«Jeder, der sagt: ‹Ich kann Trump schlagen›, macht sich etwas vor»

Mehrere Republikaner wollen 2020 gegen Donald Trump antreten. Sie haben alle dasselbe Problem.

90 Prozent innerparteiliche Zustimmung: US-Präsident Trump macht sich keine Sorgen wegen Kandidaten aus seiner Partei. Foto: Keystone

90 Prozent innerparteiliche Zustimmung: US-Präsident Trump macht sich keine Sorgen wegen Kandidaten aus seiner Partei. Foto: Keystone

Martin Kilian@tagesanzeiger

Während sich über ein Dutzend demokratischer Aspiranten um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei streiten, zieht Donald Trump bisher nahezu unangefochten in die Wahl im kommenden Jahr. Zwar haben mehrere Republikaner ihre Bereitschaft erklärt, dem Präsidenten bei innerparteilichen Vorwahlen die Kandidatur streitig machen zu wollen. Ernsthafte Chancen aber werden ihnen derzeit nicht eingeräumt.

«Jeder, der sagt: ‹Ich kann Trump schlagen›, macht sich etwas vor», warnte neulich etwa der republikanische Ex-Kongressabgeordnete Mark Sanford. Er erwägt trotzdem, gegen den Präsidenten anzutreten.

Nahezu unüberwindliche Barriere für jeden Rivalen

Grundsätzlich sind amtierende Präsidenten keineswegs sicher vor Konkurrenten aus den eigenen Reihen. 1980 musste Jimmy Carter kämpfen, um eine neuerliche Präsidentschaftskandidatur gegen seinen Rivalen Ted Kennedy zu verteidigen. Und 1968 verzichtete Präsident Lyndon Johnson auf eine Präsidentschaftskandidatur, nachdem er die demokratische Vorwahl in New Hampshire nur knapp gegen Senator Eugene McCarthy gewonnen hatte.

Johnson aber war ein politisches Opfer des Vietnamkriegs, und es braucht einige Vorstellungskraft, um sich ein ähnliches Szenario für das Wahljahr 2020 auszumalen. Eine schwere Wirtschaftskrise und ein wuchernder Skandal wären Vorbedingungen, um Donald Trump die erneute republikanische Kandidatur vielleicht zu verwehren. Derzeit unterstützen laut diversen Umfragen zwischen 80 und 90 Prozent der republikanischen Wähler den Präsidenten – eine nahezu unüberwindliche Barriere für jeden Rivalen.

Video – Joe Walsh will Trump ablösen

Der Republikaner gibt seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahlen 2020 bekannt – und rechnet mit Donald Trump ab. Video: Joe Walsh via AFP

Dennoch kündigte am Sonntag der republikanische Ex-Kongressabgeordnete Joe Walsh an, er werde gegen Trump antreten. Walsh sass von 2011 bis 2013 im Repräsentantenhaus und machte sich einen Namen als erzkonservativer und bissiger Vertreter der Tea Party. Am Sonntag entschuldigte sich der Radiotalker für sein früheres Verhalten: Er habe den Aufstieg Donald Trumps «mitzuverantworten, daran gibt es keinen Zweifel», sagte Walsh.

Er warf dem Präsidenten vor, sich wie «ein Kind» zu benehmen. Trump sei «völlig ungeeignet» für die Präsidentschaft und lüge «jedes Mal, wenn er den Mund aufmacht». Neben Walsh möchte William Weld, der ehemalige republikanische Gouverneur von Massachusetts, ebenfalls gegen Trump kandidieren, auch andere Republikaner wie etwa John Kasich, der frühere Gouverneur von Ohio, tragen sich mit dem Gedanken an eine Kandidatur. Für sie alle gilt, was Mark Sanford über die Chancen eines Herausforderers sagte.

Die Republikaner wollen schon seit Jahren mehr Wähler von Minderheiten anziehen. Daraus ist bislang nichts geworden.

Es ist kaum zu erwarten, dass sich ein republikanischer Widersacher 2020 gegen den Präsidenten durchsetzen wird. Dafür beginnt innerhalb der Partei bereits die Diskussion über die Zeit nach Trump. Am Samstag berichtete das Webportal Politico über «spürbare Spannungen» zwischen dem Lager von Vizepräsident Mike Pence und Trumps ehemaliger UNO-Botschafterin Nikki Haley. Beide rechnen sich offenbar Chancen auf eine künftige republikanische Präsidentschaftskandidatur aus.

Während ein Präsidentschaftskandidat Pence kaum einen Neubeginn signalisierte, will Haley, die 47-jährige Tochter indischer Einwanderer, die Republikanische Partei öffnen und attraktiver für Minderheiten machen. Das wäre dringend notwendig: Schon 2020 werden Latinos, Afroamerikaner sowie die Kinder asiatischer Zuwanderer eine Mehrheit der unter 18-jährigen Amerikaner bilden.

Die weisse Stammwählerschaft der Republikanischen Partei altert hingegen, repräsentativ für das Land ist sie schon längst nicht mehr. Nach der verlorenen Präsidentschaftswahl 2008 hatte das Republikanische Nationalkomitee betont, die Partei müsse mehr Wähler von Minderheiten anziehen. Daraus ist bislang nichts geworden, im Gegenteil: Donald Trumps Basis setzt sich überwiegend aus weissen und zudem älteren Wählern zusammen.

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