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«Obama hat den absoluten Charakter»

Schon drei Tage vor Barack Obamas Amtsübernahme werden historische Vergleiche gezogen. «Magazin»-Korrespondent Peter Haffner spricht mit dem Historiker David Abshire, der die Stärken und Schwächen aller US-Präsidenten erforscht hat.

Millionen pilgern zu den Inaugurations-Feierlichkeiten vom 20. Januar in Washington. Barack Obama, der erste Afroamerikaner im Oval Office, wird auch darin den Rekord brechen.

Der mächtigste Mann des Globus ist schon vor Amtsantritt zum globalen Symbol geworden. So gross die Hoffnungen sind, die auf ihm ruhen, so gross ist seine Bürde. Die Welt schlittert in eine Wirtschaftskrise, und die Liste ungelöster Probleme vom Nuklearterrorismus bis zum Klimawandel will nicht enden.

Wird Obama alldem gewachsen sein? David Abshire, Präsident des Center for the Study of the Presidency, kennt die Schwächen und Stärken sämtlicher US-Präsidenten wie niemand sonst. Sein Thinktank zieht Lehren aus der Geschichte, die dem jeweils neuen Amtsinhaber zunutze kommen sollen. Der 82-jährige Abshire, Absolvent der Militärakademie von West Point, Kompaniekommandant im Koreakrieg, promovierter Historiker, US-Botschafter bei der Nato und Sonderberater von Präsident Reagan, ist zuversichtlich. Im Demokraten Obama erkennt er die Züge eines Republikaners, der eines der bedeutendsten Kapitel der amerikanischen Geschichte geschrieben hat.

Professor Abshire, Sie sind seit fünfzig Jahren mit US-Präsidenten und der Geschichte ihres Amtes so vertraut wie kaum jemand. Nach Barack Obamas Wahl kursierte der Witz von der Schlagzeile: «Black Man Gets Nation’s Worst Job!» Das ist noch untertrieben! Ein so schlechtes politisches Klima wie heute habe ich nie erlebt. Es ist schlimmer als der Kalte Krieg. Und es kommt womöglich noch schlimmer. Barack Obama wird vor einem Haufen schwerer Probleme stehen.

Als da wären? Zwei unvollendete Missionen in Afghanistan und im Irak, ein streitsüchtiger Iran, der nach der Bombe strebt, ein nukleares Pakistan, das Terroristen beherbergt, aufrührerische Bevölkerungen von Kairo bis Kaschmir. Dazu Russland und China, die zwar nicht unsere Feinde sind, doch uns die Führungsrolle streitig machen.

Im Inland sieht es nicht viel rosiger aus. Die finanzielle Sicherheit der nächsten Generation ist bedroht wegen unserer Schulden, der Altersversicherung geht das Geld aus, die Kosten der medizinischen Versorgung laufen aus dem Ruder. Wir sind vom Öl abhängig, und die Ausgaben, dem Klimawandel zu begegnen, werden enorm sein.

Das ruft nach einem Superman im Oval Office. An welchen Präsidenten erinnert Sie Obama? An Abraham Lincoln.

Das ist eine grosse Wertschätzung. Und ob! Er ist sehr klug, genau wie Lincoln.

Lincoln gilt als der grösste Präsident der Geschichte Amerikas. Weil er eine seltene Begabung hatte: die Fähigkeit, an einer Vision festzuhalten, aber pragmatisch zu handeln. Während des Bürgerkriegs tat er alles, die Union zusammenzuhalten. Er beharrte darauf, dass der Krieg nicht um die Abschaffung der Sklaverei geführt werde, sondern um die Sezession zu unterbinden. Erst nach dem Sieg von Antietam 1862 erweiterte er das Ziel des Kriegs. Und noch vor dessen Ende arbeitete er bereits darauf hin, die Spaltung des Landes zu überwinden. So leitete er die zweite amerikanische Revolution ein – setzte die Idee in die Tat um, dass «alle Menschen gleich erschaffen wurden».

Das ist ein heroischer Leistungsausweis. Wie kann man einen Mann, der noch nicht einmal im Amt ist, mit so einem Helden vergleichen? Weil Obama bei all seiner Unerfahrenheit, die er übrigens mit Lincoln teilt, eine brillante Kampagne führte. Ich möchte John McCain nicht auf die Füsse treten, ich bewundere ihn. Doch er agierte ziellos. Konnte sich nicht auf etwas konzentrieren. Hatte Fraktionen. Das gabs bei Obama nie.

