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Eineinhalb Stunden Zeit, aus der Rolle zu fallen

Bush senior sah auf die Uhr, Al Gore seufzte und Nixon wirkte müde: Die Fernsehdebatten können den amerikanischen Wahlkampf entscheiden. Am Mittwoch müssen Romney und Obama ran.

Nicht nur Worte entscheiden den Ausgang der Fernsehdebatten im amerikanischen Wahkampf. 1992 sieht Präsident George Bush senior während der Debatte mit seinen Herausforderern Ross Perot (hinten) und Bill Clinton (nicht im Bild) auf seine Uhr.
Nicht nur Worte entscheiden den Ausgang der Fernsehdebatten im amerikanischen Wahkampf. 1992 sieht Präsident George Bush senior während der Debatte mit seinen Herausforderern Ross Perot (hinten) und Bill Clinton (nicht im Bild) auf seine Uhr.
Keystone
1960 wirkt Vizepräsident Richard Nixon (links) neben Senator John Kennedy (rechts) blass und angespannt.
1960 wirkt Vizepräsident Richard Nixon (links) neben Senator John Kennedy (rechts) blass und angespannt.
Keystone
Hat sich auch bereits einige Fehltritte geleistet, konnte sich aber gegen seine Parteikollegen behaupten: Mitt Romney, hier in einer Debatte mit Newt Gingrich im internen Wahlkampf der Republikaner.
Hat sich auch bereits einige Fehltritte geleistet, konnte sich aber gegen seine Parteikollegen behaupten: Mitt Romney, hier in einer Debatte mit Newt Gingrich im internen Wahlkampf der Republikaner.
Keystone
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Beim live übertragenen Schlagabtausch werden sie austeilen und einstecken: Am Mittwoch treten Amtsinhaber Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney zu ihrer ersten Fernsehdebatte des US-Präsidentschaftswahlkampfes an. Es ist das erste von insgesamt drei Duellen, das entscheidende Momente hervorbringen könnte. Gerade die Unberechenbarkeit des Live-Events macht es für Millionen Zuschauer attraktiv. Eineinhalb Stunden dauert der Zweikampf und bietet damit genug Zeit, um aus der Rolle zu fallen.

«Wenn es einen Moment gibt, in dem wir die echten, wahren und authentischen Kandidaten zu sehen bekommen, dann während der Debatten», sagt Mitchell McKinney, Professor an der Universität von Missouri, der den Präsidentschaftswahlkampf untersucht.

Kennedy wirkte entspannter

Dabei müssen Kandidaten nicht einmal etwas sagen, um ein prägendes Bild zu hinterlassen. Ein leicht gelangweilt aussehender Expräsident George Bush, der Ältere, blickte auf seine Uhr. Der demokratische Anwärter Al Gore seufzte oft und laut.

Richard Nixon wirkte angespannt und müde neben einem entspannten und gut gebräunten John F. Kennedy während der allerersten Fernsehdebatte 1960. «Die Leute erinnern sich an so etwas. Und die Presse hilft nach, indem sie die Eindrücke ein ums andere Mal wiederholt», sagt der ehemalige Wahlkampfberater von Al Gore, Tad Devine.

Auf Fehltritte lauern

Obama und Romney kennen die Gefahren. Romney machte den Fehler, dass er während der Vorwahlen der Republikaner anbot, eine seiner Aussagen mit einer Wette um 10'000 Dollar zu untermauern. Er unterstrich damit sein grosses Privatvermögen und trieb möglicherweise einen Keil zwischen sich und den einfachen Wähler.

Während der Vorwahlen der Demokraten 2008 bediente Obama Vorurteile, er sei arrogant und abgehoben. «Du bist ja ganz sympathisch Hillary», entgegnete er seiner damaligen Konkurrentin Hillary Clinton in einem etwas abschätzigen Ton.

Auch in diesem Wahlkampf lauern beide Seiten unermüdlich auf den möglicherweise entscheidenden Fehltritt des Gegners. Romney leistete sich bereits einen Fauxpas. In einem Videomitschnitt einer privaten Wahlveranstaltung in Florida war zu hören, wie er von 47 Prozent der Amerikaner sprach, die keine Steuern zahlten und sich auf staatliche Unterstützung verliessen. Sie würden Obama wählen, komme, was wolle.

Dennoch warnte das Wahlkampfteam von Obama in einem am Freitag veröffentlichten Memo, dass Romney «ein gut vorbereiteter, disziplinierter und aggressiver Debattengegner» sein werde.

Punkten mit Rhetorik und Humor

Wie man mit simpler Rhetorik und Witz punktet, machte allen voran Ronald Reagan klar. 1980 behauptete er sich gegen Jimmy Carter mithilfe einer einfachen Frage ans Publikum: «Sind Sie heute besser dran als vor vier Jahren?».

Bei einer Debatte 1984 legte Reagan eine recht wackelige Vorstellung hin, die Zweifel aufwarf, ob der damals 73-Jährige fit genug für eine zweite Amtszeit sei. Reagan entschärfte die Situation im zweiten Anlauf, indem er gespielt grossspurig verkündete, er werde Alter nicht zum Wahlkampfthema machen und «die Jugendlichkeit und Unerfahrenheit meines Gegners nicht zu politischen Zwecken ausschlachten».

Selbst sein Gegner Walter Mondale konnte sich das Lachen nicht verkneifen und räumte später ein, in dem Moment sei der Wahlkampf vorüber gewesen.

Einzig Innenpolitik zum Thema

Die Themen der ersten TV-Debatte zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney sind seit Wochen genau festgelegt. Es geht ausschliesslich um Innenpolitik.

Eindeutiger Schwerpunkt am 3. Oktober ist das Thema Wirtschaft. Die beiden Redner werden vor allem erläutern, wie sie die flaue US-Konjunktur in Schwung bringen und die hohe Arbeitslosigkeit senken wollen.

Ein weiteres Thema ist die Rolle der Regierung. Im Zentrum steht der Streit, wie viel Kompetenzen und Gestaltungsmöglichkeiten der Staat haben soll. Romney plädiert für eine «kleine Regierung» und wirft Obama vor, er wolle einen Sozialstaat nach europäischem Muster.

Der dritte Schwerpunkt ist das Reizthema Gesundheitsreform – das wichtigste Reformwerk Obamas in vier Jahren Amtszeit. Das Gesetz sieht im Kern vor, dass jeder Amerikaner krankenversichert sein muss. Romney lehnt die Reform ab und will sie kippen, falls er Präsident werden sollte.

Die Themen der zweiten Debatte am 16. Oktober lassen sich nur schwer voraussagen. Denn es handelt sich um ein Town-Meeting, eine Art Bürgertreffen, bei dem die Zuschauer die Fragen stellen. Das dritte und letzte TV-Duell am 22. Oktober soll dagegen ganz im Zeichen der Aussenpolitik stehen.

SDA/mw

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