«Ich ziehe für Trump in den Krieg gegen seine Gegner»

Von einem Tisch zum nächsten: Stunden nach seinem Rückzug als Trumps Chefstratege arbeitet Steve Bannon wieder bei seiner ultrakonservativen Webseite.

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Nach seinem Abgang aus dem Weissen Haus ist der frühere Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, Stephen «Steve» Bannon, zurück zu seiner populistischen Webseite «Breitbart News» gekehrt. Die ultrakonservative Nachrichtenseite teilte am Freitag mit, Bannon habe am Abend eine Sitzung der Redaktion geleitet. «Die populistisch-nationalistische Bewegung ist heute deutlich stärker geworden», erklärte Chefredakteur Alex Marlow.

Seit Wochen hatte Bannon angedeutet, eventuell zu seinem vorherigen Top-Posten bei Breitbart zurückzukehren. Nach Angaben eines Vertrauten behandelte er die Angelegenheit sogar einmal als festgemachte Sache. In einem Interview mit Bloomberg sagte er, er wolle sich weiter für Trumps Ziele einsetzen. «Ich verlasse das Weisse Haus und ziehe für Trump in den Krieg gegen seine Gegner – auf dem Capitol Hill, in den Medien, und im unternehmerischen Amerika.»

«Trumps Präsidentschaft ist vorbei»

Seinen Verbündeten sagte Bannon, er wolle die US-Regierung aber zur Verantwortung ziehen, wenn sie ihre Versprechen aus dem Wahlkampf nicht einhalte. Nach der Bekanntgabe, dass Bannon das Weisse Haus verlassen werde, twitterte ein hochrangiger Breitbart-Redakteur das Hashtag «#WAR» (#Krieg).

Seine Kampfansage richte sich an alle Gegner Trumps, «im Kapitol, in den Medien, in Amerikas Unternehmen», sagte er. «Trumps Präsidentschaft, für die wir gekämpft und gesiegt haben, ist vorbei», sagte Bannon weiter. Doch sei er immer noch Teil einer «riesigen Bewegung» und werde gemeinsam mit ihr weiter kämpfen.

Nun sind moderate Berater am Drücker

Ohne Bannon ist Trumps Agenda nun in den Händen moderaterer Berater wie des Schwiegersohns des Präsidenten, der Tochter Ivanka und seines Wirtschaftsberaters Gary Cohn, den Bannon als «Globalisierer» verurteilte.

Jüngst hatte der US-Präsident Bannons Rolle in seinem Wahlkampf heruntergespielt. Die Presse behandele ihn unfair, so Trump über Bannon. Dieser sei ein guter Mensch und kein Rassist. Im Wahlkampf galt Bannon als einer der bedeutendsten Figuren, weil er die Verbindung zu jenen Wählern an der Basis herstellte, die Trump am stärksten unterstützten.

«Wir sind dankbar für seinen Einsatz und wünschen ihm das Beste», sagte die Pressesprecherin des Weissen Hauses nach der Bekanntgabe. Bannon hatte den Rücktritt bereits am 7. August eingereicht, hiess es aus seinem Umfeld. Der Abgang Bannons sollte eigentlich eine Woche später, am 14. August offiziell gemacht werden, genau ein Jahr nachdem er zum Wahlkampfteam Trumps dazugestossen war.

Trump-Berater Icahn geht

In etwas mehr als einem halben Jahr im Amt hat Trump nun mehrere Personalien in die Wüste geschickt beziehungsweise zum Rücktritt gedrängt – darunter seinen nationalen Sicherheitsberater, seinen Stabschef, seinen Pressesprecher und zwei Kommunikationsdirektoren. Ebenso hat er FBI-Chef James Comey gehen lassen.

Wie am Freitag ebenfalls bekannt wurde, tritt auch Investor Carl Icahn als Berater von Trump zurück. Er wolle nicht, dass ein Streit um seine Rolle die Präsidentschaft belaste, schrieb Icahn in einem am Freitag veröffentlichten Brief an Trump. Icahn war wiederholt vorgeworfen worden, er stehe in einem Interessenkonflikt, weil seine Empfehlungen positiv für seine eigenen Geschäfte sein könnten. Verbraucherschützer hatten gefordert, Icahns Rolle zu überprüfen. Der Unternehmer und Milliardär hatte Trump frühzeitig unterstützt und gilt als Vertrauter des US-Präsidenten.

chi/fal/roy/AP

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