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Hilferufe aus dem Wilden Westen

In den Vereinigten Staaten klagen Gouverneure und Bürgermeister über den Umgang Washingtons mit dem Coronavirus. Trump habe viel zu spät reagiert.

Im Regen stehen gelassen: Eine Mitarbeiterin des Advocate Lutheran General Hospital in Park Ridge, Illinois, empfängt eine Person zum Covid-19-Test (19. März 2020). Foto: Tannen Maury (Keystone)
Im Regen stehen gelassen: Eine Mitarbeiterin des Advocate Lutheran General Hospital in Park Ridge, Illinois, empfängt eine Person zum Covid-19-Test (19. März 2020). Foto: Tannen Maury (Keystone)

Am vergangenen Montag schlug Donald Trump endlich einen neuen Ton an. Nach wochenlangen Verharmlosungen der Coronavirus-Pandemie schien sich der Präsident plötzlich des Ernstes der Lage bewusst. Aber: Seine Reaktion kam verspätet, dies umso mehr als Trumps mediale Freunde bei Fox News und auf dem rechten Radio-Spektrum den gesamten Februar über hanebüchene Beschwichtigungen und Unwahrheiten verbreitet hatten.

Nun machte sich Trump also ans Krisenmanagement, doch verbreitete er bei täglichen Pressekonferenzen mehrmals Falschinformationen und musste sich vor laufenden Kameras korrigieren lassen. So etwa am Samstag, als Trump behauptete, die von einzelnen Bundesstaaten und Metropolen dringend angeforderte Schutzausrüstung für Krankenhauspersonal befinde sich auf dem Weg, ja «vieles davon wird ausgeliefert».

Leider treffe das nicht zu, sagte daraufhin Dr. Anthony Fauci, zuständig für Allergien und Infektionskrankheiten bei den National Institutes of Health. Man wolle nicht, dass Schutzausrüstung knapp werde, erklärte Fauci, «aber es ist so».

«Es ist ein Wilder Westen da draussen»

In den Hauptstädten der Bundesstaaten wächst unterdessen der Frust über die langsame Reaktion des Bundes. Mehrere Gouverneure schlugen deshalb am Sonntag Alarm, darunter Michigans Gretchen Whitmer. «Menschen werden sterben, weil wir nicht vorbereitet waren, und unsere Wirtschaft wird länger in der Krise stecken, weil wir das als Nation nicht früh genug ernst genommen haben», sagte die Gouverneurin.

Weil der Präsident die Bundesstaaten aufgefordert habe, selbst die Versorgung mit medizinischer Ausrüstung zu übernehmen, konkurrierten die Staaten nun untereinander, klagte der Gouverneur von Illinois, J.B. Pritzker, am Sonntag: «Es ist ein Wilder Westen da draussen.»

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio beklagte am Sonntag gleichfalls die mangelnde Hilfe aus Washington. «Wenn der Präsident nicht handelt, werden Menschen ihr Leben verlieren, die andernfalls überlebt hätten», warnte er.

US-Geheimdienste warnten schon im Januar

Die demokratische Opposition will indes mit Kritik an Trump sparen. Dies sei nicht der richtige Zeitpunkt, um den Präsidenten zur Rechenschaft zu ziehen, glauben demokratische Strategen in Washington. Wichtiger sei jetzt, finanzielle Hilfspakete für die Bevölkerung möglichst schnell zu schnüren und etwa die Arbeitslosen- und Krankenversicherung spürbar zu verbessern. Werde die Krise gemeistert, müsse man sich jedoch mit Trumps Verhalten im Januar und Februar beschäftigen.

Unter anderem hatten US-Geheimdienste nach Auswertung der Lage im chinesischen Wuhan offenbar bereits Anfang Januar auf die Gefahr einer Coronavirus-Pandemie hingewiesen. «Donald Trump mag dies nicht erwartet haben, aber viele andere Leute in der Regierung haben es erwartet», sagte ein ungenannter Regierungsmitarbeiter der «Washington Post». Allerdings habe man den Präsidenten «einfach nicht dazu bewegen können, etwas zu tun», so der Informant.

US-Podcast «Entscheidung 2020»

Christof Münger und Martin Kilian diskutieren in einer weiteren Folge des Tamedia-Podcasts «Entscheidung 2020» darüber, wie Corona gerade Amerika verändert, über dessen Gesundheitssystem, und wie sich die Pandemie auf die Politik auswirkt.

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