Guaidó: «Meine Pflicht ist es, in Caracas zu sein»

Der venezolanische Präsident will strafrechtlich gegen seinen Herausforderer Juan Guaidó vorgehen. Dieser will trotzdem in seine Heimat zurückkehren.

Ruft zu neuen Massenprotesten auf: Der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó. (23. Februar 2019)

Ruft zu neuen Massenprotesten auf: Der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó. (23. Februar 2019)

(Bild: AFP)

Der selbsternannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaidó hat seinen Willen zur Rückkehr aus Kolumbien in sein Heimatland bekräftigt. «Meine Funktion und meine Pflicht ist es, in Caracas zu sein, trotz der Risiken, trotz allem, was es bedeutet», sagte Guaidó in einem am Dienstag ausgestrahlten Interview mit dem Sender NTN24. Er werde in Venezuela seine «Funktionen» übernehmen, selbst wenn die Regierung seine Festnahme beabsichtige.

Dem Oppositionspolitiker droht in Venezuela die Inhaftierung, da er am Freitag trotz eines Verbots ins benachbarte Kolumbien ausgereist war. Von der Grenzstadt Cúcuta aus organisierte er die am Samstag gescheiterte Lieferung von Hilfsgütern in den südamerikanischen Krisenstaat. Am Montag nahm er an einem Treffen der Lima-Gruppe in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá teil.

Der linksnationalistische Staatschef Nicolás Maduro hatte angekündigt, seinen Gegenspieler in Venezuela vor Gericht zu stellen. Die kolumbianische Regierung verurteilte «schwerwiegende und glaubhafte Drohungen» gegen Guaidó. US-Aussenminister Mike Pompeo bekräftigte, dass für Washington «alle Optionen» zu Venezuela auf dem Tisch lägen.

«Er kann nicht einfach kommen und gehen»

Das venezolanische Militär stoppte die Transporte, es gab mindestens vier Tote und 350 Verletzte. Am Montag nahm Guaido auch an dem Treffen der Lima-Gruppe mit US-Vizepräsident Mike Pence in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota teil.

«Er kann nicht einfach kommen und gehen, die Justiz hatte ihm das Verlassen des Landes verboten», sagte Maduro nach Angaben von ABC. Sollte Guaidó bei seiner Rückkehr in die Heimat festgenommen werden, könnte dies die Lage extrem eskalieren lassen.

Kolumbiens Aussenminister Carlos Holmes Trujillo warnte die Regierung Maduro vor möglicher Gewalt gegen Guaido oder dessen Familie. Es gebe «ernste und glaubwürdige Drohungen» gegen den Interimspräsidenten und seine Familie, sagte Holmes Trujillo. Jegliche Gewaltaktion gegen Guaidó werde eine «internationale Situation heraufbeschwören, die gemeinsames Handeln erforderlich machen würde», warnte der Kolumbianer.

Druck auf Maduro wächst

Die USA und andere Staaten erhöhten unterdessen den Druck auf Maduro, den Weg für eine faire und freie Neuwahl des Präsidenten freizumachen. Die USA verhängten am Montag neue finanzielle Sanktionen. Die Staaten der sogenannten Lima-Gruppe kündigten eine Klage gegen die Regierung Maduro vor Menschenrechtsforen an. Und Guaido rief seine Anhänger zu neuen Massenprotesten in Venezuela auf.

Als Zeichen steigender Nervosität Maduros könnte der Abbruch eines Interviews mit einem Team des spanischsprachigen US-Senders Univisión gewertet werden. Der Staatschef beendete das Gespräch am Montagabend (Ortszeit) nach Angaben der Journalisten abrupt, als sie ihm unbequeme Fragen nach der sozialen Krise im Land stellten und Bilder von Jugendlichen vorspielten, die im Müll nach Essbarem suchten. Die Pressevertreter seien dann für zweieinhalb Stunden in einen Raum einsperrt worden, ihre Ausrüstung sei beschlagnahmt worden.

USA preschen im UNO-Sicherheitsrat vor

Die USA streben noch in dieser Woche eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats zur Lage in Venezuela an. «Wir werden diese Woche eine Resolution haben, die mit Sicherheit zur Einfuhr humanitärer Hilfe nach Venezuela aufruft», sagte der US-Sondergesandte für Venezuela, Elliott Abrams, vor einer Sitzung des Gremiums am Dienstag in New York. Er kündigte einen entsprechenden Entwurf an.

nik/fal/afp/sda

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