«Fox arbeitet nicht mehr für uns!»

Donald Trump und Fox News: Das war lange eine perfekte Symbiose. Zuletzt mehrten sich jedoch die Angriffe des Präsidenten. Was ist da los?

Trump-Unterstützer unter sich: Fox-TV-Reporter und Fans. Foto: Getty

Trump-Unterstützer unter sich: Fox-TV-Reporter und Fans. Foto: Getty

Alan Cassidy@A_Cassidy

Immer am frühen Morgen und am späteren Abend sind die Dinge noch in Ordnung. Wenn Donald Trump in der Residenz des Weissen Hauses als Erstes den Fernseher anstellt, sieht er bei Fox News ein Grüppchen von Moderatoren auf einem Sofa, das ihn in der Frühstückssendung «Fox and Friends» freundlich lächelnd in den Tag führt. Wenn er sich dann ab 20 Uhr wieder vor den Bildschirm setzt, sieht er ein paar weitere Moderatoren, die ihm in nun wütender Tonlage die Welt so schildern, wie er sie gerne hätte. Bei Tucker Carlson, Sean Hannity und Laura Ingraham ist Trump stets der erfolgreichste Präsident der Geschichte, Skandale in seiner Regierung gibt es nicht, und alle, die das anders sehen, sind Saboteure, Sozialisten, Feinde Amerikas.

Dazwischen aber, im Tagesprogramm von Fox, klingt es zunehmend auch mal anders. Das hat drei Gründe. Erstens beschäftigt der grösste Kabelsender der USA besonders am Vorabend durchaus einige Journalisten, die ihre Arbeit auch nach journalistischen Kriterien angehen. Zu ihnen gehören Shepard Smith und Chris Wallace. Smith zog schon vergangenen Herbst den Zorn Trumps auf sich, als er nach tagelangen hysterischen Warnungen des Präsidenten vor einer «Karawane» von Migranten sagte: «Es gibt keine Invasion. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.» Zweitens sitzen in den Studios von Fox zumindest tagsüber einige Kommen­tatoren, die sich über Trump ­kritisch äussern. Dazu gehört Donna Brazile, die frühere Interimschefin der Demokraten.

Trumps Ex-Sprecherin wechselt zu Fox News

Und dann ist da drittens die aktuelle Nachrichtenlage: Auch Fox kann den laufenden Wahlkampf der demokratischen Präsidentschaftskandidaten nicht einfach totschweigen. Das führt dazu, dass der Sender über Veranstaltungen der Bewerber berichtet – Trumps Gegnern also eine gewisse Plattform bietet. Zugleich lassen die Verantwortlichen auch wieder öfter demokratische Strategen und Funktionäre zu Wort kommen. All dies sorgt bei Trump für Ärger. «Wir müssen uns nach einem neuen Nachrichtenkanal umsehen», twitterte er am vergangenen Mittwoch. «Fox arbeitet nicht mehr für uns!»

92 Prozent seiner Interviews hat Trump gegenüber Fox News oder Fox Business gegeben.

Das war nicht das erste Mal, dass der Präsident seinen Lieblingssender öffentlich kritisierte – und dabei ein seltsames Medienverständnis zur Schau stellt. Der jüngste Ausbruch führte in anderen Medien zu aufgeregten Schlagzeilen: «Trump bricht mit Fox News», schrieb etwa das Onlinemagazin «Axios». Dass das wohl übertrieben ist, zeigte sich schon daran, dass Trump schon einen Tag nach seiner Kritik erneut ein Interview gab – diesmal der Radiosparte von Fox. Laut einer Zählung des linken Thinktanks Media Matters hat Donald Trump 92 Prozent seiner Interviews gegenüber Fox News oder Fox Business gegeben. Zwischen dem Sender und dem Weissen Haus besteht zudem ein reger Personalaustausch. Erst gerade gab Fox die Verpflichtung von Trumps Ex-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders bekannt.

Drohen mit der Konkurrenz

Tatsächlich will Trump wohl kaum den Bruch mit Fox – sondern noch mehr distanzlose und möglichst euphorische Berichterstattung. Davon haben bisher sowohl der Präsident wie auch Fox gut gelebt. Trump profitiert davon, dass der zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehörende Sender ein grosses Publikum erreicht, in fast 100 Millionen Haushalten ist er zu empfangen – wenn auch die tatsächlichen Zuschauerzahlen einiges geringer sind. Studien zeigen: Wer Fox schaut, ist tendenziell ein treuer Unterstützer des Präsidenten.

Umgekehrt hat Fox bereits vor vier Jahren erlebt, dass sich eine kritische Begleitung Trumps nicht unbedingt auszahlt. Vor der Präsidentschaftswahl 2016 beschäftigte der Sender noch eine Reihe von konservativen Kommentatoren, die sich laut gegen Trump stellten, und sie hatten mit Megyn Kelly eine Moderatorin, die zum Ziel hässlicher Attacken durch Trump wurde. Der Aufstieg der Trump-freundlichen rechten Internetplattform «Breitbart» war auch eine Folge dieser Umstände. Als sich Fox nach Trumps Wahl von dessen Kritikern trennte und sich uneingeschränkt hinter den Präsidenten stellte, büsste «Breitbart» an Reichweite und Bedeutung ein, dafür erreicht Fox nun mit seiner Website noch mehr Leute.

Womöglich hat Trump diese Geschichte im Hinterkopf, wenn er nun den rechten TV-Sender One America News Network (Oann) als Alternative zu Fox bewirbt, wie er das seit einigen Wochen tut. Der 2013 gegründete Sender gehört dem kalifornischen Multimillionär Robert Herring, und das Programm besteht zum Grossteil aus Cheerleadertum für den Präsidenten. Kein Wunder, hat Trump daran Freude. Er weiss aber wohl auch, dass die Reichweite von Oann begrenzt ist. Zu Fox ist er keine Alternative. Aber vielleicht taugt er dazu, Trumps eigentlichen Haussender zu disziplinieren.

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