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Milder Westen

Jim Chilton ist ein Cowboy und ein Vorposten der USA: Wo sein Land endet, beginnt Mexiko. Jeden Tag trifft er auf Menschen, die über die Grenze wollen – und hat Mitleid mit ihnen.

Jim Chilton hat die Stiefel ausgezogen, seinen Hut an die Wand gehängt. Neben dem Bett liegt die Schrotflinte, in Reichweite auch ein Sturmgewehr. Sie kommen, wenn es dunkel ist. Sie schleichen über Geröll, durch Senken und Canyons. Dornen krallen sich in ihre Kleider, aber das hält sie nicht auf. Chilton hat die Eindringlinge mit einem Schild gewarnt: «Ihr werdet erfahren, ob es ein Leben gibt nach dem Tod.» Ihre Sohlen sind aus Teppich, die flauschige Seite unten. Lautlos wie Katzen schleichen sie durch die Nacht, ohne Spuren zu hinterlassen im Staub.

Jim Chiltons Ranch im Süden Arizonas ist umringt von Hügelketten, mitten im trockenen Gras. 20 Kilometer südlich, wo sein Land endet, beginnt Mexiko. Sie klettern über Chiltons Viehzäune oder schneiden sich durch den Stacheldraht. So gelangen sie in die Vereinigten Staaten. Hier steht keine Mauer aus Beton oder Stahl. Hier ist die Grenze bloss eine Idee im kargen Gelände. Das Tor zum gelobten amerikanischen Land steht weit offen.

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