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Journalismus in den Zeiten Trumps

Donald Trumps Anhänger leben in einem parallelen Universum, das seine Existenz einem dichten Netz obskurer Manipulatoren verdankt. Die Pressefreiheit wird nicht durch offene Repression sondern Marginalisierung traditioneller Medien gefährdet.

US-Präsident Donald Trump sieht sich «im Krieg» mit den etablierten Medien.
US-Präsident Donald Trump sieht sich «im Krieg» mit den etablierten Medien.
Keystone

Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopfe her. Gewiss trifft das auf das Verhältnis der neuen US-Regierung zu den Medien zu. Noch keine Woche im Weissen Haus geht der Chefstratege Trumps frontal auf die Journalisten los.

Stephen K. Bannon rief einen Reporter der New York Times an und diktierte diesem in den Notizblock, die Medien «sollten das Maul halten, und eine Weile zuhören».

Diese Sätze kommen nicht von irgendwem, sondern dem Mann, der nun ein paar Türen neben dem «Führer der freien Welt» sein Büro hat. Sie reihen sich ein in die Medienschelte Sean Spicers im Briefing-Raum des Weissen Hauses, den «alternativen Fakten» Kellyanne Conways und den Angriffen des Präsidenten selbst auf die Medien.

Auch seine Anhänger mögen die Presse nicht

Donald Trump meint auch das so, wie er es sagt. Er sieht sich «im Krieg» mit den etablierten Medien. Warum sollten seine Anhänger das anders sehen?

Zum Beispiel der Troll, der sich während eines Interviews mit einer Familie am Rande des Frauenmarschs ungefragt in das Gespräch einmischte. Ihm reichte der Blick auf das Halsband, an dem der Presseausweis baumelte. «Der ist von der Lügenpresse», polterte der Herr mit grimmiger Mine von der Seite nachdem er die roten Buchstaben «C-N-N» entdeckt hatte.

Tatsächlich handelte es sich und ein Souvenir vom Krönungsparteitag Donald Trumps in Cleveland. Der Nachrichtensender CNN gehörte zu den Sponsoren und hatte die Halsbänder für die Ausweise der akkreditierten Journalisten bereitgestellt.

Das Angebot, auch seinen Standpunkt zu hören, lehnte der «Trumper» brüsk ab. An dieser Stelle schaltet sich seine Frau ein, die Richtung Weisses Haus zeigte und mit giftigen Unterton hinzufügt: «Das wird sich ändern. Da ist jetzt unser Mann drinnen».

Aufgepeitscht durch die Tiraden Trumps über CNN, die New York Times und «die Medien» überhaupt, teilen viele seiner Wähler die Meinung, bei Journalisten handele es sich «um die unehrlichsten Menschen überhaupt»; Lügenpresse eben.

Ressentiments gegen die Elite

Die Pöbeleien speisen sich aus derselben Quelle, die Donald Trump ins Weisse Haus verholfen hat. Ressentiments gegen alles, was als «Elite» wahrgenommen wird.

Dabei handelt es sich um einen globalen Trend, der sich in dem Vertrauensverlust in etablierte gesellschaftlichen Institutionen manifestiert. Dazu gehören die Politik ebenso wie die Kirchen, die Gewerkschaften in gleicher Weise wie die «Wall Street» und eben auch die Medien.

Die Welt der Globalisierung wird von Teilen der Gesellschaft als bedrohlich und kompliziert empfunden. Daraus speist sich die Sehnsucht nach einfachen Antworten.

Der starke Führer, ob er Putin, Erdogan oder nun auch Trump heisst, hat - unabhängig vom kulturellem Kontext - eine gemeinsame Eigenschaft, die deren Anhänger schätzen. Sie sind die fleischgewordene Reduktion von Komplexität.

Fakten weichen dem Glauben an Lichtgestalten, die von den Medien nur beschmutzt werden. Genau dieses Gefühl bediente der neue Sprecher im Weissen Haus Sean Spicer, der sich darüber beklagte, wie demoralisierend es sei, wenn die Reporter die Erfolge des Präsidenten herunter schrieben. Die Sieger fühlen sich als Opfer.

Konzept «alternative Fakten»

Das ist auch die Basis für das Konzept der «alternativen Fakten» - auf Deutsch «Fehlinformationen» - die nun aus dem Weissen Haus in die Welt gesetzt, und von einem dichten Netz obskurer Publikationen im Internet verbreitet werden.

Breitbart, Infowars und Co gebrauchen Plattformen wie Facebook und Twitter, im Nachrichtenstrom mit zu schwimmen, und diesen mit Fake-News zu vergiften.

Apropos «Breitbart»: Dessen langjähriger Chef ist jener Stephen Bannon, der nun an der Seite des Präsidenten gegen die unabhängigen Medien zu Felde. Bannon fungiert als Chef-Propagandist Trumps, der Breitbart zum globalen Agitprop-Arm der US-Regierung machen will.

Rückkehr in die analoge Welt

Die Herausforderung für Journalisten besteht darin, ihre Anerkennung als «Schleusenwärter» neu zu verdienen . Statt zum Resonanzkasten des digitalen Gezwitschers von Trump und Co zu werden, könnte die bewusste Rückkehr in die analoge Welt dazu beitragen.

Vom Schreibtisch aufstehen, mit Menschen sprechen, die eigenen fünf Sinne gebrauchen, sorgfältig bei den Fakten bleiben und Zusammenhänge herstellen, sind Tugenden, die helfen neues Markenbewusstsein in den Medien zu schaffen.

Früher oder später entpuppen sich die parallelen Universen als Scheinwelten, alternative Fakten als Lügen. Je lauter Trumps Chefstratege Bannon von Journalisten verlangt, den Mund zu halten , desto besser erledigen diese Medien ihren Job.

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