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Eine Milliarde Dollar verschwindet – und die US-Regierung schaut weg

Jahrelang hat ein hoher US-Beamter nach verschwundenen Hilfsgeldern im Irak gefahndet. Er stiess auf einen gewaltigen Schatz – doch seine Ermittlungen wurden von höchster Stelle unterbunden.

Im Jahr 2003 waren es Paletten mit 100-Dollar-Noten, im Jahr 2014 Hilfsgüter: Die Besatzung einer C-17 bereitet den Abwurf von Wasserpaketen über dem Irak vor. (30. August 2014)
Im Jahr 2003 waren es Paletten mit 100-Dollar-Noten, im Jahr 2014 Hilfsgüter: Die Besatzung einer C-17 bereitet den Abwurf von Wasserpaketen über dem Irak vor. (30. August 2014)
Keystone

Mehr als eine Milliarde Dollar aus Fonds zum Wiederaufbau des Irak sind gestohlen und in einem Bunker im Libanon versteckt worden, wie die «New York Times» schreibt. Autor des Berichts ist der zweifache Pulitzer-Preis-Gewinner James Risen. Er beruft sich auf die Aussagen eines hohen US-Beamten. Stuart W. Bowen beaufsichtigte von 2004 bis 2013 die Verwendung der Milliarden an Wiederaufbauhilfe, die nach dem Krieg aus den USA in den Irak geschickt worden sind.

Demnach wurden ab Ende 2003, kurz nach dem Ende von Saddam Husseins Herrschaft, innert eineinhalb Jahren zwischen 12 und 14 Milliarden Dollar per Luftbrücke nach Bagdad geflogen. Ganze Paletten mit 100-Dollar-Noten wurden auf die Andrews Air Force Base in der Nähe von Washington transportiert und von da mit C-17-Transportflugzeugen in den Irak gebracht. Die Mittel stammten aus Konten des alten irakischen Regimes in den USA, und ihre schnelle Übermittlung sollte einen vollständigen Kollaps der irakischen Wirtschaft verhindern.

Risen beschreibt diese Zeit als sehr chaotisch. Es sei deshalb unklar, was genau mit den Milliarden aus den Flugzeugen passiert sei, nachdem sie in Bagdad eingetroffen waren. Die Rekonstruktion der Wege dieser Gelder sei die erste Aufgabe von Bowen im Irak gewesen. Und sie sei zu seiner Obsession geworden.

Kein Gehör bei Bush wie auch bei Obama

Ein grosser Teil des Geldes sei tatsächlich in irgendeiner Form von der neuen irakischen Regierung verwendet worden, wird Bowen zitiert. Mehrere Milliarden blieben aber unauffindbar. Bis seinen Ermittlern schliesslich ein Durchbruch gelang. 2010 bekamen sie einen Tipp, dass zwischen 1,2 und 1,6 Milliarden Dollar aus dem Irak in einen Bunker im ländlichen Libanon gebracht worden waren. Er wisse nicht, wie das Geld dorthin gelangt sei, sagte Bowen zur «New York Times». «Wenn ich das wüsste, wäre ich in diesem Fall weiter gekommen.»

Jahrelang hatte Bowen geschwiegen. Doch jetzt ist er an die Öffentlichkeit gegangen. Aus Frust über den Umgang der US-Regierung mit dem Fall – sowohl unter Bush als auch unter Obama. Seine Berichte, dass Milliarden an Aufbauhilfe im Irak verschwanden, seien nicht weiterverfolgt worden. Genauso wenig wie die Spur zum Bunker im Libanon. Auch den langjährigen irakischen Premier Nouri al-Maliki habe er vergeblich informiert. Schliesslich wurde auch eine offizielle Reise von Bowen in den Libanon von der dortigen US-Botschaft unterbunden.

Bowens Büro im Irak wurde Ende 2013 geschlossen. Er selbst arbeitet inzwischen in der Privatwirtschaft. Er geht davon aus, dass grosse Teile des Geldes weiterverschoben wurden. Es sei unmöglich zu sagen, ob sich überhaupt noch etwas davon in diesem Bunker befinde. Die angefragten US-Behörden wollten den Fall gegenüber der «New York Times» nicht kommentieren.

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