Sie meinen, das qualifiziert ihn für die Präsidentschaft? Sicher! Obama ist schwarz. Wir haben einen Schwarzen gewählt! (lacht) Dazu wäre es nie gekommen, wenn er nicht so geschickt gewesen wäre. Obama hat Lincolns Revolution vollendet. Er hat nicht davon geredet, weil er die Rassenfrage nicht zum Thema machen wollte. Doch er hat es geschafft.

Obama, haben Sie gesagt, müsse sich nun aber eher an Franklin Roosevelt orientieren. Weil die Situation ähnlich ist. 1933, als Roosevelt das Amt antrat, war Amerika in der grossen Depression. Roosevelt wusste, wie man Schwierigkeiten überwindet. An Polio erkrankt, war er von der Hüfte abwärts gelähmt. Zuvor hatte er als Playboy gegolten – gut aussehend, reich, ein Leichtgewicht aus Harvard. Ein Jahrzehnt später, 1933, hielt er seine bewegendste Rede. «Wir haben nichts zu fürchten ausser der Furcht selber», sagte er einer verzweifelten Nation. Damit schuf er Vertrauen und Hoffnung. Das ist es, was wir heute brauchen.

Obama geniesst ein Charisma wie seit langem kein politischer Führer mehr. Doch wie bei Roosevelt wird entscheidend sein, was er im Amt daraus macht. Das ist richtig. Roosevelts erster Schritt war, den Ansturm auf die Banken aufzuhalten. Er liess sie für vier Tage schliessen und berief den Kongress zu einer Bankreform-Session ein. Weitere Notmassnahmen folgten, darunter die Mobilisierung von zwei Millionen Arbeitslosen, um die Infrastruktur zu erneuern, Strassen, Brücken und Häuser zu bauen, Wälder wiederaufzuforsten, Dämme zu errichten.

Obama hat ähnliche Pläne. Er will drei Millionen Arbeitsplätze schaffen in den nächsten zwei Jahren mit staatlichen Infrastruktur-Projekten, vom Transportwesen über Gebäudeisolierung bis zur Digitalisierung von Patientenakten. Ja, doch wir sollten den New Deal nicht überschätzen, trotz grossen Fortschritten wie dem garantierten Mindestlohn und der Schaffung der Altersversicherung. Roosevelt beendete die Wirtschaftskrise nicht, der Krieg tat das. Der kurbelte die Wirtschaft neu an.

Mit 3,6 Billionen Dollar war der Zweite Weltkrieg das happigere Stimulus-Paket als selbst die rund 800 Milliarden Dollar, die Obama zur Krisenbewältigung einsetzen will. So ist es.

Welche Eigenschaften fallen Ihnen an Obama auf, wenn Sie ihn mit seinen dreiundvierzig Vorgängern vergleichen? Er hat etwas, was viele nicht hatten: einen absoluten Charakter.Eisenhower hatte das auch. Kennedy nicht – zu viele Indiskretionen.

Reicht ein guter Charakter, um ein guter Führer zu sein? Nicht unbedingt. Jimmy Carter hatte Charakter, aber keine Führungsqualitäten. Reagan hatte Führungsqualitäten, aber keinen Charakter. Obama hat beides.

Was sonst noch? Eine Begabung, zum Kern der Sache vorzustossen. Das konnte man sehen, als General David Petraeus im Senat befragt wurde. Diese geduldige Art, in der Obama ihn dazu brachte zu definieren, was Erfolg, was Sieg im Irak genau heisst – das war eine vollkommen andere Art von Konversation, als Bush sie führt. Bush meint, es reiche, ein Ziel zu deklarieren, wie «Demokratie im Nahen Osten». Woodrow Wilson, der die Welt «sicher für Demokratie» machen wollte, hat denselben Fehler gemacht, auch Lyndon Johnson in Vietnam. Doch es gibt Wege, Mittel, ein Timing. Wie kommt man dahin? Das ist die Frage.

Obamas Kabinetts-Ernennungen haben viele überrascht. Wie beurteilen Sie seine Wahl? Es ist ein Kabinett der Mitte, und das ist richtig so. Das heisst nicht, dass es farblose Leute sind, darauf aus, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Es ist eine dynamische Mitte.

