Kolumbianischer General entführt

Präsident Juan Manuel Santos macht die Farc dafür verantwortlich und setzt die Friedensverhandlungen mit den Rebellen aus.

Legt die Verhandlungen auf Eis: Santos kürzlich bei einer Rede an einer Polizeischule. (14. November 2014)

Legt die Verhandlungen auf Eis: Santos kürzlich bei einer Rede an einer Polizeischule. (14. November 2014)

(Bild: AFP Guillermo Legaria)

Seit nunmehr zwei Jahren laufen Friedensverhandlungen, nun haben die Gespräche zwischen Kolumbiens Regierung und den Farc-Rebellen ihren bisher schwersten Rückschlag erlitten. Nach der Entführung eines Generals kündigte Präsident Juan Manuel Santos am Sonntag die Aussetzung der Gespräche an.

Seit Beginn des Friedensprozesses im November 2012 hat es keinen derart schwerwiegenden Vorfall gegeben. «Unsere Informationen bestätigen, dass mit Sicherheit die Farc dahinter steckt», sagte Santos. Er forderte die umgehende Freilassung des Verschleppten.

Mit Boot unterwegs

General Rubén Alzate war nach Regierungsangaben am Sonntag nahe Quibdó in der östlichen Provinz Chocó in einem Boot unterwegs. Er habe eine ziviles Energieprojekt besichtigen wollen, als er beim Anlegen von Bewaffneten entführt worden sei.

Zusammen mit dem General wurden ein weiterer Soldat und eine Beraterin entführt. Dem Soldaten, der das Boot steuerte, gelang es, zu fliehen und Alarm zu schlagen.

«Das ist eine Entführung, man muss die Sache beim Namen nennen», sagte Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón. Seinen Angaben zufolge waren die Entführten entgegen den geltenden Sicherheitsanweisungen in Zivilkleidung unterwegs. Pinzón bat das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) darum, eine Freilassung zu vermitteln.

Farc-Hochburg

Chocó gilt als Hochburg der Farc, die Anfang der 60er aus einem Bauernaufstand hervorgegangen war. Im Jahr 2012 hatten die Rebellen der Entführung von Zivilisten abgeschworen.

Angehörige der Sicherheitskräfte gelten ihnen dagegen als Kriegsgefangene. Erst in der vergangenen Woche hatte die Farc zwei einfache Soldaten entführt und anschliessend signalisiert, über ihre Freilassung verhandeln zu wollen.

Der Konflikt zwischen Kolumbiens Regierung, der Farc, bewaffneten Splittergruppen und paramilitärischen Milizen ist der älteste Konflikt Lateinamerikas. In den vergangenen fünf Jahrzehnten wurden nach amtlichen Angaben 220'000 Menschen getötet. Mehr als fünf Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben. Derzeit gehören der Farc nach offiziellen Angaben rund 8000 Kämpfer an.

Friedensgespräche suspendiert

Am 19. November 2012 hatte der seit dem Jahr 2010 amtierende und im Juni wiedergewählte Staatschef Santos offizielle Friedensgespräche mit Farc-Vertretern im Inselstaat Kuba aufgenommen. Nun verkündete der 62-Jährige, dass er die Diplomaten angewiesen habe, die Gespräche nicht wie geplant am Montag fortzusetzen.

Erst wenn Klarheit bestehe und die Entführten freigelassen seien, könnten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, sagte der Mitte-rechts-Politiker. Er wies seine Unterhändler an, vorerst auf Kuba zu bleiben.

Santos war erst kürzlich aus Europa zurückgekehrt, wo er in mehreren Hauptstädten um finanzielle Unterstützung für die Umsetzung des Friedensplans geworben hatte. Bei den Verhandlungen in Kuba ist es Bogotá und der Farc bereits gelungen, Lösungen für drei von sechs Themenkomplexen zu finden.

So wurden eine Landreform und die Bekämpfung der Drogenkriminalität vereinbart sowie die politischen Einbindung der Farc geklärt. Offen sind dagegen die Fragen der Entwaffnung der Rebellen, die Entschädigung von Opfern des Konflikts und die konkreten Mechanismen zur Umsetzung des Friedensplans.

mw/sda

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