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Das bittere Ende der einstigen Favoritin Elizabeth Warren

Ihre Pläne machten die Senatorin zum Star der Demokraten. Doch gegen ihren Niedergang hatte sie kein Rezept. Nun gibt die letzte Frau im Rennen auf.

Elizabeth Warren am 1. März in Selma, Alabama. Photo: Butch Dill (Keystone)
Elizabeth Warren am 1. März in Selma, Alabama. Photo: Butch Dill (Keystone)

Als es für Elizabeth Warren noch gut lief, wurde sie von ihren Anhängern für ihren Slogan gefeiert: «I have a plan for that». Warren hatte für jedes Thema einen Plan, und in der Regel war dieser Plan sehr progressiv und sehr detailliert. Sie sprach stets von den «grossen Ideen» und dem «strukturellen Wandel», den das Land als Antwort auf Donald Trump brauche. Das machte sie zu einer Favoritin im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur.

Bestimmt hatte die Senatorin auch einen Plan dafür, wie sie diese Kandidatur gewinnen wollte. Doch an der Umsetzung ist sie gescheitert. Am Donnerstag kämpfte die 70-Jährige mit den Tränen, als sie vor ihrem Haus bei Boston bekannt gab, dass sie ihren Wahlkampf aufgibt.

Es ist ein bitteres Ende für Warren – ein Ende, das sich nicht unbedingt abgezeichnet hatte. Noch im späten Herbst hatte sie die Umfragen unter den Demokraten angeführt. Zu ihren Auftritten kamen jeweils Tausende Anhänger. In den frühen Vorwahlstaaten verfügte sie über deutlich mehr Mitarbeiter als ihre Rivalen, und mit Ausnahme von Bernie Sanders konnte auch keine andere Bewerberin so viele Spenden entgegennehmen wie sie.

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Das Sexismus-Problem

Doch dann geriet sie verstärkt ins Visier ihrer Gegner, und ihre Unterstützung begann zu schwinden. Bei der ersten Vorwahl in Iowa landete sie zwar noch auf dem respektablen dritten Platz, aber besser wurde es für sie nicht mehr. Am Super Tuesday holte sie selbst in ihrem Heimatstaat Massachusetts weniger Stimmen als Joe Biden und Sanders.

Die frühere Harvard-Professorin galt in demokratischen Kreisen als eine der kompetentesten Bewerberinnen. Geschadet hat ihr nach der Ansicht vieler Kommentatoren, dass sie als Frau unter schärferer Beobachtung stand als ihre männlichen Konkurrenten. Als Frau sei ihr schon ihr Leben lang gesagt worden, sie sei zu laut und zu aggressiv, sagte Warren manchmal bei Wahlkampfauftritten.

Billionenträume

Schon früh wurde sie auch mit der gegen Trump unterlegenen Hillary Clinton verglichen, von der sie sich allerdings politisch unterscheidet. Anders als Clinton, die für den Inbegriff des demokratischen Establishments steht, stand Warren stets klar links. Der Kern ihres Programms war der Kampf gegen wirtschaftliche Ungleichheit und Korruption. Ihre populärste Forderung war jene nach einer Vermögenssteuer für Superreiche.

Ob sexistische Muster alleine Warrens Niedergang erklären, ist fraglich. Ein Wendepunkt in ihrem Wahlkampf war, als sie sich für die Einführung einer staatlichen Krankenversicherung für alle aussprach und dies mit der Abschaffung der privaten Krankenkassen verbinden wollte. Die Kosten dafür bezifferte sie mit 20 Billionen Dollar. Nach Kritik von moderaten Rivalen wie Pete Buttigieg versuchte sie, ihre Position abzuschwächen, was ihr wiederum bei linken Anhängern schadete. Zudem war Warren zwar stets sehr beliebt bei weissen Demokraten mit College-Abschluss, doch unter Schwarzen und Latinos sowie bei Arbeitern erreichte sie nie grossen Zuspruch.

Wen empfiehlt Warren zur Wahl?

Nach Warrens Rückzug steht die Frage im Raum, ob sie sich für einen der verbleibenden Kandidaten ausspricht. Sie habe sich noch nicht entschieden, sagte sie am Donnerstag, und sie werde sich dafür auch weiterhin Zeit nehmen. Sie führte sowohl mit Bernie Sanders wie auch mit Joe Biden Telefonate. Beide Männer hoffen, von Warren eine Wahlempfehlung zu erhalten, die den weiteren Verlauf des Wahlkampfs prägen könnte. An wen die Stimmen von Warrens Anhängern in den kommenden Vorwahlen gehen werden, ist schwierig zu sagen. In einer Umfrage des Instituts Morning Consult nannten 43 Prozent der Warren-Unterstützer als zweite Wahl Bernie Sanders, 36 Prozent tendieren danach zu Joe Biden.

Mit Sanders verbinden Warren viele politische Ziele, besonders, was die Wirtschaftspolitik betrifft. So fordern beide eine stärkere Regulierung und Zerschlagung von Big-Tech-Konzernen wie Facebook, Google und Amazon. Im Verlauf des Wahlkampfs wurde der Ton zwischen beiden Politikern allerdings gehässiger. Anhänger von Sanders warfen Warren zuletzt vor, dem linken Senators am Super Tuesday in mehreren Bundesstaaten entscheidende Stimmen weggenommen zu haben. Mit Biden verbindet Warren dagegen, dass beide in der Regierung von Barack Obama tätig waren: Er als Vizepräsident, sie als erste Chefin einer neu geschaffenen Konsumentenschutzbehörde für den Finanzsektor.

Sie habe Abschiede immer gehasst, sagte Warren, als sie ihren Mitarbeitern am Donnerstag eröffnete, dass sie ihren Wahlkampf einstelle. Aber sie habe gelernt, dass kaum ein Abschied für immer sei. Sie sei zwar nicht mehr Präsidentschaftskandidatin, aber der Kampf sei nicht zu Ende: «Wir werden weitermachen. Grosse Ideen sterben nie.»

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