Präsident Bush hat eine gespaltene Nation hinterlassen, in der die Mitte keinen Platz hatte. Präsident Obama wird diese Nation im Namen der gemeinsamen Sache einigen müssen. Dazu braucht er das Vertrauen des Kongresses und des Volkes, wie auch das seiner Partei.

Gibt es denn überhaupt einen Willen zur Zusammenarbeit? Ist nicht zu viel Geschirr zerschlagen? Wenn viel auf dem Spiel steht, lassen Amerikaner ihre Sonderinteressen beiseite und spannen zusammen. Wir führen eine Liste von über zweihundert Persönlichkeiten aus beiden Parteien, religiösen Gruppen, Universitäten und Unternehmen, die alle ein Dokument unterzeichnet haben, das zu Rücksichtnahme und Einigung aufruft in dieser kritischen Zeit.

Hat Bush irgendetwas gut gemacht? Ist er wirklich einer der schlimmsten Präsidenten der Geschichte? Man muss vorsichtig sein, wenn man über amtierende Präsidenten redet. Im Nachhinein sind Präsidenten oft anders gesehen worden. Harry Truman und Ronald Reagan werden heute weit besser beurteilt als zu ihrer Amtszeit, während etwa Warren Harding oder Calvin Coolidge, damals hoch angesehen, nun als bedeutungslose Kleingeister gelten. Bushs Ruf wird von der Entwicklung im Irak abhängen.

Was lässt sich über Bush bereits heute sagen? Er hat Führungsqualitäten gezeigt unmittelbar nach dem Terroranschlag vom 11. September. Doch er hat es nicht vermocht, darauf aufzubauen. Er hätte seinen Opponenten Al Gore gewinnen sollen, für ihn um die Welt zu reisen. Doch Bush war nicht offen für andere Ansichten, und das Timing seiner Administration war in fast allem daneben. Bei der zweiten Krise, dem Hurrikan Katrina, hat er versagt.

Und innenpolitisch? Seine Reform des Schulwesens und seine Initiative, Aids weltweit zu bekämpfen, sind lobenswert. Schulen müssen nun Rechenschaft ablegen über die Fortschritte aller ihrer Schüler. Und die globale Aidshilfe ist verdoppelt worden.

Ein vormaliger Gouverneur, war Bush politisch erfahrener als Obama, als er ins Weisse Haus einzog. Das war auch der Vorgänger von Lincoln, James Buchanan. Einer der Bestqualifizierten, die das Präsidentenamt antraten. Doch die drohende Spaltung des Landes paralysierte ihn, er konnte weder Kompromisse machen noch Entscheide fällen. Erfahrung garantiert nicht den Erfolg.

Und Buchanan war froh – wie wohl auch Bush –, als er das Amt verlassen durfte. Es heisst, er habe zu Lincoln gesagt, als er ihm das Weisse Haus übergab: «Wenn Sie, mein werter Herr, so glücklich sind, dieses Haus zu betreten, wie ich es bin, es zu verlassen, dann sind Sie der glücklichste Mann im Land.»

Obama wird Amerikas Ruf wieder aufbauen müssen. Seine Aussenministerin ist seine frühere Rivalin, Hillary Clinton. Ist das eine gute Wahl? Eine sehr smarte!

Erfolgreiche Aussenminister wie Henry Kissinger oder James Baker harmonierten mit ihren Präsidenten. Hillary Clinton hat immer ihre eigenen Pläne im Kopf gehabt – kann sie Obama nicht gefährlich werden? Sie wäre viel gefährlicher, wenn sie im Senat sitzen würde mit ihrer eigenen Agenda! Hillary wird klug sein. Sie weiss, dass sie wie Colin Powell enden wird, wenn sie sich von Obama löst. Das will sie nicht. Sie will eine grosse Aussenministerin sein.

Von vielen wird Obama geradezu als Erlöser verehrt. Zu seinem Amt gehört es nun, Leute zu enttäuschen. Was er bereits getan hat mit der Wahl von Rick Warren, der das Bittgebet an der Inauguration halten wird. Unter Evangelikalen gilt Warren als gemässigt. Aber er ist gegen die Homosexuellen-Ehe und hat die Initiative zu deren Verbot in Kalifornien unterstützt. Obama sagte, er wolle Leute mit unterschiedlichen Ansichten, Amerika müsse zusammenkommen. So ist es möglicherweise clever, jemanden von dieser Seite so frühzeitig einzubeziehen.

