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Merkwürdiges Sex-Geständnis des Trump-Gefährten

Stand der Financier Elliott Broidy für eine Affäre des US-Präsidenten gerade? Gelohnt hätte es sich für ihn allemal.

600 Millionen Dollar erhielt Elliott Broidy für einen Deal mit Saudiarabien: Log er dafür für Donald Trump? Foto: AP
600 Millionen Dollar erhielt Elliott Broidy für einen Deal mit Saudiarabien: Log er dafür für Donald Trump? Foto: AP

Er werde «unsere Regierung wieder ehrlich machen», versprach Donald Trump im Wahlkampf 2016. Er nahm sich noch mehr vor: «Zuerst muss ich den Sumpf in Washington austrocknen». Der Sumpf in der amerikanischen Hauptstadt aber ist eher tiefer geworden, seit Trump im Weissen Haus regiert. Lobbyisten wähnen sich im Schlaraffenland, Angestellte von Energie- und Pharmaunternehmen wechselten in die Regierung und deregulieren dort ihre einstigen Arbeitgeber, und Michael Cohen, der Anwalt des Präsidenten, verkaufte Zugang zu Trump für hohe Summen.

Und ausserdem gibt es Elliott Broidy. Der kalifornische Financier ist seit Jahren republikanischer Geldgeber, er sitzt im Parteivorstand und unterstützte Trump grosszügig. Dass Broidy 2009 in New York Offizielle bestach, damit sie 250 Millionen Dollar Pensionsgelder bei ihm investierten, ist längst vergessen. Broidy wurde verurteilt, kam jedoch glimpflich davon, nachdem er als Zeuge der Anklage gegen die von ihm Bestochenen aussagte.

Schmutzkampagne gegen Qatar

Nach Trumps Wahlsieg witterte Broidy das grosse Geschäft. Mit Hilfe des schillernden libanesisch-amerikanischen Geschäftsmanns George Nader, einem verurteilten Pädophilen, der inzwischen mit Sonderermittler Robert Mueller kooperiert, verschaffte er sich Zugang zu den Herrschenden Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Zusammen mit Nader wollte er der Kundschaft am Golf Sicherheitsdienste in Milliardenhöhe verkaufen, darunter den Aufbau einer arabischen Kampfeinheit.

Um sich die Gunst der Emiratis zu sichern, orchestrierten Nader und Broidy im Verlauf von 2017 in den USA eine beispiellose öffentliche Kampagne gegen Qatar, den Erzfeind der Saudis und Emiratis. Meinungsartikel wurden lanciert und eine Konferenz einberufen, bei der Qatar wegen angeblicher Terrorunterstützung und Nähe zum Iran gegeisselt wurde. Die Schmutzkampagne beglückte vor allem die Emiratis, die unter anderem hofften, die Regierung Trump werde den US-Militärflughafen in Qatar in die Emirate verlagern.

Bilder – Stormy Daniels packt aus

Muss die Anwaltskosten von Donald Trump übernehmen: Stephanie Clifford, auch bekannt als Stormy Daniels, an einer Erotikmesse in Berlin. (11. Oktober 2018)
Muss die Anwaltskosten von Donald Trump übernehmen: Stephanie Clifford, auch bekannt als Stormy Daniels, an einer Erotikmesse in Berlin. (11. Oktober 2018)
Kamil Zihnioglu, Keystone
Deckte 400'000-Dollar-Zahlung auf: Sonderermittler Robert Mueller untersuchte Geldflüsse von Novartis an Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen.
Deckte 400'000-Dollar-Zahlung auf: Sonderermittler Robert Mueller untersuchte Geldflüsse von Novartis an Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen.
Alex Wong/Getty Images, AFP
«Trump weiss, dass ich die Wahrheit sage.» (6. Mai 2009)
«Trump weiss, dass ich die Wahrheit sage.» (6. Mai 2009)
Bill Haber, Keystone
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Broidy wiederum erhoffte sich für seine Bemühungen lukrative Grossaufträge. Was fehlte, war ein Treffen mit Trump, das den potenziellen Auftraggebern Broidys Zugang zum Weissen Haus beweisen sollte. Am 30. November 2017 überwies Broidy eine Spende von 189’000 Dollar an das Republikanische Nationalkomitee, zwei Tage später fand die erwünschte Begegnung mit Trump statt. Kurz darauf unterzeichneten die Emirate einen Vertrag mit Broidy in Höhe von 600 Millionen Dollar.

Ebenfalls am 30. November hatte Broidy 200’000 Dollar an das ehemalige Playboy-Model Shera Bechard überwiesen – die erste Tranche von insgesamt 1.6 Millionen Dollar, die Bechards Schweigen erkaufen sollten. Als die Zahlung aufflog, gab Broidy sofort zu, Bechard sei seine Mätresse gewesen. Er habe sie geschwängert, sie sich einer Abtreibung unterzogen. Seltsam an der Transaktion war nicht nur, dass die Schweigevereinbarung von Michael Cohen getroffen wurde, Trumps persönlichem Anwalt, der bekanntlich auch eine Schweigeververpflichtung für die Porno-Darstellerin Stormy Daniels aufgesetzt hatte. Für 130’000 Dollar hatte sich Daniels verpflichtet, nichts über eine angebliche Affäre mit Trump zu sagen.

Die Stillschweigevereinbarungen haben zu Spekulationen geführt, nicht Broidy sei mit Bechard liiert gewesen, sondern Trump.

Noch merkwürdiger an der Abmachung zwischen Broidy und Bechard mutete an, dass sie haargenau den Stillschweigeabkommen zwischen Daniels sowie einer weiteren vermeintlichen Trump-Freundin, dem ehemaligen Playboy-Model Karen McDougald, glich – bis hin zu den Fake-Namen der Vertragsparteien: David Dennison und Peggy Peterson. Erfunden hatte die Namen Michael Cohen, «Dennison» stand wohl für Trump, «Peterson» für die jeweilige Freundin.

Die frappierende Ähnlichkeit der Stillschweigevereinbarungen hat zu Spekulationen geführt, nicht Broidy sei mit Bechard liiert gewesen, sondern Trump. Broidy habe dem Präsidenten lediglich einen Gefallen getan, um sich dadurch das Wohlwollen Trumps zu sichern. Gelohnt hätte sich der Deal allemal: Am 17. Januar 2018 ging die erste Rate der vereinbarten 600 Millionen Dollar aus den Emiraten auf Elliott Broidys Konto ein – 36 Millionen Dollar.

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