Zum Hauptinhalt springen

Neue Proteste um Ferguson

Anwälte kritisieren den Freispruch des weissen Polizisten, der den unbewaffneten Schwarzen Michael Brown erschoss. In der Region um Ferguson brodelt es weiter. Die Stadt erwartet eine unruhige Nacht.

Fordern politisches Engagement statt Konsum: Protestzug durch die Saint Louis Galleria mall. (28. November 2014)
Fordern politisches Engagement statt Konsum: Protestzug durch die Saint Louis Galleria mall. (28. November 2014)
Joshua Lott/Getty Images, AFP
Angespannte Ruhe: Eine Lichterkette vor dem Polizeipräsidium in Ferguson. (27. November 2014)
Angespannte Ruhe: Eine Lichterkette vor dem Polizeipräsidium in Ferguson. (27. November 2014)
Reuters
Die Menschen in Ferguson sind nach dem Entscheid aufgebracht. (24. November 2014)
Die Menschen in Ferguson sind nach dem Entscheid aufgebracht. (24. November 2014)
Reuters
1 / 29

Demonstranten haben in der Innenstadt von St. Louis im US-Staat Missouri Barrikaden umgekippt und die Stufen eines Gerichtsgebäudes eingenommen. Rund 300 Menschen marschierten während der Mittagspause von einem Park zu dem Gericht. Die Protestierenden sind über die Entscheidung von Geschworenen verärgert, einen weissen Polizisten wegen der tödlichen Schüsse auf den schwarzen Teenager Michael Brown in der nahegelegenen Stadt Ferguson nicht anzuklagen.

Die Protestaktion war am Dienstag eine von mehreren in der Gegend um St. Louis. Eine Grosse Anklagekammer hatte am Montag entschieden, dass sich der weisse Polizist Darren Wilson nicht wegen der Erschiessung des 18-jährigen Browns am 9. August vor Gericht verantworten muss. Dies löste in den USA einen Proteststurm aus.

Anwälte kritisieren Staatsanwalt

Knapp vier Monate nach den tödlichen Schüssen ist Ferguson damit wieder zum Brennpunkt rassischer Spannungen geworden. Nach der Entscheidung der Grand Jury am Montag schlugen in dem Vorort von St. Louis Demonstrationen in eine Nacht der Gewalt und Zerstörung um. Läden wurden in Brand gesteckt, Polizeiautos demoliert, es gab Berichte über Plünderungen.

Die Anwälte der Familie Browns erklärten am Dienstag, die Entscheidung der Grossen Anklagekammer sei ungerecht. Sie seien von Anfang an dagegen gewesen, dass der zuständige Staatsanwalt Bob McCulloch eine Grand Jury eingesetzt und den Fall nicht einem Sonderstaatsanwalt übergeben habe. Der Bürgerrechtler Al Sharpton warf McCulloch vor, auf seiner Pressekonferenz Michael Brown diskreditiert zu haben. Er kritisierte aber auch die Gewalt in der Nacht: Die Randalierer stünden nicht auf der Seite Browns.

Gouverneur schickt weitere Nationalgardisten

Der Polizist Darren Wilson, der sich wegen seiner Schüsse nun nicht vor Gericht verantworten muss, dankte seinen Unterstützern. Seine Anwälte sagten, die Entscheidung der Geschworenen habe berücksichtigt, dass Polizisten oft «im Bruchteil einer Sekunde schwierige Entscheidungen treffen müssen».

Die Behörden wappneten sich unterdessen für eine weitere unruhige Nacht in Ferguson. Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, setzte Verstärkungen der paramilitärischen Nationalgarde in Marsch. Den Ausnahmezustand hatte er bereits vor der Grand-Jury-Entscheidung verhängt.

Bei den Unruhen in der Nacht zum Dienstag wurden in Ferguson Behördenangaben zufolge 61 und in St. Louis 21 Gewalttäter festgenommen. Mindestens 18 Menschen wurden in Ferguson verletzt. Am Dienstag stieg noch Rauch aus in der Nacht angezündeten Geschäften auf, Bürgersteige waren mit Scherben eingeschlagener Schaufenster übersät. Der Schulunterricht wurde abgesagt.

Familie «zutiefst enttäuscht»

In seiner 45-minütigen Erklärung zum Jury-Entscheid erwähnte McCulloch nicht einmal, dass das Opfer Brown unbewaffnet gewesen war. Viele Zeugen hätten widersprüchliche Aussagen gemacht, die mit den physischen Beweisen nicht zusammengepasst hätten.

Browns Familie erklärte kurz nach der Bekanntgabe, sie sei «zutiefst enttäuscht», bat die Öffentlichkeit aber, «die Frustration in Bahnen zu lenken, die einen positiven Wechsel bringen. Wir müssen zusammenarbeiten, um ein System zu reparieren, das dies zugelassen hat.»

Proteste in vielen US-Städten

Der Fall Brown hat in den USA die Debatte neu entflammt, wie die Polizei mit Schwarzen umgeht. Rassendiskriminierung gibt es in Ferguson und vielen Teilen des Landes noch gut ein halbes Jahrhundert nach der Bürgerrechtsbewegung. Nach Browns Erschiessung gab es in Ferguson wochenlang Proteste, die meisten friedlich, einige aber auch mit grosser Gewalt.

Wilson brachte den Jugendlichen vor den tödlichen Schüssen offenbar mit einem Raubüberfall in Verbindung. Berichten zufolge gab der Beamte an, er habe um sein Leben gefürchtet, als der 1,90 grosse Brown auf ihn zugekommen sei. Zeugen sagten dagegen, der Teenager habe sich ergeben wollen und die Hände in die Höhe gehalten.

Überall in den USA gingen Demonstranten gegen die Entscheidung auf die Strasse. In der Nähe von San Francisco wurde eine Autobahn blockiert. In Chicago, Los Angeles, New York, Seattle und anderen Städten blieben die Proteste weitgehend friedlich.

Obama ruft zu Mässigung auf

US-Präsident Barack Obama appellierte an die Polizei, «Vorsicht und Zurückhaltung walten zu lassen». Obama forderte, die Entscheidung zu akzeptieren. «Wir sind eine Nation, die auf Rechtsstaatlichkeit aufbaut», sagte er. Allerdings herrsche «in zu vielen Teilen dieses Landes ein tiefes Misstrauen zwischen der Polizei und farbigen Menschen».

Die mehrheitlich afroamerikanische Bevölkerung von Ferguson fühlt sich von der überwiegend weissen Polizei immer wieder diskriminiert. Das US-Justizministerium lässt derzeit mögliche Bürgerrechtsverletzungen durch die dortige Polizei überprüfen. Auch gegen Wilson ermitteln die Bundesbehörden wegen Bürgerrechtsvergehen, laut US-Medien dürften aber auch hier die Beweise wohl nicht für eine Anklage reichen.

SDA/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch