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Einst im Trump Tower, nun vor Gericht

Paul Manafort war Wahlkampfchef des US-Präsidenten. Heute beginnt gegen ihn ein Strafverfahren wegen Finanzdelikten.

Pflegte einen Ausschweifenden Lebensstil: Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort. Video: Tamedia/Reuters

Es ist nicht so lange her, da führte Paul Manafort ein sehr bequemes Leben. Er wohnte in grossen Häusern in Manhattan und in Palm Beach. An den Wochenenden fuhr er gerne in sein Anwesen in den Hamptons. Seine massgeschneiderten Anzüge kaufte er vorzugsweise in Beverly Hills, wo er einmal bei einem einzigen Besuch in einer Boutique 130’000 Dollar liegen liess. Zum Luxus kam der Einfluss: Manafort war ein gefragter Berater in Washington und im Ausland. So gefragt, dass er zwischenzeitlich die Wahlkampagne leitete, die Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten machte.

Die vergangenen Wochen waren für den 69 Jahre alten, stets sorgfältig frisierten Lobbyisten allerdings weniger bequem. Er verbrachte sie in einem Gefängnis in Alexandria, wo er, wie alle anderen Insassen, einen dunkelgrünen Overall trug und morgens um 5 Uhr aufwachte, wenn in der Zelle das Licht anging. Dort wartete er auf den Gerichtsprozess, der heute Dienstag gegen ihn beginnt. Es ist der erste Prozess, der aus der Unter­suchung des Sonderermittlers Robert Mueller hervorgeht, und entsprechend gross ist das Interesse an dem Fall.

Ein Urteil mit Signalwirkung

Zur Last gelegt werden Manafort verschiedene Finanzdelikte, die alle aus seinen früheren Tätigkeiten als Berater und Lobbyist stammen, vor seinem Engagement bei Trump. Um die Frage, ob sich Trumps Team während der Präsidentschaftskampagne 2016 mit russischen Agenten ­abgesprochen hat, wird es im Prozess nicht gehen.

Die demokratische Politikerin Sheila Jackson Lee zeigt während einer Anhörung das Polizeifoto von Paul Manafort. (Foto: Getty)
Die demokratische Politikerin Sheila Jackson Lee zeigt während einer Anhörung das Polizeifoto von Paul Manafort. (Foto: Getty)

Doch das Urteil der Geschworenen dürfte einen Einfluss darauf haben, wie die amerikanische Öffentlichkeit die Mueller-Untersuchung bewertet. Ein Schuldspruch für Manafort würde die Glaubwürdigkeit der Untersuchung stärken. Ein Freispruch hingegen wäre ein Erfolg für jene Verteidiger Trumps, die darin eine ausschliesslich politisch motivierte Aktion sehen.

«Sie haben verdammt nochmal nichts in der Hand.»

Rudy Giuliani

Von einer «Hexenjagd» spricht vor allem der Präsident selbst. Übers Wochenende steigerte Trump seine Angriffe auf Mueller über Twitter ein weiteres Mal. Dessen Untersuchung sei eine «illegale Masche», die darin gründe, dass er, Trump, Muellers Bewerbung für den Posten als FBI-Direktor abgelehnt habe. Rudy Giuliani, der Anwalt des Präsidenten, rief Mueller in mehreren Interviews dazu auf, seine Ermittlungen abzuschliessen: «Sie haben verdammt nochmal nichts in der Hand.»

Nun also der Prozess gegen Manafort. Die lange Liste von Anklagepunkten betrifft hauptsächlich die Zeit, in der er als Berater für den früheren ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch tätig war. 60 Millionen Dollar soll Manafort mit dem Mandat verdient haben. Ab 2006, so die Anklage, habe er damit ­begonnen, einen Grossteil dieses Gelds auf Offshore-Konten vor den US-Steuerbehörden zu verstecken. Nachdem der russlandfreundliche Janukowitsch im Zug der Maidan-Revolution 2014 aus dem Amt gejagt wurde, versiegte diese Einnahmequelle. Um seinen ausschweifenden Lebensstil weiterhin finanzieren zu können, habe sich Manafort mit Bank­betrug beholfen, so die Anklage weiter. Bei einem Schuldspruch droht ihm eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe. Er bestreitet die Vorwürfe.

Das Kalkül der Ermittler

Von den 32 Personen, die Mueller bisher angeklagt hat, ist Manafort die erste, die es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lässt. Bei den meisten Angeklagten handelt es sich um russische Staatsbürger, die sich nicht in den USA befinden. Andere Angeklagte, darunter Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn, haben sich geringerer Vergehen schuldig be­kannt und kooperieren seither mit Mueller. Auch Manaforts frühere rechte Hand, Rick Gates, legte im Februar ein Geständnis in mehreren Punkten ab. Er wird wohl während des Prozesses gegen seinen ehemaligen Chef aussagen.

Für seine Verteidiger ist Trumps früherer Wahlkampfmanager ein Opfer von Muellers breit angelegter Ermittlung. Indem Mueller möglichst viel Druck auf Manafort mache, wolle er ihn dazu bringen, doch noch mit ihm zu kooperieren. Auch der Richter im heute beginnenden Prozess schien diesen Verdacht zu haben. «Sie interessieren sich gar nicht für Manaforts Bankbetrug», sagte Thomas Selby Ellis III den Staatsanwälten bei einer Sitzung im Vorfeld, in der es um die Zulassung von Beweismitteln ging: «Sie interessieren sich bloss dafür, was Manafort Ihnen geben könnte, das zu einer Anklage oder einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump führen könnte.»

Der Prozess in Alexandria ist auf drei Wochen angesetzt. Im September muss sich Manafort zudem in Washington einem zweiten Verfahren stellen, in dem es um Geldwäsche und um nicht deklarierte Lobbyarbeit für ausländische Interessen geht.

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