Zum Hauptinhalt springen

In Blatters Luxushotel schlug die Polizei zu

WM-Finalticket für 11'500 Euro, das roch nach Schwarzmarkt. Nun sitzt der Chef der Fifa-Ticketagentur in Rio in Haft. «Operation Jules Rimet» lässt grüssen.

Soll einer der Hauptverantwortlichen für das illegale Verkaufssystem von WM-Tickets sein: Ray Whelan (links) bei der Festnahme vor einer Woche. (7. Juli 2014)
Soll einer der Hauptverantwortlichen für das illegale Verkaufssystem von WM-Tickets sein: Ray Whelan (links) bei der Festnahme vor einer Woche. (7. Juli 2014)
Reuters
Hier residierten die Fifa-Bosse: Whelan wurde im Luxushotel Copacabana Palace verhaftet. (7. Juli 2014)
Hier residierten die Fifa-Bosse: Whelan wurde im Luxushotel Copacabana Palace verhaftet. (7. Juli 2014)
AFP
Im Hotel wurden zudem 82 Tickets für anstehende WM-Spiele sowie Whelans Computer, Handy und nicht näher benannte Dokumente beschlagnahmt: Ein Polizeiauto verlässt das Copacabana Palace. (7. Juli 2014)
Im Hotel wurden zudem 82 Tickets für anstehende WM-Spiele sowie Whelans Computer, Handy und nicht näher benannte Dokumente beschlagnahmt: Ein Polizeiauto verlässt das Copacabana Palace. (7. Juli 2014)
Keystone
1 / 3

Die brasilianische Polizei hat einen der mutmasslichen Drahtzieher des organisierten Ticket-Schwarzhandels bei der Fussballweltmeisterschaft in Brasilien festgenommen. Ermittler führten am Montag in Rio de Janeiro einen der Chefs der Fifa-Ticketagentur Match Hospitality, Ray Whelan, ab. Whelan soll einer der Hauptverantwortliche für das illegale Verkaufssystem sein.

Whelan wurde einem Polizeisprecher zufolge im Copacabana Palace in Rio de Janeiro festgenommen, einem Luxushotel, in dem auch Topfunktionäre wie Fifa-Präsident Sepp Blatter gastieren. Medienberichten zufolge ist der 64-jährige Funktionär britischer Staatsbürger. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Im Hotel wurden zudem 82 Tickets für anstehende WM-Spiele sowie Whelans Computer, Handy und nicht näher benannte Dokumente beschlagnahmt.

Nacht im Gefängnis

Gegen Whelan kann erst formal Strafanzeige gestellt werden, wenn der Staatsanwaltschaft das Gesamtergebnis der Ermittlungen vorliegt. Noch am Montagabend wurde der Manager verhört. Die Nacht verbrachte er im Gefängnis.

Laut Polizei wurden Telefongespräche zwischen Whelan und dem Algerier Mohamadou Lamine Fofana abgehört, bei denen sie über Kartenpreise verhandelt hätten. Bei Fofana soll es sich um den Kopf des Schwarzmarkthändlerrings handeln. Der Weiterverkauf von WM-Tickets aus Profitgier steht in Brasilien unter Strafe und ist gegen die Statuten der Fifa.

Zehntausende Telefonate aufgezeichnet

Bereits vor einigen Tagen waren im Zusammenhang mit dem Ticketskandal elf Verdächtige festgenommen worden. Nach dem Hauptverantwortlichen wurde bislang noch gesucht. Der illegale Tickethandel soll bereits seit der WM 2002 in Japan und Südkorea laufen.

In Brasilien sollen auf dem Schwarzmarkt nun Karten für alle 64 Spiele zu horrenden Preisen angeboten worden sein, ein begehrtes Finalticket sogar für umgerechnet 11'500 Euro. Die Verkaufspreise lagen bei bis zu tausend Prozent über dem regulären Preis. Im Schnitt habe die Bande pro Spiel rund rund 335 000 Euro verdient, schätzten Ermittler.

Die Ermittlungen wurden von langer Hand vorbereitet: Im Rahmen der «Operation Jules Rimet», benannt nach dem legendären Fifa-Präsidenten, wurden in den vergangenen drei Monaten zehntausende Telefonate aufgezeichnet, von denen ein Grossteil noch ausgewertet werden muss. Anfangs hatte sich der Verdacht auf den Franko-Algerier Mohamadou Lamine Fofana als mutmasslicher Anführer der Schwarzmarkt-Bande gerichtet.

Fifa von mehreren Skandalen erschüttert

Nach Berichten der Zeitung «O Estado de São Paulo» hörten die Ermittler Telefongespräche zwischen Fofana und Whelan ab. Einer der Anteilseigner an der Agentur Match Hospitality ist das in der Schweiz ansässige Unternehmen Infront Sports and Media von Philippe Blatter, einem Neffen des umstrittenen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter. Match Hospitality teilte mit, dass sie Tickets, die von Fofanas Firma Atlanta Sportif für die Halbfinalspiele und das Endspiel gekauft worden seien, inzwischen aus dem Verkehr gezogen habe.

Im ersten Halbfinale trifft Deutschland am Dienstagabend (22 Uhr MESZ) auf Gastgeber Brasilien. Der Ticket-Skandal ist nur einer von mehreren Skandalen, die den Weltfussballverband in den vergangenen Monaten erschütterten. So stehen unter anderem mehrere hohe Fifa-Funktionäre im Verdacht der Bestechlichkeit bei der Vergaben der WM-Endrunde 2022 an das Emirat Katar.

AFP/AP/ajk/chk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch