Herrlicher Gegner

Jim Inhofe, der leidenschaftliche Klimawandelleugner, soll oberster Umweltpolitiker des US-Senats werden.

Kämpft in Amerika gegen die grüne Mafia: Jim Inhofe glaubt nicht an den Klimawandel. Foto: Jonathan Ernst / Reuters

Kämpft in Amerika gegen die grüne Mafia: Jim Inhofe glaubt nicht an den Klimawandel. Foto: Jonathan Ernst / Reuters

David Hesse@HesseTA

Es macht ihn rasend, das Gerede vom Klimawandel. Und kreativ: 2009 kam Jim Inhofe, Senator aus Oklahoma, mit einem «Trupp der Wahrheit» nach Kopenhagen, um den Weltklimagipfel aufzumischen. Im Jahr darauf, als schwerer Schneefall die sonst wettermilde US-Hauptstadt Washington lahmlegte, baute der Republikaner mit Familienangehörigen ein Iglu für Al Gore, den einstigen Vizepräsidenten und Umweltaktivsten. Und 2012 veröffentlichte er ein Buch gegen die grüne Mafia: «Der grösste Humbug: Wie die Verschwörungstheorie der Erder­wärmung deine Zukunft gefährdet».

Jim Inhofe, heute Montag 80 Jahre alt, ist Klimawandelleugner aus Leidenschaft – und bald oberster Parlamentarier in der US-Umweltpolitik. Ab Januar dürfte er dem Senatsausschuss für Umwelt und öffentliche Bauten vorstehen; seine Republikaner haben die Mehrheit gewonnen, Inhofe darf nach dem Senioritätsprinzip aufrücken. Im neuen Amt wird er den Kampf anführen gegen Barack Obamas Umweltpolitik. Seine Partei hat geschworen, die Umweltschutzbehörde (EPA) fertigzumachen, dieser «Gestapo» (Inhofe) die Gelder zu streichen. Dies im Namen amerikanischer Jobs: Höchstwerte für Schad­stoffemissionen bedrohen kohle­betriebene Russkraftwerke und damit den Bergbau. Saubere Luft vernichtet Stellen. Deshalb hat Inhofe auch das Klimaabkommen mit China letzte Woche als «Charade» bezeichnet; die Drosselung der USA werde nur dem Gegner nützen. Zu den Klimazielen des G-20-Gipfels im australischen Brisbane meinte er: «Präsident Obamas Versprechen, ungewählten UNO-Bürokraten 3 Milliarden Dollar für Umwelt­initiativen zu geben, zeigt, dass er nicht auf die Stimmbürger hört.»

Erfundener Klimawandel

Für die Demokraten ist Inhofes drohender Vorsitz Grund zum Feiern. Der Mann ist so verbohrt, dass man ihn herrlich vorführen kann. Andere Republikaner kaschieren ihre Skepsis mit dem Spruch: «Ich bin kein Wissenschaftler, aber . . .» Inhofe hingegen zitiert forsch die Bibel als Beleg dafür, dass die ganze Forschung falschliege. Genesis 8,22: «Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.» Die US-Bevölkerung mag konservativ sein, so wie Inhofe tickt sie nicht. Eine wachsende Mehrheit akzeptiert, dass am Klimawandel etwas dran sein könnte. Dass die Republikaner trotzdem einen radikalen Scheibenweltler mit dem Klimadossier betrauen, könnte sich rächen.

Wer Mässigung im Amt erwartet, wird wohl enttäuscht. Inhofe, ein ehemaliger Versicherungschef, hatte den Posten schon unter George W. Bush inne, von 2003 bis 2007. Im ersten Jahr erklärte er, wärmeres Klima sei dem Menschen eher förderlich. 2005 lud er den Schriftsteller Michael Crichton («Jurassic Park») als Experten ins Parlament, weil der einen Abenteuerroman über Öko­terroristen verfasst hatte. Und 2006 verstieg er sich in die Aussage, der Klimawandel sei von der UNO erfunden worden, um «die Maschine USA abzuschalten».

Zu früh freuen aber sollten sich die Demokraten nicht. Die Wähler mögen den Klimawandel zunehmend anerkennen, ihre Wut auf Obamas Umweltpolitik aber ist real. In den Bergbaugebieten Kentuckys und West Virginias verlieren ganze Täler ihre Existenzgrundlage. Was nach der Kohle kommen soll, können auch die Demokraten nicht sagen. Telemarketing von zu Hause aus? Dann lieber Republikaner wählen. Inhofe soll für die Sache kämpfen – wenns sein muss mit abstrusen Ideen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...