Notstand und rief seine Landsleute dazu auf, zu Hause zu bleiben. Was Kinder schon im Schulalter lernen, scheint nun auch beim amerikanischen Präsidenten angekommen zu sein: Man kann sich die Welt nicht beliebig zurechtlügen.

Trumps notorische Verweigerung der Fakten liess die Börse abstürzen, und diese Sprache versteht sogar er.

Nun ist es ja nicht so, dass andere Politiker überall auf der Welt die Lage nicht auch unterschätzt hätten und ihre Aussagen laufend anpassen mussten. Aber niemand hat so blank gelogen, so kopflos agiert. Trumps notorische Verweigerung der Fakten liess die Börse abstürzen, und diese Sprache versteht sogar er. Seine Kehrtwende brachte auch seine republikanische Entourage, seine zahlreichen Fans und Bewunderer in Zugzwang. Allen voran den Haussender Fox News.

Eine ganze Reihe von Fox-News-Moderatoren hat am Montag dieselbe Kehrtwende vollzogen. Noch letzte Woche schäumten sie auf ihrem Sender, das Virus sei harmlos, das Ganze Panikmache, ein Versuch der Demokraten, den Präsidenten zu schwächen. Nun tönt es auch auf Fox News ganz anders.

Die Moderatoren überbieten sich in eindringlichen Appellen: Das Coronavirus sei sehr wohl gefährlich und verbreite sich unkontrolliert auf der ganzen Welt. Es sei nun wesentlich, dass man sich der Krise wegen adäquat verhalte. Jeder müsse Verantwortung übernehmen, dass sich das Virus nicht weiter verbreite. So dramatisch die Situation ist – einer gewissen Genugtuung kann man sich angesichts solcher Szenen nicht erwehren. Ihr dachtet, ihr könnt euch die Welt zurechtbiegen, ganz wie es euch gefällt? Denkt noch einmal darüber nach.

Allerdings geschieht dies nun vor dramatischen Aussichten, die auch für Trump noch unabsehbare Konsequenzen haben dürften. Diesmal wird er Verantwortung übernehmen müssen, wie sich bereits an gewissen Reaktionen zeigt.

«Einfach nur stumm den Kopf zu schütteln und die Augen zu verdrehen, reicht da nicht»

Stephen Lynch, Repräsentant aus Massachusetts

So musste sich der Immunologe Anthony Fauci, der den Präsidenten in der Corona-Krise berät, von Stephen Lynch, Repräsentant aus Massachusetts, in einem öffentlichen Hearing eine unangenehme Frage gefallen lassen: Am 6. März habe der Präsident bei einer Pressekonferenz den Leuten in seinem District versichert, es lägen Gesichtsmasken für sie bereit. Aber es gebe keine Gesichtsmasken. Und er, Fauci, sei daneben gestanden, als er das sagte, und habe nichts gesagt. «Wir brauchen Ehrlichkeit in einer solchen Situation. Man muss gegen so etwas Stellung beziehen. Von Beamten des Gesundheitswesens erwarte ich das. Einfach nur stumm den Kopf zu schütteln und die Augen zu verdrehen, reicht da nicht», so Lynch.

Die Aufforderung, die Wahrheit zu sagen und dafür einzustehen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Aber in Trumps Amerika tönt es schon fast wie eine Aufforderung zur Rebellion, wenn jemand sagt, man müsse gegen die Lügen des Präsidenten aufstehen.

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