Zum Hauptinhalt springen

«Gebete sind nicht genug»

Frustriert und enttäuscht zeigte sich US-Präsident Barack Obama nach dem Amoklauf in Oregon. Zum Täter werden immer mehr Details bekannt. Die Polizei fand bei ihm 13 Waffen.

Fordert schon lange schärfere Waffengesetze: US-Präsident Barack Obama nach seiner Rede in Washington. (1. Oktober 2015)
Fordert schon lange schärfere Waffengesetze: US-Präsident Barack Obama nach seiner Rede in Washington. (1. Oktober 2015)
Mandel Ngan, AFP

Bereits zum 15. Mal in seiner Amtszeit hat sich Barack Obama wegen einer Massenschiesserei an die Nation gewandt. «Wir stumpfen ab», warnte der US-Präsident und liess seinem Frust über die Waffengesetze freien Lauf. Er sei verärgert und betrübt, dass derlei Schiessereien mittlerweile «zu einer Art Routine» geworden seien.

«Wir können durchaus etwas dagegen tun, aber dafür müssen wir unsere Gesetze ändern.» In der Vergangenheit war der Präsident mit Initiativen für schärfere Waffengesetze immer wieder im Kongress gescheitert, wo vor allem die Republikaner nicht am in der Verfassung verankerten Recht auf Waffenbesitz rütteln wollen.

«Gebete sind nicht genug», mahnte Obama. Es dürfe nicht sein, dass jemand, der anderen Menschen schaden wolle, «so leicht» an Waffen komme. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton erklärte, es gehe «über ihre Vorstellungskraft hinaus, dass diese Massenmorde wieder und wieder geschehen». Sie sei überzeugt, «dass es einen Weg hin zu sinnvollen Waffenkontrollen gibt».

Republikanische Präsidentschaftsbewerber beteten für die Opfer, vermieden aber das Thema Waffengesetze: Der Ex-Gouverneur von Florida, Jeb Bush, sagte, er bete «für die Opfer und Familien, die von dieser sinnlosen Tragödie getroffen wurden». Sein Mitbewerber, der pensionierte Neurochirurg Ben Carson, erklärte, es werde «diejenigen geben, die Waffenkontrollen fordern». Dies sei aber nicht das Thema. Es gehe darum, psychische Störungen der Täter früher zu erkennen.

«Du wirst Gott in nur einer Sekunde sehen»

Der 26-jährige Schütze eröffnete am Donnerstagmorgen in einem Unterrichtsraum des Umpqua Community College in der Kleinstadt Roseburg das Feuer. Anschliessend ging er in weitere Räume und erschoss seine Opfer offenbar gezielt. Augenzeugen berichteten von erschütternden Szenen: Eine Kommilitonin sei aus dem Zimmer gelaufen, um zu sehen was los war, und direkt erschossen worden, sagte die Studentin Cassandra Welding dem Nachrichtensender CNN. «Dann haben wir die Türen verriegelt und das Licht gelöscht, wir waren alle so in Panik.»

Neun Menschen starben, sieben weitere wurden verletzt. Der Schütze kam später bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben. Bezirks-Sheriff John Hanlin erklärte, dass der Täter identifiziert worden sei, weigerte sich aber, dessen Namen zu veröffentlichen. «Sie werden mich nie diesen Namen sagen hören», sagte Hanlin. Er werde dem Täter nicht diese Ehre erweisen. US-Medien zufolge handelte es sich um Chris Harper Mercer, der kein Student der Hochschule war.

Der Vater einer Studentin sagte CNN, der Schütze habe die christlichen Studenten aufgefordert, aufzustehen und diese erschossen. «Er sagte, 'gut, weil Du Christ bist, wirst Du Gott in nur etwa einer Sekunde sehen'», sagte Stacy Boylan. Seine Tochter habe überlebt, weil sie sich totgestellt habe.

Todesschütze besass 13 Waffen und schusssichere Weste

Chris Harper Mercer besass 13 Waffen. Sechs davon habe die Polizei am Tatort entdeckt und sieben bei ihm zu Hause, sagte Celinez Nunez von der für Waffen und Sprengstoff zuständigen Bundespolizei ATF am Freitag. Ausserdem fand die Polizei neben seinem Gewehr am College eine schusssichere Weste und fünf Magazine. Bei ihm zu Hause entdeckten die Ermittler laut Nunez weitere Munition. Alle Waffen seien in den vergangenen drei Jahren legal gekauft worden.

Ob zwischen dem 26-jährigen Schützen und dem Umpqua Community College in der Kleinstadt Roseburg eine Verbindung bestand, sagte Polizeisprecher John Hanlin nicht. «Wir stehen mitten in diesen Ermittlungen.»

AFP/slw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch