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Fidel Castros Auferstehung

Zum Regieren ist Kubas Staatschef Fidel Castro nach wie vor zu krank. Er schreibt aber wieder Leitartikel.

Mehr als ein halbes Jahr sah es so aus, als wäre der Welt amtsältester Regierungschef nach seiner schweren Magen-Darm-Operation im vergangenen Sommer endgültig von der politischen Bühne abgetreten. Doch jetzt hat sich Fidel Castro zurückgemeldet. Innerhalb einer Woche erschienen in der «Granma», dem offiziellen Organ der kommunistischen Partei Kubas, gleich zwei von ihm gezeichnete Leitartikel.

In beiden ging er hart ins Gericht mit George W. Bush, dem er vorwarf, mit seiner Biotreibstoff-Offensive bewusst eine Hungersnot in Kauf zu nehmen. Der amerikanische Präsident möchte den Konsum von herkömmlichem Treibstoff in den USA in zehn Jahren um 20 Prozent verringern. Dabei setzt er vor allem auf die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und eine enge Kooperation mit Brasilien, das bei der Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr führend ist. Castro lehnt die neue Energiestrategie der USA vehement ab. Wenn aus Getreide wie Mais Treibstoff für Autos hergestellt werde, so kritisierte der Alt-Revolutionär, könne es zu schlimmen Engpässen bei der Lebensmittelversorgung in den Schwellenländern kommen.

Rätselraten um die Rückkehr

Im zweiten Beitrag kommentierte Castro auch die Festnahme der 15 britischen Soldaten im Persischen Golf. Er verglich den Vorfall mit einem Konflikt im Februar 1996, als die kubanische Regierung zwei Cessna-Flugzeuge von exilkubanischen Organisationen nach zwei Warnungen abschiessen liess, wobei bis heute umstritten ist, ob sich die Maschinen innerhalb oder ausserhalb des kubanischen Hoheitsgebietes befanden. Kuba sei damals genauso provoziert worden wie jetzt der Iran, schrieb Castro.

Der Máximo líder verliert in keinem der beiden Leitartikel ein Wort über seinen Gesundheitszustand. Seine Statthalter behandeln seine Krankheit ebenfalls weiterhin als ein Staatsgeheimnis; von ihnen ist nur immer wieder zu hören, dass Castros Genesung gute Fortschritte mache. Seit Ende Juli führt sein fünf Jahre jüngerer Bruder Raúl die Amtsgeschäfte. Fidel selbst war seither in der Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen. Er rief sich seinen Landsleuten nur hin und wieder mit Fernsehaufnahmen und Bildern in den Zeitungen in Erinnerung - und nun mit den beiden Leitartikeln. Will man Parlamentspräsident Ricardo Alarcón glauben, ist Fidel Castro fest entschlossen, sich im März des kommenden Jahres abermals zum Staatsoberhaupt wählen zu lassen. Unabhängige Beobachter bezweifeln jedoch, dass der 80-Jährige tatsächlich an die Macht zurückkehrt.

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