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Obama droht Nordkorea mit der Terrorliste

US-Präsident Barack Obama wertet den Hacker-Angriff auf Sony nicht als «Kriegsakt». Pyonyangs Angebot zur gemeinsamen Aufklärung lehnt er dennoch ab. Washington prüft andere Schritte.

Ist stolz auf seine Angestellten: Sony-Chef Kazuo Hirai. (5. Januar 2015)
Ist stolz auf seine Angestellten: Sony-Chef Kazuo Hirai. (5. Januar 2015)
AFP
Die USA beschuldigen Nordkorea offiziell des Hackerangriffs auf Sony: Barack Obama bei einer Pressekonferenz in Washington.
Die USA beschuldigen Nordkorea offiziell des Hackerangriffs auf Sony: Barack Obama bei einer Pressekonferenz in Washington.
Keystone
Terrordrohungen bei der Premiere und Ärger mit Nordkorea: Die Hauptdarsteller von «The Interview», James Franco (links) und Seth Rogen. (11. Dezember 2014)
Terrordrohungen bei der Premiere und Ärger mit Nordkorea: Die Hauptdarsteller von «The Interview», James Franco (links) und Seth Rogen. (11. Dezember 2014)
Kevork Djansezian, Reuters
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Als Strafe für die Hacker-Attacke auf Sony erwägen die USA, Nordkorea nach sechs Jahren wieder auf die Liste der Terrorunterstützerstaaten zu setzen. Ein solcher Schritt werde bereits geprüft, sagte Präsident Barack Obama dem Nachrichtensender CNN. Zugleich stellte er klar, dass Washington den Cyberangriff auf Sony Pictures wegen der Polit-Posse «The Interview» nicht als «Kriegsakt» einstufe, sondern als Vandalismus.

Die Attacke anonymer Hacker und mysteriöse Anschlagsdrohungen auf US-Kinos hatten Sony bewogen, den für kommenden Donnerstag geplanten Filmstart abzublasen. Dem Konzern entstand dadurch nach Expertenschätzung ein Schaden von einer halben Milliarde Dollar. Nach Erkenntnissen des FBI steht die Regierung in Pyongyang hinter dem Angriff.

Die Überprüfung, ob Pyongyang nun zurück auf die Liste der Staaten gesetzt werde, die den Terror unterstützen, sei schon im Gange, sagte Obama in dem am Freitag aufgezeichneten und am Sonntag ausgestrahlten Interview. Das Weisse Haus reagiert damit auf eine Forderung des einflussreichen Senators Robert Menendez an das Aussenministerium, das in der Frage massgeblich ist. Der demokratische Politiker sieht in dem Hacker-Angriff einen «gefährlichen Präzedenzfall» für eine Cyberattacke, die einer grossen internationalen Firma enormen Schaden verursachen könne.

Heftiges Säbelrassen

Die USA hatten Nordkorea 2008 von der Liste der Terrorunterstützer gestrichen. Zur Zeit stehen dort der Iran, der Sudan und Syrien sowie Kuba. Havanna soll aber nach der jüngsten Aussöhnungsoffensive zwischen beiden Staaten auf Wunsch Obamas von der Liste genommen werden.

Pyongyang hat den Vorwurf, hinter der Cyberattacke auf Sony zu stecken, als «grundlos» zurückgewiesen. Durch die Anschuldigungen aus Washington sieht sich die Regierung zu heftigem Säbelrassen angestachelt. Streitkräfte und Volk stünden «zur kriegerischen Konfrontation auf allen Gebieten - auch dem Cyberkrieg - bereit, um Festungen zu sprengen», erklärte der Nationale Verteidigungsausschuss (NDC) am Sonntag. Die von Obama angekündigte «angemessene Reaktion» werde «durch die härtesten Gegenaktionen auf das Weisse Haus, das Pentagon und das ganze Land bei weitem übertroffen.»

China ins Boot holen

Zur Abwehr künftiger Cyberattacken wollen die USA offenbar den Erzrivalen und Nordkorea-Verbündeten China ins Boot holen. Peking sei um «Zusammenarbeit» gebeten worden, sagte ein hoher US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Eine entsprechende Anfrage sei bei gemeinsamen Gesprächen über Internetsicherheit gestellt worden. Washington und Peking seien sich einig, dass «zerstörerische Angriffe im Cyberspace ausserhalb der Normen angemessenen Cyber-Verhaltens stehen». Eine engere Zusammenarbeit auf dem Gebiet ist brisant, da sich beide Regierungen gegenseitig etwa der Industriespionage im weltweiten Datennetz verdächtigen.

Im Zentrum der ganzen Affäre steht eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP), die Ende November einen Cyberangriff auf Sony gestartet und interne Dokumente und E-Mails veröffentlicht hatte. Vor einigen Tagen sprach die Gruppe wegen der Parodie «The Interview», in der es um ein angebliches Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht, ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Mehrere Kinoketten entschieden daraufhin, den Film aus dem Programm zu nehmen - woraufhin Sony den Kinostart komplett absagte.

AFP/wid

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