Also geht es um Versöhnung, womit wir wieder bei Lincoln wären. Ja, auch das erinnert an Lincoln. Dessen Kabinett versammelte Opponenten, um den politisch geteilten Norden zusammenzuhalten. Lincoln vermochte Freundschaft mit Männern zu schliessen, die einst seine Feinde waren.

Präsidenten laufen Gefahr, von der Realität isoliert zu werden, umgeben von einseitigen Beratern. Bush war ein klassischer Fall. Zu der einen oder anderen Zeit ihrer Präsidentschaft sind das manche gewesen, wie etwa Woodrow Wilson, Lyndon Johnson, Richard Nixon, Ronald Reagan…

...den Sie 1987 in der Iran/Contra-Affäre beraten haben. Reagan war entschlossen, sich nicht zu isolieren und alles unter den Tisch zu kehren, wie das Nixon in der Watergate-Affäre versucht hat. Damit hat er sich gerettet.

Wie war Reagan im Übrigen? Reagen war so naiv. Er dachte, man könne den Kalten Krieg gewinnen. Und er hatte recht! (lacht schallend) Doch er brauchte Leute wie James Baker und George Shultz, die Wege fanden, seine Vision zu verwirklichen.

Zurück zu Barack Obama und der Gefahr seiner Isolierung: Bald darf er aus Sicherheitsgründen sein Blackberry nicht mehr benutzen.Ich kenne Emanuel Rahm, Obamas Stabschef. Er wird ihn nicht abschotten, und Obama liesse das gar nicht zu. Als er seine grosse Krise um Reverend Jeremiah Wright hatte, seinem Pastor, der diese Tiraden gegen Amerika hielt, handelte Obama wie Lincoln: Er zog sich zurück und schrieb seine Rede selber. Seine Berater haben sich die Fingernägel abgekaut in jener Nacht, und er ist am nächsten Tag gekommen und hat gesagt: «Was macht ihr euch Sorgen? Entweder gewinnen wir die Wahlen oder wir verlieren sie. Entspannt euch!» Er hat diesen Fatalismus, den auch Lincoln hatte.

Was sind seine Schwachstellen? Er hat zu lange zugewartet, um auf diese Illinois-Geschichte zu reagieren, den Gouverneursskandal. Seine Coolness könnte ihn in bestimmten Fällen zu verzögerten Reaktionen verleiten. Doch auf lange Sicht ist das eher ein Vorteil. Er hat nicht die Schwäche eines George W. Bush, wo Loyalität der Schlüsselfaktor war. Barack Obama ist von kühler Distanziertheit in solchen Belangen.

Worauf sollte er besonders achten? Dass er nicht zu viel auf einmal unternimmt. Ich denke, er muss sich auf die Wirtschaft konzentrieren. Deren Gesundung ist die Voraussetzung für alles andere.

Wenn man Ihnen zuhört, könnte man glauben, Obama sei nahezu unfehlbar. Schauen Sie – der Weg ist steil, und zweifellos wird er auf die Nase fallen. Auch Lincoln fiel auf die Nase und erlitt, weil schlecht vorbereitet, seine Niederlage in Manassas, der ersten grossen Landschlacht des Bürgerkriegs. Kennedy strauchelte in der Schweinebucht-Affäre, hatte aber die Grösse, alles auf sich zu nehmen. Fragt man Bush, ob er einen Fehler gemacht habe, sagt er, «geben Sie mir zwei Wochen Zeit, und ich werde sehen, ob ich einen finde». Obama ist nicht so.

Jeder zehnte Republikaner und jeder fünfte Konservative hat für Obama gestimmt – nicht nur aus Enttäuschung über Bush. Ich bin ein waschechter Republikaner aus den alten Tagen der Partei, wo Defizite und Schulden verpönt waren. Ich bin um einige Präsidenten herum gewesen, Republikaner wie Demokraten. Ich denke, wir können uns glücklich schätzen mit Obama. Wir haben uns alle gefragt, was ist mit seinem Mangel an Erfahrung, seinem Abstimmungsverhalten im Senat, dem linksten von allen? Und nun zeigt sich, wie wohlüberlegt er handelt.

