Donald Trumps hochriskante Aussenpolitik nach Bauchgefühl

Die Irankrise zeigt, wie gefährlich die ständige Suche des US-Präsidenten nach dem Superdeal ist.

Hier dreht einer am Lenkrad, der von Tuten und Blasen wenig Ahnung hat: US-Präsident Donald Trump. Foto: Keystone

Hier dreht einer am Lenkrad, der von Tuten und Blasen wenig Ahnung hat: US-Präsident Donald Trump. Foto: Keystone

Martin Kilian@tagesanzeiger

Er schleudert kreuz und quer übers aussenpolitische Terrain, ein Präsident ohne Grundwissen, aber stets darauf bedacht, grandios die Hauptrolle zu spielen. Allenthalben hakt es inzwischen: Donald Trump hätschelt Kim Jong-un, einem Liebesverhältnis gleicht seine Zuneigung zum nordkoreanischen Gewaltherrscher, ohne dass sich bislang etwas Greifbares daraus ergeben hätte.

Was die taumelnden Nationen im zentralamerikanischen Hinterhof der USA betrifft, bräuchte es eine neue Version eines Marshallplans, um den Massenexodus verzweifelter Migranten Richtung Rio Grande zu stoppen. Stattdessen streicht Trump den verarmten Nachbarn die Hilfsgelder und sperrt ihre eingewanderten Kinder in brutale Lager längs der US-Südgrenze ein. Das Problem wird nicht gelöst, sondern über Zeit noch schlimmer werden.

Lügen wie am Fliessband

Das bisher alarmierendste Beispiel für Donald Trumps impulsive und abenteuerliche Aussenpolitik aber liefert die Irankrise. Natürlich ist es begrüssenswert, dass Trump vergangene Woche eine militärische Eskalation zehn Minuten vor Beginn stoppte – wenn es denn wirklich so war! –, aber hineinmanövriert in die zusehends prekäre Situation hat dieser Präsident sich selbst.

Trump stieg aus dem Atomdeal aus und heuerte Hardliner an wie seinen kriegslüsternen Sicherheitsberater John Bolton und den wirren Chefdiplomaten aus Kansas, Mike Pompeo. Der Aussenminister verlangt nichts weniger von Teheran als eine bedingungslose Kapitulation, und Bolton juckt es seit Jahren, die Ayatollahs notfalls mit kriegerischen Mitteln abzuräumen. Dasselbe Ziel dürfte auch die angestrebte weltweite Koalition gegen den Iran haben. Pompeo sprach am Sonntag von «einer Koalition, die sich nicht nur über die Golfstaaten erstreckt, sondern auch über Asien und Europa». Diese solle bereit sein, den «grössten Sponsor des Terrors auf der Welt» zurückzudrängen.

Was am vergangenen Donnerstag wirklich geschah und ob Trump den bereits anlaufenden Militärschlag gegen die Ayatollahs wirklich aus humanitären Erwägungen abblies, bleibt vorerst unergründlich. Trump lügt bekanntlich wie am Fliessband, und überhaupt sollte seit dem Debakel des herbeigelogenen Irakkriegs niemand den Betreibern der amerikanischen Aussenpolitik blindlings Glauben schenken.

Es lässt sich indes festhalten, dass hier einer am Lenkrad dreht, der von Tuten und Blasen nur wenig Ahnung hat. Trump, der Dilettant, betreibt eine Aussenpolitik der Improvisation, die vielleicht glimpflich enden wird, vielleicht aber auch nicht.

Aussenpolitik wird so zur rein persönlichen Angelegenheit, dirigiert vom «Bauchgefühl» des Präsidenten und seinen Instinkten.

Der Präsident mag sich in seiner Feldherrenrolle gefallen, seine Aussenpolitik aber verrät die Ignoranz eines Überfliegers, dem Briefings lästig sind und die Welt ausserhalb der US-Grenzen ein Buch mit sieben Siegeln ist. Nicht die facettenreiche und oft komplizierte Beziehung zwischen zwei Nationen zählt, sondern Trumps Verhältnis zum jeweiligen Gegenüber.

Aussenpolitik wird so zur rein persönlichen Angelegenheit, dirigiert vom «Bauchgefühl» des Präsidenten und seinen Instinkten und eingebettet in die permanente Suche nach einem «Super-Deal», der alle Probleme aus der Welt schafft und Trump sodann den Friedensnobelpreis einträgt. Allein, es klappt nicht. «Zu sagen, dies sei die Stunde der Amateure, wäre eine Beleidigung für Amateure», äusserte sich denn auch der bissige Trump-Kritiker George Conway, Ehemann von Präsidentenberaterin Kellyanne Conway, über das Chaos der Trump’schen Iranpolitik.

Wehe, wenn ein demokratischer Präsident so gehandelt hätte wie dieser republikanische Präsident! Laut würden die republikanischen Granden im Kongress und ihre Hilfskolonne in US-Medien aufheulen, bitter würden sie die verlorene Glaubwürdigkeit der Weltmacht beklagen. Erst mit Vergeltung für den Abschuss einer US-Drohne zu drohen, nur um den Prügel wieder einzupacken, würde als Skandal sondergleichen empfunden.

Bei Donald Trumps Faxen bleibt das konservative Lager hingegen still. Es rührt sich auch dann nicht, wenn der Präsident von einem Extrem zum anderen taumelt, Teheran mal mit dem historisch belasteten Wort «Auslöschung» droht, um danach zu säuseln, er wolle dem Iran doch lediglich wieder zu «Grösse» verhelfen.

Die Gefahr ist noch nicht überstanden

Zu danken ist Tucker Carlson, Moderator bei Fox News und jemand, auf den Trump hört, denn es war Carlson, der dem Präsidenten eindringlich abriet, einen Krieg gegen Teheran anzuzetteln. Carlson hat der Welt, vor allem aber Donald Trump, damit einen Dienst erwiesen. Trumps Chancen einer Wiederwahl 2020 würde ein Waffengang mit dem Iran erheblich mindern, wenngleich John Bolton und Mike Pompeo und ihr Tross in konservativen Medien und Denkfabriken anderer Ansicht sein mögen.

Überstanden ist die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung keineswegs: Die Scharfmacher werden dem selbstverliebten Präsidenten weiterhin einflüstern – und Trump gewiss daran erinnern, was 2002 vor George W. Bushs Intervention im Irak in Washington die Runde machte: «Nach Bagdad wollen alle, wahre Männer aber wollen nach Teheran.» Fiele Donald Trump darauf herein, wäre es keine Überraschung.

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