Geheimdienst nimmt Guaidó-Stellvertreter fest

Venezuelas stellvertretender Parlamentspräsident ist in seinem Auto eingeschlossen und abgeschleppt worden.

Ins Gefängnis Helicoide gebracht: Das Auto mit dem eingeschlossenen Edgar Zambrano wird abgeschleppt. (8. Mai 2019)

Ins Gefängnis Helicoide gebracht: Das Auto mit dem eingeschlossenen Edgar Zambrano wird abgeschleppt. (8. Mai 2019)

(Bild: Keystone Miguel Gutierrez)

Nach dem gescheiterten Umsturzversuch in Venezuela ist nach Angaben der Opposition der stellvertretende Parlamentspräsident festgenommen worden. Beamte des Geheimdienstes Sebin hätten Edgar Zambrano am Mittwoch festgesetzt.

Er sei ins Gefängnis Helicoide in der Hauptstadt Caracas gebracht worden, teilte die Nationalversammlung gleichentags mit. Die Agenten hätten ihn in seinem Auto überrascht und in dem Fahrzeug abgeschleppt.

Zambrano selbst hatte kurz vor seiner Festnahme auf Twitter geschrieben, dass Agenten des Geheimdienstes Sebin sein Fahrzeug vor dem Sitz seiner Partei umstellt hätten. «Als wir uns geweigert haben auszusteigen, haben sie einen Kran geholt, um uns mit Gewalt direkt nach Helicoide (Geheimdienstzentrale) zu bringen.»

Gegen Zambrano werde wegen Vaterlandsverrats, Rebellion und Verschwörung ermittelt. Er war in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó, dem aus dem Hausarrest befreiten Oppositionsführer Leopoldo López und mehreren abtrünnigen Soldaten vor dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota in Caracas aufgetaucht und hatte das Militär dazu aufgerufen, sich auf die Seite der Opposition zu schlagen.

Zum Scheitern verurteilt

Guaidó verurteilte umgehend die Festnahme seines Stellvertreters als Präsident der Nationalversammlung. «Wir warnen das Volk Venezuelas und die internationale Gemeinschaft: Das Regime hat den ersten Vize-Präsidenten (der Nationalversammlung) entführt», schrieb Guaidó im Kurzbotschaftendienst Twitter. Es versuche, «die Kraft zu zerstören, die alle Venezolaner vertritt». Dies werde aber scheitern.

Der Umsturzversuch gegen Präsident Nicolás Maduro scheiterte allerdings, weil die Streitkräfte der sozialistischen Regierung die Treue hielten. Bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und staatlichen Sicherheitskräften kamen in den folgenden Tagen mindestens fünf Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

EU verurteilt Festnahme

Die EU hat die Festnahme scharf kritisiert. Die Aktion sei «politisch motiviert» und ziele darauf ab, «die Nationalversammlung zum Schweigen zu bringen».

«Die Festnahme des Vizepräsidenten der Nationalversammlung, Edgar Zambrano, (...) ist eine weitere gravierende Verletzung der Verfassung des Landes», erklärte eine Sprecherin der Aussenbeauftragten der EU am Donnerstag in Brüssel.

Guaidó liefert sich seit Monaten einen erbitterten Machtkampf mit Maduro. Der Oppositionsführer wurde von rund 50 Staaten, darunter Deutschland, als Übergangspräsident anerkannt. Maduro stützt sich vor allem auf das Militär des Landes; er wird unter anderem auch von Russland unterstützt.

chk/sda

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