Die Demokraten verfügen über grosse Mehrheiten in beiden Häusern des Kongresses, und Obama hat sich nie mit seiner eigenen Partei angelegt... ...er hat es jetzt getan! Indem er General Jones zum nationalen Sicherheitsberater ernannte, Robert Gates als Verteidigungsminister behält und einsieht, dass der Krieg im Irak mehr Zeit braucht. Und indem er diesen evangelikalen, konservativen Pfarrer holt. Obama provoziert die Linke mehr als jeder neu ins Präsidentenamt tretende Demokrat dies vor ihm getan hat.

Sie haben die Militärakademie von West Point absolviert. Was ist das Wichtigste, was Sie da für die Politik gelernt haben? Dass die Einheit oberstes Prinzip der Strategie ist. Wenn man ein geteiltes Washington und eine geeinte «Achse des Bösen» hat, ist man in der denkbar schlechtesten Position.

Differenzen mit Europa jedoch werden bleiben, auch wenn das transatlantische Bündnis derzeit weniger gespannt ist. Die Deutschen, die Obama in Berlin zujubelten, werden kaum mehr Truppen nach Afghanistan schicken wollen, wie er das fordert. Sie selber waren US-Botschafter bei der Nato in den Achtzigerjahren, als die Raketenaufstellung zu Proteststürmen führte. Die Nato muss umgekrempelt werden, so wie wir sie damals umgekrempelt haben. Es braucht eine neue Lagebeurteilung, nicht nur ein strategisches Konzept, sondern einen konzeptuellen Rahmen, wie wir den Bedrohungen begegnen. Obama muss zum Treffen des Nato-Rates gehen, wir müssen eine EU- und Nato-Zusammenarbeit auf die Beine stellen, die Kräfte verbinden. Das ist auch im Interesse der Nationen Europas.

Obamas aussenpolitisches Team besteht aus zwei Kalten-Krieg-Veteranen und einer politischen Rivalin. Doch es setzt mehr auf Diplomatie als auf das Militär, anders als die Bush-Regierung. Ich bin überzeugt, dass wir mit Diplomatie wieder Spielraum gewinnen. Verteidigungsminister Gates hat über die Grenzen militärischer Macht in Kriegen geredet, in denen kein militärischer Sieg möglich ist, und er hat die Vernachlässigung von Amerikas «soft power» gerügt. General Jones, ein früherer Nato-Kommandeur, hat frei heraus gesagt, die Nato sei nicht am Gewinnen in Afghanistan, entgegen der Behauptung von Bush. Er ist ein ruhiger Typ und wird es auch Obama sagen, wenn er unrecht hat. Die grossen Fehler, wie die Schweinebucht-Affäre, die Iran/Contra-Affäre, die Fehlbeurteilung im Irak-Krieg, die treten auf, wenn man kein Team hat, das im Takt ist.

Wird Amerika wieder Fuss fassen, zu alter Grösse wiederauferstehen? Dieses Land hat einen Bürgerkrieg überlebt, zwei Weltkriege, ein langes atomares Patt, in dem die Existenz der Zivilisation als solcher bedroht war. Dazu terroristische Anschläge, Präsidentenmorde. Es hat einen Wandel in seiner Auffassung vom Stimm- und Wahlrecht bewerkstelligt und sich von einer eng definierten Bürgerschaft zum am meisten diversifizierten und assimilierten Volk der Erde gemausert...

...was nicht so reibungslos verlief... ...nein, diese Geschichte war nicht immer nobel. Rassismus, Sexismus, Machtmissbrauch und Perioden von gewinnsüchtigem Konsumismus haben sie mitgeprägt. Das hat die Werte bedroht, für die diese Nation steht, die Freiheit, die Chancen. Doch unsere besten Führer haben immer wieder an unser besseres Selbst appelliert, um da herauszukommen.

Wie Lincoln, um auf ihn zurückzukehren. Jefferson Davis war eben zum Präsidenten der Konföderierten gewählt worden, und der Krieg Bruder gegen Bruder stand bevor, als Lincoln seine Antrittsrede hielt. Darin sprach er von den «mystischen Saiten der Erinnerung» und den «besseren Engeln unserer Natur», welche die Union wieder zusammenbringen würden. Provinziell und unerfahren, begriff der grüne «Prärieanwalt» die Lektionen der Geschichte, die er studierte für das Land, das er liebte.

Barack Obamas Wahl wird gern «historisch» genannt. Stehen wir an einem Wendepunkt der Geschichte? Es gibt Momente, wo ein Präsident die Möglichkeit hat, das Land radikal zu verändern. Das ist immer wieder geschehen. Und jetzt ist wieder so ein Moment.

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