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Eine Skizze führt zur NSA-Beschnüffelung

Neuer Höhepunkt im NSA-Skandal? Der US-Geheimdienst soll sich laut «Washington Post» Zugriff auf Datennetze von Google und Yahoo verschafft haben. Ein NSA-Mitarbeiter skizzierte das System.

Wie viel gelangt von hier zum US-Geheimdienst? Google-Rechenzentrum im finnischen Hamina. (Archivbild)
Wie viel gelangt von hier zum US-Geheimdienst? Google-Rechenzentrum im finnischen Hamina. (Archivbild)
Keystone

Der US-Geheimdienst NSA verschafft sich nach Informationen der «Washington Post» heimlich Zugriff auf die internen Datennetzwerke der Internetkonzerne Yahoo und Google. Damit könne die NSA die E-Mail-Kommunikation von Hunderten Millionen Menschen weltweit ausspähen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Auch US-Bürger seien von dem Überwachungsprogramm mit dem Namen «Muscular» betroffen.

Die NSA betreibt Muscular den Angaben zufolge gemeinsam mit dem britischen Partnerdienst GCHQ. Das Programm zapfe die Verbindungen zwischen in aller Welt verteilten Rechenzentren an, schrieb die «Washington Post» auf ihrer Internetseite. Anders als beim im Juni enthüllten Spähprogramm Prism, bei dem Internetunternehmen durch geheime Gerichtsbeschlüsse zur Weitergabe von Daten verpflichtet werden, soll die Überwachung im Fall von Muscular ohne das Wissen der Konzerne stattfinden.

«Ungewöhnlich aggressives» Spionagewerkzeug

Die Zeitung zitiert ein vertrauliches NSA-Dokument vom 9. Januar 2013, dem zufolge in den 30 vorangegangenen Tagen etwa 181 Millionen Datensätze gesammelt worden seien. Dabei hätten NSA und GCHQ sowohl Absender- und Empfängerdaten von E-Mails als auch Text-, Video- und Audiodateien abgegriffen. Die betroffenen Rechenzentren sollen sich den Angaben zufolge alle ausserhalb der USA befinden. Dies gebe den Geheimdiensten einen grösseren rechtlichen Spielraum, schrieb die «Washington Post».

Die Zeitung beschrieb Muscular als «ungewöhnlich aggressives» Spionagewerkzeug. Die NSA hat offenbar die internen Datenautobahnen von Yahoo und Google als Schwachstelle identifiziert. Beide Konzerne unterhalten massive Datenspeicher auf vier Kontinenten, die über Glasfaserleitungen verbunden sind. Dabei werden bisweilen ganze E-Mail-Archive, die Nachrichten und Anhänge mehrerer Jahre umfassen, zwischen den Rechenzentren hin- und hergeschoben.

Die «Washington Post» veröffentlichte eine handgemalte Skizze eines NSA-Mitarbeiters, auf der ein Knotenpunkt zwischen dem öffentlichen Internet und dem internen Google-Netzwerk zu sehen ist – hier schlagen die Geheimdienste den Angaben zufolge mithilfe eines nicht genannten Internetanbieters zu. Der Mitarbeiter kennzeichnete die Stelle mit einem Smiley. Anschliessend würden die Daten für drei bis fünf Tage gespeichert und systematisch nach bestimmten Suchbegriffen durchkämmt.

NSA-Chef Keith Alexander wies die neuen Vorwürfe gegen seinen Geheimdienst zurück. «Meines Wissens hat das nie stattgefunden», sagte er vor Journalisten in Washington. Bereits im Juni habe es «faktisch inkorrekte» Berichte gegeben, dass sich die NSA heimlich in die Server von Yahoo oder Google einklinke. Der Geheimdienst handle auf Grundlage von «Gerichtsbeschlüssen» und würde nie in «irgendwelche Datenbanken einbrechen», beteuerte Alexander.

Yahoo erklärte lediglich, das Unternehmen habe zur Sicherheit seiner Rechenzentren «strenge Kontrollen» eingeführt. «Wir haben weder der NSA noch anderen Regierungsbehörden Zugang zu unseren Rechenzentren gegeben», hiess es in der Stellungnahme. Google teilte mit, in die angebliche Überwachung nicht verwickelt zu sein. «Wir machen uns seit langem Sorgen über die Möglichkeit dieser Art des Ausspähens», erklärte der Leiter der Rechtsabteilung des Konzerns, David Drummond. «Wir sind empört darüber, wie weit die US-Regierung anscheinend gegangen ist, um Daten von unseren privaten Glasfasernetzen abzufangen.»

Die NSA steht wegen einer Reihe von Spähaktivitäten in der Kritik, die seit dem Frühsommer durch die Snowden-Dokumente ans Tageslicht kamen. Der US-Geheimdienst soll auch die Kommunikation von etwa 35 internationalen Spitzenpolitikern überwacht haben, darunter das Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Snowden hält sich derzeit in Russland auf, das ihm für ein Jahr politisches Asyl gewährte.

SDA/mrs/kle

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